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Marlen Schachinger (Hg.), "schreibSPUREN 2010. Junge Literatur. Eine Anthologie" . € 15,– / 186 Seiten. Edition Volkshochschule, Wien 2010

Der Lehrgang Literarisches Schreiben an der Werkstätte Kunstberufe in Wien ist eine der wenigen Ausbildungsvarianten in Österreich mit dem Ziel einer Qualifikation für eine berufliche Tätigkeit im Literaturbetrieb (AutorIn, Verlagswesen, Kulturjournalismus). Im Laufe von sechs Semestern werden in aufeinander aufbauenden Modulen Theorie und Praxis des Literarischen Schreibens sowie Kenntnisse  der Literaturwissenschaft, -theorie und –geschichte vermittelt. Schwerpunkte sind weiters das Experimentieren mit verschiedenen Schreibtechniken, Stilen und Strukturen sowie das Reflektieren des eigenen Schaffens. Auch erste Erfahrungen mit dem Literaturbetrieb – wie Sprechtechnik, Gestalten von Lesungen, Pressearbeit und Networking – bilden wichtige Bausteine dieses Lehrgangs.

Die Anthologie „schreibSPUREN 2010“ bietet einen Querschnitt ausgewählter Arbeiten junger Autorinnen und Autoren des Lehrgangs Literarisches Schreiben; von amüsant-ironisch zu nachdenklich und ernst reicht das Spektrum der Kurzgeschichten und poetologischen Essays.
Marlen SCHACHINGER, Herausgeberin, Autorin und Leiterin des Lehrganges, ermöglicht mit Ihrem Vorwort Einblicke in die ersten Schritte eines Werdegangs – ebenso wie Nils JENSEN, Robert MENASSE, Christa NEBENFÜHR und Renate WELSH, die als GastautorInnen im Rahmen des Lehrgangs tätig waren.

Paul Auer, Radikale Ratten:
„Ich habe eine Karte von Marie bekommen. Sie schreibt über London, die Clubs dort, von einem Ausflug nach Brighton. Sie schreibt immer solche Sachen. Ich stehe hier und halte eine angeschissene Windel in der Hand. Die Karte ist schon gestern angekommen, aber ich habe sie erst heute aus dem Briefkasten genommen.“

Lisa Lackner, Zwischen den Zeilen:
„Einfach. Ein Satz – lächerlich. Jeder kann doch wohl einen Satz schreiben. Natürlich kann jeder einen Satz schreiben. Aber nicht jeder kann einen ersten Satz schreiben. Einen ersten Satz, der so spannend, brillant und noch dazu grammatikalisch korrekt ist, dass der Leser nicht sofort das Buch weglegt und zur Fernbedienung greift. Es gibt solche, die Meister dieser ersten Sätze sind. Die sofort den Richtigen wissen, ihn niederschreiben und dann dafür in der Mitte der Kurzgeschichte festsitzen, weil sie merken, dass zwar der Erste, jedoch nicht die Folgenden spannend, brillant oder grammatikalisch korrekt sind. Und dann gibt es jene, die ständig nach dem ersten, perfekten Satz suchen, ihn nie finden und dann frustriert aufgeben. Ich gehöre weder zu der einen noch zu der anderen Gruppe. Tatsächlich arbeite ich nämlich generell unter drei Voraussetzungen: Kaffeetrinkend, sonntags um zwei Uhr in der Früh unter dem größten Druck. Dass ich den perfekten ersten Satz je finde oder schon gefunden habe, bezweifle ich.“

Werkstätte Kunstberufe

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