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Farbe der Deportation

Im Projekt “Farben der Deportation” wurde die Spurensuche öffentlich gemacht und Brücken von der Vergangenheit in die Gegenwart gelegt.

Minsk 09. Farben der Deportation 2

Im Zentrum stand die Spurensuche nach den Opfern in Orten der Deportation. Ausgewählt wurden Theresienstadt, Auschwitz, Lodz und Kielce. Wobei in allen Orten versucht wurde, mit Personen und Initiativen Kontakt aufzunehmen. In Theresienstadt war es Otmar Till vom Gedenkdienst, der uns führte und betreute, in Auschwitz hatten wir Kontakt zum Museum, in Lodz war es das Institut für Toleranz, und in Kielce der Journalist Bogdan Bialik.
Die Spurensuche wurde von vier bzw. drei Personen durchgeführt. Es handelt sich um die beiden Künstlerinnen Helga Schörg und Brigitte Gadnik-Jiskra, den Fotografen Nick Mangafas und den Historiker und Projektleiter Dr. Robert Streibel. Aufgrund gesundheitlicher Probleme konnte Helga Schörg nur an der ersten Reise teilnehmen.
Die Spurensuche in den Deportationsorten wurde fotografisch festgehalten und ist in der Ausstellung “Farben der Deportation” dokumentiert. Das Ziel der Ausstellung war es, die Orte der Deportation heute zu zeigen, um so auch eine Brücke in die Gegenwart zu legen. Vor allem in Lodz/Litzmannstadt ist es durch das Engagement eines Historikers gelungen, tatsächlich die Wohnorte von acht Personen aus Hietzing im Ghetto zu definieren und zu dokumentieren. Während eine derartige Spurensuche für deutsche Städte bereits begonnen wurde, war dies eine Premiere für Österreich. Die Spurensuche wurde nicht nur fotografisch von Nick Mangafas dokumentiert und ist als Ausstellung nachvollziehbar, sondern fand auch ihren Niederschlag in einigen Kunstwerken, die von Brigitte Gadnik-Jiskra gemalt wurden und Teil der Ausstellung sind. In ihrer abstrakten Malerei verarbeitet die Künstlerin auch Fundstücke der Reise.

Da Brigitte Gadnik-Jiskra auch als Künstlerin in einem Geriatriezentrum arbeitet konnte durch Gespräche mit PatientInnen auch eine künstlerisch-therapeutische Verarbeitung eines Traumes durch Herrn Bogensberger, der als junger Mann in einem ungarischen KZ Dienst machen musste und die Vergewaltigung von Frauen miterleben musste und daraufhin geflohen ist. Dieses Geschichte hat er zum ersten Mal in kleinen quadratischen Bildern festgehalten und sind ebenso Teil der Ausstellung.

Über die erste Reise ist auch ein Artikel in der Tageszeitung “Die Presse” unter dem Titel “Die Krähen kommen später” erschienen.

Ein Kurzfilm bringt die Stimmung dieser Spurensuche mit dem Zug nach Theresienstadt und Auschwitz zum Ausdruck. Dieser Film ist unter folgender Adresse zu sehen. www.youtube.com/watch

Die Ausstellung “Farben der Deportation” wurde in der Volkshochschule Hietzing gezeigt (3.6-30.7 2008) und konnte nach einer Pause dann von 8. 10. bis 22. 12. 2008 auch im Bezirksamt Hietzing gezeigt werden. Das Echo der Ausstellung lässt sich an Hand von Presseberichten nachzeichnen.

Zur Eröffnung der Ausstellung konnten drei Vertreter der Deportationsorte nach Wien kommen und über die Orte und die Gedenkkultur berichten. Die Eröffnung der Ausstellung in der Volkshochschule Hietzing nahm die Präsidentin des Österreichischen Nationalrates, Mag.a Barbara Prammer, vor. Im Bezirksmuseum Hietzing wurde die Ausstellung vor einer Bezirksvertretungssitzung eröffnet, an der alle politischen Mandatare des Bezirks teilnahmen.

Neben der fotografischen und künstlerischen Verarbeitung des Themas dominieren zwei Würfel die Ausstellung, die die Interessierten zum Stöbern in einer Aktenlade einladen. In beiden Würfeln wurden alle Informationen über die deportierten und ermordeten sowie über die emigrierten Hietzinger Jüdinnen und Juden zusammengetragen. Die Eckdaten finden sich auf Karteikärtchen, die nach zwei Kriterien sortiert sind. In einem Würfel sind die informationen nach Namen und Alphabet geordnet, im anderen Würfel nach Straßennahmen. Dies erleichtert natürlich den Zugang, da so gezielt Bekannte und Verwandte gesucht werden können andererseits aber in der Nachbarschaft in bekannten Straßen gesucht werden kann, wer dort gewohnt hat.
Die Liste der Namen kann auch im Internet abgerufen werden.
vhshietzing.wordpress.com/2008/05/27/juden-in-hietzing-namen-und-adressen/

Für die Ausstellung wurden auch Führungen für Schulklassen angeboten und die SchülerInnen der Schulen im Bezirk eingeladen. Dieses Angebot wurde von einer Reihe von Schulen angenommen, so zum Beispiel von der HBLA für Touristik, der Agrarpädagogischen Akademie, dem BG in der Wenzgasse und dem BG in der Fichtnergasse.

Neben der Spurensuche und der Ausstellung war ein weiterer Schwerpunkt der Aktivitäten die Sichtbarmachung der Deportation im öffentlichen Raum. Nach einem eigenen willkürlich gewählten Farbcode wurden viereckige Fahnen produziert und Menschen gesucht, die bereit wären, diese Fahnen in ihre Fenster zu hängen. Die Fahnen sind mit dem Namen und der Wohnadresse beschriftet. Um einen größtmöglichen Effekt zu erzielen, wurden die jetzigen Bewohnerinnen und Bewohner der Häuser und Adressen, in denen bis 1938 Jüdinnen und Juden gewohnt haben, recherchiert. Alle diese BewohnerInnen bekamen einen Brief mit einer Liste aller Daten der Deportierten und einer Aufforderung, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Um eine größtmögliche Akzeptanz zu erreichen, wurde dieser Brief sowohl vom Bezirksvorsteher und seinen Stellvertretern/in unterschrieben. Damit war diese Aktion auch eine politische Aktion, die über alle Parteigrenzen hinaus gewirkt hat. An  der Aktion der Beschriftung der Fahnen, die gleichzeitig auch mit einem Vortrag und Bericht eines Zeitzeugen und des Gedenkdieners aus Theresienstadt begleitet war, nahmen rund 30 Personen teil. Ebenso viele Personen waren auch bereit, Fahnen in ihren Fenstern aufzuhängen. Einen Eindruck von dieser Aktion liefern auch die Fotos auf „flickr“ (siehe Dokumentation).

Über das Projekt und die Erfahrungen mit dieser Bürgerbeteiligung wurde den “Farben der Deportation” auch bei der Informationsveranstaltung des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst  am 5. Juni 2008 Raum gegeben.

Durch die Zusammenarbeit mit “A Letter to the Stars” (eine Organisation, die Gedenkaktivitäten für SchülerInnen organisiert) wurde mit der Volkshochschule Hietzing im Mai 2008 auch zum ersten Mal eine Erwachsenenbildungsinstitution eingebunden. Vorbereitet in den Englischkonversationskursen von Mary acm und Annett Halbwachs, besprachen die Lernenden die von Gerald A. Pollack per E-Mail geschickte Biographie seines Lebens vorab in den Kursen. Am 6. Mai lud die Volkshochschule zu einem Zeitzeugengespräch, an dem mehr als hundert Personen teilnahmen. Das Gespräch wurde auf Video aufgezeichnet. Ein Teilnehmer, der gleich alt wie Gerald A. Pollack ist, hat ebenfalls einen Lebenslauf verfasst und so versucht, die Parallelität von Geschichte erfassbar zu machen. Im persönlichen Gespräch meinte Gerald A. Pollack: “Wie wäre mein Leben verlaufen in Österreich, wenn ich kein Jude gewesen wäre.” Mit Gerald A. Pollack wurden überdies einige wichtige Stationen seines Lebens im Bezirk aufgesucht und Kurzfilme in englischer Sprache produziert.
 
3. + 4 Target groups and Impact
Die Zielgruppen, die durch dieses Projekt in Kontakt mit der Geschichte, mit der Deportation gekommen sind, waren vor allem Personen in der Alterskategorie 50+ und Jugendliche. Durch die vielfältigen, auch publizistisch begleiteten Aktivitäten konnte der Personenkreis natürlich weit über die beiden beschriebenen Personengruppen ausgedehnt werden.
Durch den Hinweis und die Veröffentlichung im Kursprogramm der Volkshochschule Hietzing, das in einer Auflage von 38.000 Stück erscheint und an jeden Haushalt im Bezirk verteilt wird, sowie in der U-Bahnlinie aushängt, war eine große Publizität gegeben. Unterstrichen wurde dies noch durch die Erwähnungen der Veranstaltungen in den Monatsfoldern, die an eine Personengruppe (400 Personen) von kulturell Interessierten geschickt wird.
Die Presseaussendungen sowie die Veröffentlichungen in Bezirksmedien sowie die Inserate in der Tageszeitung “Der Standard” sorgten auch für eine mediale Präsenz des Projekts. Ebenso wie auch der Hinweis im Newsletter der Volkshochschule Hietzing, der an 2.000 Personen verschickt wird. Die Einladung für das Zeitzeugengespräch mit Gerald A. Pollack wurde an 300 KursbesucherInnen geschickt und war auch Teil des Unterrichts.
Die Information über das Projekt bzw. die Einladung für eine Teilnahme wurde mit Unterstützung der Bezirksvertretung an 600 Personen verschickt. Diese Gruppe umfasst jene Personen, die heute unter der Adresse bzw. in den Wohnungen und Häusern der Deportierten wohnen. Welche Reaktionen diese Briefsendung  über die direkte Beteiligung der Personen ausgelöst hat, kann nur an einem Beispiel gezeigt werden. Durch ein Gespräch mit einem ORF-Journalisten erfuhren wir, dass einige Hausparteien in einem Haus in der Hietzinger Hauptstraße unabhängig von der Volkshochschule Hietzing  und ohne mit uns in Kontakt zu treten, Recherchen über die Geschichte der Hausbewohner angestellt haben.
Die Listen der Deportierten sowie die Einladung zum Mitmachen wurden in den Schaukästen der Volkshochschule präsentiert und fanden reges Interesse. Über Umwege meldet sich so ein Mann, der einen Brief einer Deportierten vor rund einem Jahr auf dem Flohmarkt gekauft hatte. Ein kurzes Gespräch mit diesem Mann findet sich auf „Youtube“ unter der Adresse: www.youtube.com/watch.
Durch die Hängung der Fahnen an verschiedenen öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Bezirksvertretung, Kindergärten und natürlich in der Volkshochschule Hietzing  war das Interesse geweckt. Im Fall eines Therapiezentrums haben die Betreiber alle Klientinnen und Klienten über diese Aktion mit einer E-Mail informiert, um sie über die Beweggründe, warum diese Fahnen in den Fenstern gehängt wurden, zu informieren. Die Reaktionen darauf können hier stichwortartig wiedergegeben werden.

Das Besucherbuch, das bei der Ausstellung auflag, dokumentiert ebenfalls die Vielfalt der Aussagen. Die Diskussionen, die hier schriftlich geführt werden, verdeutlichen, dass es sich hier bloß um die Spitze des Eisbergs handelt.
Die Kooperation mit Schulen, Einladung, Aussendung und Führung hat ebenfalls zur Erweiterung des Angebots in diesem Bereich beigetragen.  
Für die KursbesucherInnen der Volkshochschule Hietzing, die mehrheitlich der Alterklasse 50+ angehören, konnte mit der Aktion „Zeitzeugengespräch, Ausstellung, Beteiligung“ ein Angebot gesetzt werden, das nicht nur zum bloßen Konsumieren einlädt, sondern auch eine Möglichkeit für Aktivitäten lieferte.

Durch die Dokumentation als Video bzw. auf Youtube wird der Personenkreis erweitert. Durch dieses Projekt wurde überdies der Anstoß gegeben, eine Sondernummer der wissenschaftlichen Zeitschrift “Spurensuche” herauszugeben, die neben der Dokumentation des Projekts “Farben der Deportation” sich auch mit den anderen Gedenkprojekten in Österreich, aber auch in Deutschland und Polen auseinandersetzen wird. Diese Publikation wird Anfang 2009 erscheinen. Die Ausstellung “Farben der Deportation” wird als österreichischer Beitrag für die Gedenkfeierlichkeiten zu 55 Jahren Liquidation des Ghettos in Lodz gezeigt werden. Die Gedenkwürfel mit den Karteikarten und Informationen werden im neuen Jahr einen Platz im Bezirksmuseum Hietzing bekommen.

 
Visibilty and valorisation
vhshietzing.wordpress.com/2008/06/18/prasentation-farbe-der-deportation/

Presseberichte
www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink
www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink
www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink
www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink
www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink

Artikel: Die Krähen kommen später
diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/363319/index.do

Farbe der Deportation: Fotodokumentation
www.flickr.com/search/

Powerpoint Präsentation: Informationsveranstaltung des Bundesminsteriums für Unterricht und Kunst
vhshietzing.wordpress.com/2008/06/18/prasentation-farbe-der-deportation/

Filme auf Youtube

Reise nach Theresienstadt

www.youtube.com/watch
Im Zug nach Lodz
www.youtube.com/watch

Auftaktveranstaltung im Bezirksamt
Als Gedenkdiener in Terezin/Theresienstadt
www.youtube.com/watch

Prof. Rudolf Gelbard im Bezirksamt

www.youtube.com/watch

Der Brief von Salomon Rosenberg

www.youtube.com/watch

Gerald A. Pollack in Hietzing

www.youtube.com/watch
www.youtube.com/watch
www.youtube.com/watch
www.youtube.com/watch

Cäcilie Spielmann im Ghetto Lodz

http://www.youtube.com/watch?v=KUEI1Tdsj5M

Spurensuche in Lodz1

Spurensuche in Lodz2

Spurensuche in Lodz3

Spurensuche in Lodz4

Spurensuche in Lodz 5

Spurensuche in Lodz 6

Spurensuche in Lodz 7

Spurensuche in Lodz 8 

Spurensuche in Kulmhof 1

Spurensuche in Kulmhof 2

 

 

 

Ausstellung Farbe der Deportation (in Englisch)
Teil 1 www.youtube.com/user/Strei59 (in Englisch) Teil 2 www.youtube.com/user/Strei59

Partners

Bezirksvertretung Hietzing
Hietzinger Kai 1
1130 Wien
Tel. 4000/13111

Otmar Hill: Gedenkdiener in Terezin
Verein Gedenkdienst
Rabensteig 3/18
1010 Wien
Tel.     +43 1 58 10 490
www.gedenkdienst.at

Zeitzeugengespräch: Gerald A. Pollack
A Letter to the Stars
Verein Lernen aus der Zeitgeschichte
A-1030 Wien, Modecenterstraße 22, B2/ 7.Stock
Telefon: 01-798 39 55 - 0   Fax: 01-798 39 55 – 50
www.lettertothestars.at

Institut Tolerancji
Institut für Toleranz
Maria Goldstein
Wschodina 49
90-267 Lodz
Tel. 0048/42/678 00 44

Memorial Auschwitz  Birkenau
Ul. Wiezniow Oswiecimia 20
32-603 Oswiecim
Poland
Tel. 48 33 844 8128
www.auschwitz.org.pl


Die Fotos von Nick Mangafas