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Fotoausstellung zu James Joyces Österreich-Aufenthalten

In der VHS Hietzing sind auch noch im August jene Fotografien zu sehen, die James Joyce und seine Familie in Bregenz, Feldkirch und Salzburg zeigen, darunter einige bislang unveröffentlichte Aufnahmen.

Noch bis 31. August ist in der „Volkshochschule Hietzing“ (13., Hofwiesengasse 48) unter anderem jene zwölf Fotografien zu sehen, die James Joyce in Bregenz, Feldkirch und Salzburg zeigen. Die weltweit verstreuten Fotografien wurden eigens vom Wiener Germanisten Andreas Weigel zusammengetragen, der seit einigen Jahren die „rot-weiß-roten Flecken“ in James Joyces Leben und Werk erforscht und in der Absicht dokumentiert, Joyces Österreich-Aufenthalte sowie ihre biografischen und künstlerischen Folgen bekannter zu machen.

Öffnungzeiten im Sommer
Mo, Di, Do 9:00-18:00
Mi 9:00-12.00

Link zur Sendung ö1 Leporello 7.6.2011

Handout zu Ausstellung
zusammengestellt von Andreas Weigel


Fünfwöchiger Salzburg-Aufenthalt
Im Sommer 1928 hat James Joyce mit seiner Lebensgefährtin Nora Barnacle und der gemeinsamen 21-jährigen Tochter Lucia fünf Tage in Innsbruck sowie fünf Wochen in Salzburg verbracht. Dort traf Joyce unter anderem seinen Bruder Stanislaus, der mit seiner frisch angetrauten Frau Nelly im Pongau die Flitterwochen verbrachte, den britischen Schriftsteller John Drinkwater und dessen Gattin, die australische Geigerin Daisy Kennedy, den amerikanischen Kunstmäzen Otto Kahn, die Salzburger Künstler Adolph Johannes Fischer sowie Stefan Zweig. Zudem half Joyce Stuart Gilbert in Salzburg bei dessen Ulysses-Kommentar, der im deutschen Sprachraum als Das Rätsel Ulysses (1930) bekannt wurde und musste wegen mehrerer Augenentzündungen den Salzburger Augenarzt Anton Toldt aufsuchen.

Künstlerische Folgen des Salzburg-Besuches
Die Ausstellung zeigt auch jene vier Schwarz-weiß-Fotografien, die der Salzburger Maler, Schriftsteller und Kunstsammler Adolph Johannes Fischer im Sommer 1928 bei seinem gemeinsamen Ausflug mit Joyce im bayerischen Raitenhaslach aufgenommen hat und die 1929 unter dem Titel „Fluviana“ in Eugene Jolas‘Avantgarde-Zeitschrift „transition“ veröffentlicht wurden. Ergänzend ist auch die einzig erhalten gebliebene Fotografie des Raitenhaslacher „Salzach Museums“ zu sehen, wo die von Fischer fotografierten Schwemmholz- bzw. Strandgut-Schaustücke ausgestellt waren.

Zu sehen ist zudem jene „James Joyce“-Porträt-Lithografie, die sich seit 1950 im Besitz des „Salzburg Museums“ befindet und die Signatur „A.J. Fischer“ trägt.

Dreiwöchiger Feldkirch-Aufenthalt
Im Sommer 1932 lebte Joyce drei Wochen in Feldkirch, wo sich seine psychisch angeschlagene Tochter Lucia seit Anfang Juli unter Aufsicht des befreundeten Verleger-Ehepaares Maria und Eugene Jolas erholen sollte. Während dieses Feldkirch-Aufenthaltes hat Joyce Jolas anvertraut, dass sich 1915 am Bahnhof Feldkirch das „Schicksal des Ulysses“ zu seinen Gunsten entschieden habe.

Jolas berichtet, dass sich Joyce in Feldkirch sehr wohl fühlte und die Ausarbeitung des The Mime Of Mick, Nick And The Maggies genannten Finnegans Wake-Kapitels große Fortschritte gemacht habe. Joyce setzte dessen Ausarbeitung in Zürich fort, vergaß aber das fertige Manuskript Anfang November 1932 in einem Pariser Taxi. Als dieses trotz intensiver Nachforschungen nicht gefunden werden konnte, musste Joyce die verlorene Kapitelversion, von der er keine Kopie besaß, Mitte November 1932 anhand seiner Notizbücher neu formulieren.

James Joyce und die Wiener Moderne
Zwei geistesgeschichtlich interessante Dokumente erinnern an James Joyces Unterstützung der österreichischen Moderne: Aus dem Jahr 1930 stammt der gemeinsame Aufruf von Karl Kraus, Arnold Schönberg, Heinrich Mann, Valéry Larbaud und James Joyce zur Gründung einer „Adolf Loos Schule“, aus dem Jahr 1936 jene kalligraphisch gestaltete, von Thomas Mann und Stefan Zweig formulierte Glückwunschadresse zu Sigmund Freuds 80. Geburtstag, die auch von James Joyce unterzeichnet wurde.

„Beide Dokumente wurden von der Joyce-Forschung Jahrzehnte lang nicht wahrgenommen, obwohl es zahlreiche Spezialpublikationen über Joyce und Freud bzw. Joyce und die Moderne gibt“, erklärt Ausstellungskurator Andreas Weigel und schließt: „Die Ausstellung thematisiert daher vor dem Hintergrund jener Fotografien, die Joyce in Bregenz, Feldkirch und Salzburg zeigen, auch einige meiner Forschungsergebnisse über Joyces mehrwöchige Österreich-Aufenthalte und jene Österreicher und Österreicherinnen, die für sein Leben und Werk teils mehr, teils weniger bedeutend waren.“

Ausstellungseröffnung
Dienstag, 7. Juni 2011, 18:30
Volkshochschule Hietzing
Hofwiesengasse 48
1130 Wien

Ausstellungsdauer
8. Juni bis 23. Juli 2011

Beiliegende Beispielfotografien
Die Veröffentlichung der beiliegenden Fotografien ist unter der Auflage kostenlos, dass beim Abdruck der folgende Hinweis veröffentlicht wird: „Mit freundlicher Genehmigung der Beinecke Rare Book and Manuscript Library, Yale University“

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Autoausfahrt „Jolls Joyce“: James, Lucia und Nora Joyce, Sommer 1932, Feldkirch
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Waldstück: James, Lucia und Nora Joyce, Sommer 1932, Feldkirch Rückfragehinweis Andreas Weigel Forschungsprojekt Rot-weiß-rote Flecken in James Joyces Leben und Werk

Mobil: 0676 93 60826


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