In Mokassins gehen: ein gangbares Rezept
Vorwort zum Herbstprogramm der VHS Hietzing
Nicht ein Rezept wollen wir, nein, ein einfaches soll es sein. Wenn das und das passiert, dann tue jenes und alles ist wieder gut. Täglich sind die Zeitungen voll mit Rezepten, denn gesund und schön wollen wir werden, sein oder bleiben. Jeden Tag eine Nuss fürs Gehirn, eine Karotte für die Augen, ein Schnittlauch für die Nieren und ein Glas Rotwein mindestens und die Kreta-Diät, die ist wunderbar. Damit ist noch lange nicht das Ende des Rezeptblocks erreicht. Bereits die Aufzählung der einfachen Rezepte verursacht ein Chaos nicht nur im Kopf, sondern auch in den Gedärmen. Wie ist es erst, wenn Krankheiten Staaten und Währungen befallen. Keine Rezepte sind in Sicht. Das Leben ist eben zu kompliziert für einfache Lösungen.
Auch Bildung ist kein Rezept. Wir wissen leider aus der Geschichte, dass auch höchst gebildete und musische Menschen Barbaren sein können. Aber wenn Bildung uns immun macht, damit wir nicht an einfache Lösungen glauben und uns bestärkt, dass vorschnelle Urteile keine Abkürzung durch den Urwald - auch Komplexität genannt -sind, dann ist schon viel erreicht.
Und doch haben wir für das nächste Semester ein Rezept, ein einfaches und gangbares Rezept, das wir vorschlagen und Sie einladen wir laden Sie ein, es auszuprobieren: „Keiner urteile über eine/n anderen, wenn sie/er nicht einen Mond lang in ihren/seinen Mokassins gegangen ist.“ Obwohl es so einfach ist, haben wir es noch nicht getestet. Aber wir haben begonnen, wie Sie sehen können, wenn Sie das Kursprogramm durchblättern. Alles wäre ganz einfach, wenn wir nach dieser indianischen Weisheit leben würden.
Eines ist jetzt schon sicher: im Herbst wird die Volkshochschule Hietzing die einzige Institution in Wien sein, wo versucht wird, dieses Rezept zu leben. Und Speising wird zum Nabel der Welt. und bald bekommen auch wir einen U-Bahn-Anschluss. Wer Angst um seine Schuhe hat, der sei an eines erinnert: Sie können nach diesem Sprichwort leben ohne ihre Schuhe auszuziehen. Sie müssen nur der/dem anderen zuhören, bzw. sich in ihre/seine Lage versetzen, ein Schuss Empathie vor dem Frühstück könnte helfen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch, Ihre Schuhe, Ihre Anregungen. Gelungenes Lernen Glück auf!
Robert Streibel




