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Zwei Frauen, zwei Herzen, ein Buch

Eleanor Roosevelt: "The Candels She Lit"

New Yorker Staatszeitung 1993
von G. Kessler


Im Rückblick scheint es fast Vorbestimmung gewesen zu sein, daß diese zwei Frauen einander begegnen und eine langwährende, erst durch schicksalbestimmtes Geschehen beendete Freundschaft schließen sollten. Eine von ihnen stammt aus der amerikanischen Aristokratie, war die Nichte des extrovertierten amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt und wurde die Gattin eines anderen der Aristokraten aus dem Hudson-Tal, dem introvertierten Präsidenten Franklin Delano Roosevalt. Ihr Familien unentbehrlich für den Bau des Erie Kanals. Sie wurden in Springfield, Ohio, in Terre Haute, Indiana, in Fort Wayne und South Bend in Gebiete, in denen man atmen konnte, umgesetzt. Die Krönung seiner Arbeit ist zweifellos der massiv monumentale Entwurf der 1904 Louisiana Purchase Exhibition in St. Louis. Aber die Arbeit fand damit kein Ende. Dallas, Denver und die Metropolis New York sind Zeugen. Und jede dieser Städte hat mehrere Andenken an diesen Deutsch Amerikaner, der sich in den 61 Jahren seines Lebens mit mehr als 100 Projekten, Ausstellung, Parkanlagen, Militärlagern und Wohnanlagen ein Denkmal von Dauer gesetzt hat. Dem Wave Hill Park in Riverdale gebührt Dank dafür, daß daran erinnert wird name, den sie ja auch bei ihrer Heirat zu wechselten brauchte: Roosevelt. Vorname: Eleanor. Die Frau, mir der sie in den letzten Jahren ihres Lebens freundschaftlich verbunden war, kommt aus einem gutbürgerlichen Kreis Österreichs, in ihren Jugendjahren zwar und peripheral an Politik und Weltgeschichte interessiert dann aber im März 1938, zwangsläufig in die Welt der Politik geschleudert: die Österreicherin Stella Hershan. In Wien mag sie einen ansehnlichen Kreis interessanter Freunde gehabt haben. Hier in New York fand diese vibrante Frau nur langsam einen neuen Freundeskreis, der zunächst nur aus wenigen Amerikanern bestand, die an dem Geschehen in Europa interessierten Anteil nahmen, größtenteils aber aus Österreich Amerikanern wie Stella Hershan, die nun zwar hier in New York (oder in anderen Städten) wohnten, aber mit Herz und Denken irgendwie der schönen blauen Donau verbunden geblieben waren. Nicht alle lebten hier in den soliden Umständen bürgerlicher Sicherheit, an die sie gewohnt waren. Hunger war bei den meisten wesentlich stärker als der psychische. Auch bei der jungen Stella Hershan, die sehr bald nach ihrer Ankunft hier die geistige Öde der Emigrantenlebens mit anregender Arbeit an der New York Universität bekämpfte und eine faszinierende Entdeckung machte: Angeregt durch Vorlesungen an der NYU begann sie sich mehr und mehr mit der Rolle und der Arbeit von Frauen in der Geschichte zu befassen. Und Eleanore Roosevelt, die Frau, die in jenen Jahren zu einem integralen Bestandteil amerikanischer Geschichte wurde, und wesentlich dazu beitrug, Weltgeschichte zu formulieren, schien Stella Hershan die interessanteste. Frauen waren, so Stella Hershan, in der Literatur arg vernachlässigt. Gewiß, Cleopatra und Lady Macbeth sind von Shakespeare unsterblich gemacht worden. Johann von Orleans hatte in Schiller, Verdie und Honegger ihre Bewunderer. Das waren Dramen und/oder Opernwerke. Dann eine große zeitliche Lücke. Erst Stefan Zweig mit seinem Roman "Marie Antoinette" fand die Form des biographischen Romans. Solch ein Buch, Biographie in Romanform, schwebte auch Stella Hershan vor, als sie in den Kreis Eleanore Roosevelts Eingang fand, und mit der humanitären Arbeit dieser Frau vertraut wurde. So wurde Stella erstes Buch eine in Erinnerung an die Kriegsjahre geschriebene Erinnerung "Eleanore Roosevelt, A Woman of Quality", ein Band, der heute noch in Bibliotheken zu finden ist. Wo erfolgreich war dieses Buch, daß Frau Hershan zwei weitere umfangreiche Bände schrieb, diesmal österreichische "Frauen in der Geschichte", zum Thema hatten: Ein in viele Sprachen übersetztes Portrait der unglücklichen Kaiserin Elisabeth und ein faszinierendes , weit ausladendes Bild der Frauen um den Fürsten Metternich und die Intrigen jene Periode in der Geschichte Europas, bis zum Wiener Kongreß, der in der Tat kaum anderes tat, als zu tanzen. Mit ihrem nun dieser Tage erschienen Buch "The Candles She Lit", kehrt Stella Hershan noch einmal zu der Persönlichkeit zurück, mit der sie ihre literarische Arbeit begonnen hatte: Zu Eleanore Roosevelt...