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Geschichte des Jüdischen Institutes für Erwachsenenbildung

1. Entstehung

Das Jüdische Institut für Erwachsenenbildung entstand  1988/89 auf Initiative von Prof. Kurt Rosenkranz, der sich bereits viele Jahre mit den Ursachen des Antisemitismus beschäftigt hatte. Schließlich kam er auf die Idee, eine jüdische Volkshochschule zu gründen, um Nichtjuden die Möglichkeit zu geben, über jüdische Religion, jüdische Lebensformen und jüdische Kultur zu erfahren. Rosenkranz war überzeugt, dass man durch Wissen Vorurteile abbauen kann - ”denn nur was man nicht kennt, hasst man”. Die Umsetzung war mühsam, nervenaufreibend und zeitraubend. Schließlich kam es 1989 zur Gründung des Vereins “Jüdisches Institut für Erwachsenenbildung”. In den Statuten wurde der Vereinszweck wie folgt bestimmt “die Förderung von Tätigkeiten, die die Aneignung von Kenntnissen und Fertigkeiten sowie der Fähigkeiten und Bereitschaft zu
verantwortungsbewusstem Urteilen und Handeln und die Entfaltung der persönlichen Anlagen im Sinne der ständigen Weiterbildung zum Ziel haben.” Als Ziele wurden u.a. die politische und soziale Bildung, die berufliche Weiterbildung, die musische Bildung, die Nachholung, Fortführung und Erweiterung der Schulbildung durch Kurse, Schulungen, Vorträge und Seminare genannt. “Der Verein bekennt sich zu den Prinzipien ... der Demokratie, der Überparteilichkeit und der Überkonfessionalität.”

Das Jüdische Institut schloss einen Kooperationsvertrag mit dem Verband Wiener Volksbildung und wurde als Volkshochschule “besonderen Typs” in den Kreis der Wiener Volkshochschulen als als assoziierter Verein aufgenommen. Mit der Umstrukturierung der Wiener Volkshochschulen – zur Wiener VHS-GmbH 2008 begann auch für das Jüdische Institut eine neue Ära, als „Sondereinrichtung“ wurde das Jüdische Institut nun voll integriert.



2. Das Kursangebot

Im Herbst 1989 konnte das Jüdische Institut für Erwachsenenbildung feierlich eröffnet werden.
Der erste Kurstag war der 10. Oktober 1989. Die Resonanz in den Medien war vom ersten Tag an überaus positiv. Ursprünglich lag der Schwerpunkt auf Religion, Geschichte, jüdische Kultur und Sprachen. Später kamen die Bereiche Literatur, Musik, Tanz, Philosophie, Psychologie & Psychotherapie, Zeitgeschichte und Politik hinzu. Zwei Vortragende der ersten Stunde sind noch heute am Institut tätig: Oberrabbiner Prof. Paul Chaim Eisenberg, der gemeinsam mit anderen kompetenten ReferentInnen “Das jüdische Lehrhaus” leitet, und Hanna Lion, die Hebräisch unterrichtet. Ein wichtiger Aspekt im Kursangebot ist auch der Dialog mit anderen Religionen.

Tanz
Schon seit dem ersten Semester werden Tanzkurse angeboten. Die aus dem Kurs gebildete Tanzgruppe HAVA NAGILA tritt immer wieder öffentlich auf, u.a. bei den jährlich stattfindenden Straßenfesten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und bei anderen multikulturellen Festen und Veranstaltungen.

Exkursionen
Dreimal pro Semester führt Prof. Kurt Rosenkranz Interessierte durch den Wiener Stadttempel. Diese Synagogenführungen sind kostenlos und werden in den Programmheften sämtlicher Wiener Volkshochschulen angekündigt. Durchschnittlich nehmen zwischen 100 und 150 Personen teil. Prof. Rosenkranz steht nach einem allgemein gehaltenen Teil zur Geschichte der Juden Wiens und der Baugeschichte des Wiener Stadttempels, für die Anwesenden für Fragen zur Verfügung. Das Spektrum reicht von religiösen Fragen über politische Ansichten, bis hin zu rein persönlichen Gefühlen, Lebensweisen und Eindrücken. Führungen zu den versunkenen Spuren jüdischer Geschichte und durch die Wiener jüdischen Friedhöfe werden angeboten.

Sonderprojekte und Publikationen

Symposien und Ausstellungen werden regelmäßig durchgeführt.
In den letzten Jahren gab es Symposien u.a. zum Thema „Jüdische Gemeinden in Europa“, der Picus Verlag publizierte unter dem selben Titel die Zusammenfassung der einzelnen Beiträge. Anlässlich des 10. Jahrestages der Institutsgründung wurde gemeinsam mit dem Leiter des VHS-Archivs, Christian Stifter, die Studie „Bildung gegen Vorurteile“ heraus gegeben. Im Rahmen der zehnten Jiddischen Theaterwoche erschien eine Broschüre, die von Milli Segal und Brigitte Ungar-Klein gestaltet wurde.
Viele Künstler nehmen die Gelegenheit wahr, im Jüdischen Institut ihre Werke zu präsentieren, so unter anderem Prof. Mag. Ernst Degasperi - einer der bedeutendsten österreichischen Künstler, der in seinen Darstellungen versucht, Kulturen, Religionen zu vereinen und damit einen Weg zum Frieden für alle Menschen weist.

Jüdische Filmwoche
Die erste Filmwoche wurde 1991 in Zusammenarbeit mit dem Filmhaus Stöbergasse der VHS-Margareten-Polycollege und der Österr. Gesellschaft zur Erhaltung und Förderung der jüdischen Kultur und Tradition organisiert. Es wurde dabei ein Überblick über siebzig Jahre jüdisches Filmschaffen gegeben. Seither gab es unterschiedliche Schwerpunkte – Themen- oder Länderbezogen. 1995 wurde die Durchführung an Frédéric-Gérard Kaczek weitergegeben.

Jiddische Theaterwoche
Seit 1995 veranstaltet das Jüdische Institut für Erwachsenenbildung alljährlich im Herbst eine ”Jiddische Theaterwoche”. Bis 1938 gab es in Wien in der Praterstraße ein Theater, das in Jiddisch bespielt wurde. Durch die Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung ging es – wie viele andere kulturelle Besonderheiten unter. Umso wichtiger war die Initiative des Jüdischen Instituts für Erwachsenenbildung, durch die ”Jiddische Theaterwoche” das Wiener Publikum mit diesem Erbe bekannt zu machen. Verschiedene ausländische Theatergruppen, die Werke in Jiddisch aufführen, wurden im Laufe der Jahre nach Wien eingeladen. Seit Herbst 2007 werden „Jiddische Kulturtage“ organisiert. Klezmermusik, jiddisches Kabarett, chassidische Weisheiten sollen neben dem Schauspiel im Vordergrund stehen.



3. Würdigung und Ausblick


Für ihre engagierte Arbeit  wurden das Jüdische Institut für Erwachsenenbildung und Prof. Kurt Rosenkranz mehrfach ausgezeichnet, u.a. ”Dr. Karl Renner-Preis“, und das ”Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien”. (1999) Im Oktober 2000 wurde Prof. Kurt Rosenkranz das „Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse“ verliehen.
Mit eifrigem Bemühen sind Vorstand und Institutsleitung tätig, um verstärkt zur Verständigung zwischen Juden und Nicht-Juden beizutragen und das Judentum Nicht-Juden näher zu bringen, um so durch Bildung Vorurteile abzubauen und Toleranz und Verständnis für das Unbekannte und Fremde zu wecken.