Ein Fenster im Alltag
Denkmal für die zerstörte Synagoge in der Eitelbergergasse/ Ecke Neue Weltgasse
Die letzten Arbeiten am Denkmal von Hans Kupelwieser für die 1938 zerstörte Synagoge in der Eitelbergergasse in Hietzing.

Das Fundament wurde in der Bauakademie Wien gegossen.

Montage des Metallschuhs für die Glasstele durch Günter Dräger.

Die Betonplatte wird installiert.

Lieferung der Glasstele, die von der Firma Ertlglas gefertigt wurde

Die Glasstele wird fixiert.
Wir stehen hier vor einem Fenster, einem eigenartigen Fenster, denn ein Fenster braucht einen Fensterstock und Mauern, durch ein Fenster fällt Licht in das Zimmer in den dahinterliegenden Raum. Durch dieses Fenster fällt Licht doch dahinter ist nichts, der Raum dahinter, den gibt es nicht mehr, das Haus, die Synagoge steht nicht mehr. Auf dem Gehweg finden wir nur mehr eine eigenartige Spur. Durch das Fenster, das der Künstler Hans Kupelwieser hier aufgestellt hat haben wir die Möglichkeit in die Vergangenheit zu sehen. Vor der Folie der Vergangenheit taucht die Gegenwart auf, nur hier ist es so, im Alltag wurde ein Fenster gesetzt, durch das Fenster kann jeder sehen, erkennen kann man jedoch nur, wer einen Standpunkt einnimmt.

Der Fries wird auf den Gehsteig gemalt.
Der Nationalsozialismus hat Menschen ermordet, Vergangenheit vernichtet und das Unterste zu Oberst gekehrt, die Synagoge die Arthur Grünberger geschaffen hat, stand nur ganze zehn Jahre hier, ein schöner Bau. In der Nacht vom 9. auf den 10. November brannte auch diese Synagoge wie 267 in ganz Wien. 680 Juden begingen in diesen Tagen Selbstmord. Der Sachschaden betrug ersten Schätzungen zufolge 25 Millionen Reichsmark. Ungefähr 7500 Geschäfte waren zerstört worden.

Nicht alles haben die nachfolgenden Generationen rückgängig, wiedergutmachen können, an diese Unmöglichkeit erinnert auch das auf den Gehsteig gemalte Fries der Synagoge, manches bleibt verloren. Menschenleben und Vergangenheit, was zu Oberst war bleibt für immer Unten, das Dach ist Boden geworden.

Die Erinnerung ist ein Konstrukt aus Fragmenten. Fragmente finden wir auch hier an dieser Straßenecke, ein Fenster und eine Linie. Wir können heute nur versuchen Material zu liefern, das Bild muss sich jeder selbst machen. Dies auch bewusst zu machen ist eine Stärke dieser Konzeption von Hans Kupelwieser.



