
Jiddisch
Dus is jiddisch!
Die Anfänge des Jiddischen gehen bis ins frühe Mittelalter zurück, Juden in Mitteleuropa übernahmen die Sprachformen ihrer christlichen – mittelhochdeutsch sprechenden Nachbarn, und ergänzten den Wortschatz mit aus dem Hebräischen stammenden Ausdrücken. Durch die Vertreibung der Juden ab Mitte des 13. Jahrhunderts und deren Neuansiedlung in östlichen Gebieten, u. a. im Königreich Polen, verselbständigte sich die Sprache: Idiome aus slawischen Sprachen, aber auch aus romanischen Sprachen wurden integriert. Von Beginn an wurde Jiddisch mit hebräischen Buchstaben geschrieben und war somit geeignetes Kommunikationsmittel für das europäische Judentum, auch wenn es bis ins 18. Jahrhundert bedeutende regionale Unterschiede gab. Erst mit der Einigung auf eine einheitliche Grammatik und Syntax wurde das Jiddische zur Literatursprache. Werke von Schalom Alejchem oder Salomon Anski zählen zur Weltliteratur. Bis zur Shoa sprachen etwa 10 Millionen Menschen Jiddisch, durch die Ermordung von sechs Millionen Juden in den Vernichtungslagern des Dritten Reiches kam diese Sprache nahezu zum Verstummen. Überlebende der Überlebende der Shoa haben ihre Sprache in ihre jeweils neue Heimat mitgenommen, Jiddisch wird wieder weltweit gesprochen und gelesen, wenn auch nur mehr von einer kleinen Minderheit.
Mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Issac Bashevis Singer im Jahr 1978 zollte man der jiddischen Sprache und Literatur hohen Beifall.
In Österreich lebten bis 1938 etwa 200 000 Juden. Viele davon sprachen unter anderem auch Jiddisch. Es gab im 2. Wiener Bezirk, in der Praterstraße ein Theater, das Stücke in Jiddisch zur Aufführung brachte. Das kulturelle Leben der Jahrhundertwende und in der Ersten Republik wurde zu einem hohen Prozentsatz von Juden geprägt und getragen.
Die Sprache der Wiener nahm zahlreiche Idiome des Jiddischen an, und diese sind bis heute aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken.
KLEINE WÖRTERKUNDE
bojm - Baum
chassene - Hochzeit
Chojsek machen - verspotten, lustig machen über ...
Chojsek - Spott
Chuzpe – Frechheit
Ezes – Ratschlag
gut Jomtev – schönen Feiertag
jiches - Abstammung,
jichesbojm - Stammbaum
kapeljuch - Hut
Macke – Fehler
Majße - Geschichte
Masel – Glück
masel tov - alles Gute
mame-loschn - Jiddisch (Muttersprache)
melamed - Lehrer (für Kleinkinder)
Meschiech (Meschiach) - Messias
meschugge, meschigge - verrückt
Mikwe - rituelles Bad
Mischpoche – Familie
Mojde sajn - zugeben, gestehen
Nes Chanukka - Das Wunder von Chanukka (Lichterweihefest)
Parnoße - Lebensunterhalt, Verdienst
Reibach – Gewinn
scholem - Friede
scholem-alejchem – Friede sei mit Euch
Schlimasl - Pech, Unglück
Tacheles – Klartext
Zores – Problem
meshugeh - verrückt
Er bolbet Narishkeiten. – Er spricht Unsinn.
Es brent mir ahfen hartz. – Es brennt mir auf dem Herzen.
Er frest vi a ferd. – Er frisst wie ein Pferd.
Vorstand und Leitung des Jüdischen Instituts für Erwachsenenbildung erachten es als von größter Wichtigkeit, kulturelle Veranstaltungen, wie eben die Jiddischen Kulturtage zu organisieren, da gerade diese zur besseren Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion beitragen.


