
Die hebräische Sprache
Hebräisch, die Sprache der Bibel, eine semitische Sprache, mit der phönizischen und aramäischen Sprache verwandt, läßt sich bis etwa 1300 v.Z. zurückverfolgen, als die Israeliten ins Land Kanaan kamen. Als Alltagssprache wurde Hebräisch zur Zeit des 1. und 2. Tempels verwendet, nach der Zerstörung des Tempels durch die Römer 70 n.Z. und der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung war sie die Sprache der Weisen. Ab dem 3. Jahrhundert wurde Hebräisch vom Großteil der Bevölkerung nicht mehr aktiv gesprochen, Hebräisch wurde zur Sprache des Gebets, der Theologie, der Philosophie, Wissenschaft und Dichtung. In der mittelalterlichen Welt war hebräische Literatur die am weitesten verbreitete, die in vielen Ländern zerstreut lebenden Juden verwendeten die gemeinsame Sprache zur Kommunikation.
Die Neubelebung des Hebräischen erfolgte zur Zeit der Aufklärung, als jüdische Dichter und Wissenschafter begannen, sich neben den bis dahin üblichen religiösen oder philosophischen Themen neuer Themen anzunehmen und dafür neue, moderne Worte und Begriffe der Sprache beifügten. Mit dem Einsetzen des Nationalismus im 19. Jahrhunderts wurde der Zusammenhang der Wiedergeburt eines jüdischen Staates mit dem Wiederaufleben der hebräsichen Sprache diskutiert. Federführend war dabei der aus Litauen stammende Elieser Ben Jehuda (eig. Elieser Isaak Perlman, 1858 – 1922), der 1881 in das damalige Palästina kam und beharrlich daran arbeitete, Hebräisch zu einer lebendigen Sprache zu machen. Zunächst wurde Ben Jehuda und seine Idee heftigst kritisiert, galt doch Hebräisch als „heilige Sprache“, bis sich vor allem durch die Immigration vieler Jugendlicher aus dem osteuropäischen Raum der Gedanke langsam durchzusetzen begann: Schulen, Institute wurden gegründet, Ben Jehuda richtete 1890 einen Sprachenrat (Waad ha-Laschon) ein, er begann mit der Ausarbeitung eines Wörterbuches, das erst lange nach seinem Tod fertiggestellt wurde. Die Akademie für die hebräische Sprache in Jerusalem befaßt sich bis heute mit der Gestaltung, Modernisierung und Assimilation von Wörtern, die eine moderne Sprache benötigt.
Bekannten sich 1916 etwa 34 000 Menschen zur hebräischen Sprache, ist Hebräisch (Iwrith) heute die offizielle Sprache Israels.



