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Die einzigen sprechenden Fische der Welt

 

 

 

 

In Hietzing gibt es die einzigen sprechenden Fische, nicht im Tiergarten, sondern in der Volkshochschule Hietzing. Rosi & Paul sprechen täglich auf der Seite der Wiener Volkshochschulen, http://www.facebook.com oder eben hier. Sie können Rosi & Paul auch im Aquarium im Foyer von Montag bis Freitag zwischen 8:00 und 20:00 besuchen. Rosi & Paul gibt es stumm allerdings auch als Kurzfilm, glücklich nach einer EDV-Umstellung. Und der erste Live-Auftritt von Rosi & Paul.

 

6.4.2012
Rosi: Ein Wasserwechsel im Aquarium steht an.
Paul: Unser Karfreitag.
Rosi: Wenn das so wäre, also ein Mal im Jahr, dannn würden wir nicht mehr sprechen können.
Paul: Du hast wieder einmal recht, die Auferstehung ist bei uns öfter garantiert.
Rosi: Das ist die Zeit der Kirche.
Paul: Mehr Pfarrer als Osterhasen in diesen Tagen in den Zeitungen. 
Rosi: Und hast du dich beim Kardinal schon entschuldigt?
Paul: Nein, zum Glück nicht. Diesmal stimmt es. Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit.
Rosi: Aber den schwulen Kirchengemeinderat hat er doch akzeptiert nach einem Treffen.
Paul: Kein Wunder.
Rosi: Aber doch überraschend.
Paul: Es war alles genau kalkuliert, denn mit dem scheinbaren Toleranzbonus, ist es leichter gegen den Ungehorsam aufmüpfiger Pfarrer zu wettern.
Rosi: Wie ich gesagt habe: Ein Wasserwechsel wäre notwendig.
Paul: Ob das helfen würde?
Rosi: Da die Kirche das Logo des Fisches zugunsten des Kreuzes aufgegeben hat, fürchte ich Nein. dass dies nicht helfen wird.

10.3.2012
Rosi: Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption werden vielen Fischen das Leben kosten.
Paul: So giftig sind die Korruptionisten?
Rosi: Nein, die Menschen, die Schmiergelder zahlen und nehmen werden nicht ins Wasser gehen, wenn, dann höchstens in Brasilien und dann nicht um sich zu ertränken, sondern um keinen Sonnenbrand zu bekommen.
Paul: Aber warum sind wir Fische in Gefahr?
Rosi: Das Jagen kommt immer mehr ins Gerede.
Paul: Ein Tiroler Politiker hat davor gewarnt, das gemeinsame Jagen nicht zu kriminalisieren.
Rosi: Ich fürchte mich.
Paul: Das ist doch sonst meine Rolle.
Rosi: Wer klug ist hat auch Angst, wenn die Gefahr noch nicht da ist.
Paul: Wenn ich Dich nicht lieben würde, wäre ich jetzt gekränkt. Aber von welcher Gefahr sprichst Du?
Rosi: Wenn Die Politiker und Geschäftsleute nicht mehr gemeinsam jagen dürfen, dann müssen Sie auf andere Formen des gemeinsamen Tötens ausweichen.
Paul: Du meinst das Fischen?
Rosi: Die Zeit wird kommen, wo Mensdorf, Konrad und Platter im nebeligen Morgengrauen um einen Baggersee sitzen mit ihren Angeln und den tödlichen Haken.
Rosi: Die Seen werden leer gefischt werden, die Wildschweine werden bis auf den Rathausplatz vordringen. Fürchterlich.
Paul: Aber beim Fischen darf man ja nichts sprechen.
Rosi: Da ist kein Unterschied zum Jagen. Die Geldscheine rascheln zwar, aber die werden ja erst später übergeben. Das gemeinsame Töten schweißt die Männer zusammen und dann geht vieles leichter.
Paul: Schreckliche Aussichten sind das.
Rosi: Sollen wir einen Antrag einbringen, dass das Jagen ins UNESCO Kulturerbe aufgenommen werden soll.
Paul: Die Fischen würden es uns danken.

 

27.2.2012
Rosi: Wie gefällt dir die neue Mode?
Paul: Ich fühle mich in der alten noch ganz wohl.
Rosi: Du lügst mich an, denn  der neue Sparstrumpf ist dir eindeutig zu eng?
Paul: Nein, bisher spüre ich ihn noch nicht. 
Rosi: Aber ich sehe es doch! 
Paul: Da verwechselst du etwas. Sparstrümpfe sind nicht eng, sondern ausgebeult von den ersparten Münzen.
Rosi: Also hast du den Gürtel schon enger geschnallt?
Paul: Ob wir Fische auch den Gürtel enger schnallen müssen weiß ich noch nicht.
Rosi: Aber gezeichnet bist du schon.
Paul: Du meinst die roten Stellen auf meinen Schuppen?
Rosi: Sind doch unübersehbar.
Paul: Eine Redewendung hat sich materialisiert.
Rosi: Ein Wunder also?
Paul: Nein, aber schmerzhaft.
Rosi: Das Kainsmal kann es aber nicht sein.
Paul: Du musst dir angewöhnen niederschwelliger zu denken.
Rosi: Kannst Du mir über die erste Stufe helfen?
Paul: Wenn du Wienerisch beherrschen würdest, wüsstest du was ich meine.
Rosi: Das hilft mir aber nicht weiter.
Paul: Gut, ich verrate dir das Geheimnis meiner roten  Flecken. Wie heißt es so schön: „Da geht mir das Gimpfte auf“.
Rosi: Du bist ein Sensibelchen, du solltest

 

4.1.2012
Paul: Ich fühle mich beschissen.
Rosi: Schön sprechen.
Paul: Aber wenn es war ist.
Rosi: Aber auch die Wahrheit will schön verpackt werden.
Paul: Manche Wahrheiten stinken zum Himmel.
Rosi: Was erregt dich, dass du uns fast eine Uni-Ferkelei präsentiert.
Paul: Wenn ich sage ich fühle mich beschissen, so meine ich, das ich mich belackmeiert fühle oder auf Wienerisch: angeschmiert.
Rosi: Wie doppeldeutig Worte doch sein können.
Paul: Es ist ein Betrug, ein unglaublicher Beschiss.
Rosi: Schon wieder.
Paul: Hast du auch für die Erdbebenopfer in Fukushima gespendet?
Rosi: Ein wenig habe ich überwiesen.
Paul: Das war eindeutig zu viel.
Rosi: Paul, die armen Menschen, du musst doch Mitleid haben.
Paul: Ich habe aber Mitleid, mit den Walen.
Rosi: Aber die waren doch nicht vom Atomunfall betroffen.
Paul: Glaubst du.
Rosi: Wieso?
Paul: Weil du gespendet hast und tausende andere Menschen auch, werden jetzt wieder Wale getötet.
Rosi: Versteh ich nicht.
Paul: Ich auch nicht. Aber die japanische Regierung hat bestätigt, dass mit den Spenden der Walfang unterstützt wurde und die Einnahmen aus dem Walfang kämen ja dann auch den Menschen zugute.
Rosi: Ich wünsche ihnen die Harpune oder wenn ich den Gott des Meeres aktivieren könnte...
Paul: Verstehst du jetzt, warum ich mich beschissen fühle?
Rosi: Ich bin sprachlos und muss mich sammeln und ich bin so froh, dass ich im kleinen Aquarium in der Volkshochschule mit dir wohne.

 

3.1.2011
Rosi: Warum liest du im Atlas?
Paul: Ich studiere?
Rosi: Hast du eine Prüfung?
Paul: Wenn du willst ist es kein Traum.
Rosi: Wo liest du das im Atlas?
Paul: Das Land habe ich noch nicht gefunden.
Rosi: Lass sehen. Der Atlas ist eine Neuausgabe, deine Zitate sind aber von vorgestern.
Paul: Ich werde die Geschichte neu schreiben und den Atlas auch.
Rosi: Was suchst du eigentlich wirklich?
Paul: Ein Land, wo ich meine Utopie verwirklichen kann.
Rosi: Fische leben doch nicht am Land, es sei denn in Aquarien wie wir.
Paul: Ich suche das Land auch nicht für mich, nicht für uns. So ist das mit Utopien eben, die werden immer für die Anderen entworfen.
Rosi: Wer soll in deinem Land leben?
Paul: Orthodoxe aller Länder vereinigt euch.
Rosi: Ist das eine Utopie?
Paul: Orthodoxe gibt es doch allüberall und mir kommt vor, sie werden immer mehr.
Rosi: Und sie nerven dich?
Paul: Eben darum will ich ein Land finden, wo alle Orthodoxe eine Heimat finden.
Rosi: Aber ob die sich vereinigen lassen? Die marschieren doch prinzipiell mit Scheuklappen vor den Augen und geben Fremden nicht ein Mal die Hand.
Paul: In meinem Land, müssen sie auch nicht Hände schütteln, sie sollen nur nebeneinander leben.
Rosi: Das muss aber ein großes Land sein, wenn ich alleine an die Evangelikalen in den USA denke.
Paul: Fein, dass du nicht sofort an die Orthodoxen in Israel denkst.
Rosi: Werden sich die Orthodoxen aber untereinander verstehen?
Paul: Da Orthodoxe so mit sich beschäftigt sind, wird das keine Rolle spielen.
Rosi: Ob dass den Orthodoxen recht ist?
Paul: Dieses Land wird helfen, die Gemeinsamkeiten zu zeigen.
Rosi: Du meinst die Gemeinsamkeiten der Orthodoxen?
Paul: Bei der Gründung eines Landes muss ich ja nicht alle Karten sofort ausspielen.
Rosi: Du suchst also ein orthodoxes Vaterland.
Paul: So etwas ist mir vorgeschwebt.
Rosi: Und wer soll das bezahlen.
Paul: Sind nicht alle Länder froh, wenn sie die Orthodoxen los werden?
Rosi: Ich muss erst überlegen, ob ich die Idee gut finde.

 

31.12.2011
Die Versuchung des Blütenmehrs
Dialog zum Titelbild des Kursprogramms Frühjahr 2012

Paul: Neue Bilder braucht das Land.
Rosi: Und wie ich dich kenne, hast du sie. Dein Hochmut wird dich noch zu Fall bringen.
Paul: Aber die bisherigen Bilder reichen nicht aus, um die Situation zu beschreiben.
Rosi: Du sprichst nicht in Bildern, sondern in Rätseln.
Paul: Bevor unsere Gesellschaft und unser Wirtschaftssystem gerecht sind, geht vorher ein Kamel durchs Nadelöhr.
Rosi: Die Gerechtigkeit sehe ich nicht und die Kamele sind so groß wie immer.
Paul: In Zeiten der Gentechnik ist alles möglich. Und um unser Wirtschaftssystem als das beste und gerechteste zu verkaufen, schrecken die Verantwortlichen auch vor einer gentechnischen Manipulation von Kamelen nicht zurück.
Rosi: Du meinst, wer die Welt mit Worten verdreht, dem ist alles zuzutrauen?
Paul: Wer Minuswachstum sagt, der ist zu allem fähig.
Rosi: Und welche Bilder brauchen wir?
Paul: Eher singen die Fische auf den Bäumen als dass dieses Wirtschaftssystem als gerecht bezeichnet werden kann
Rosi: Aber wovon singt dieser Fisch denn?
Paul: Das ist das große Rätsel.
Rosi: Eine Weissagung? Der Urteilsspruch des Mayakalenders, demzufolge die Welt 2012 endet?
Paul: Keine Angst, es ist nur ein Zweizeiler von einem Dablju Busch.
Rosi: Du solltest deine Aussprache verbessern. Doubleyou meinst du wohl?
Paul: W. Busch reimte: „Ich freu mich über Blüten sehr / Allein‘ ich sehne mich nach Meer.“
Rosi: Alles gefälscht?
Paul: Nur das Kursprogramm ist echt.

 

2.12.2011
Paul: mm
Rosi: Ich bin froh, du bist wieder da.
Paul: mm.
Rosi: Zumindest körperlich. Bist Du verreist gewesen?
Paul: mm.
Rosi: Plappere nicht so  viel. Nimm Dir ein Vorbild an den Wirtschaftsforschern, die reden viel und wissen nichts.
Paul: Für die Wirtschaftskrise bin ich noch nicht stark genug, um darüber zu reden, ich war unangenehm verreist.
Rosi: Unangenehm verreist. Wo liegt dieses Land?
Paul: Die Grenzen dieses Landes heißen Krankheit.
Rosi: Ach Du Armer.
Paul: Ich bin fast zwei Wochen hinter der braunen Wurzel gelegen.
Rosi: Was Ernstes?
Paul: Für mich war es ernst.
Rosi: Da du ja ein männlicher Fisch bist, nehme ich an es war Schnupfen und Fieber.
Paul: Wenn Du mehr über die Gendermedizin wissen würdest…
Rosi: Oder ich mich bloß mehr mit Fischweibchen austausche würde, dann wüsste ich, dass du kein Einzelfall bist.
Paul: Ich bin froh, dass sich der Spott und das Lächeln nicht auf mich konzentriert, sondern dass sich das auf alle männlichen Fische gleichmäßig verteilt.
Rosi: Das ist der Vorteil einer Solidargemeinschaft.
Paul: Männer mit schnupfen vereinigt Euch.
Rosi: Das ist kein zeitgemäßer Slogan.
Paul: Aber es ist doch Grippezeit.
Rosi: Die Wirtschafts- und Finanzkrise verlangt nach einer anderen Revolution.
Paul: Dafür bin ich aber noch zu schwach.

 

5.11.2011
Paul: Die Erinnerung ist ein Fluch.
Rosi: Wir Fische haben doch keine Erinnerung.
Paul: Dann könnten wir aber auch nicht sprechen. 
Rosi: Was quält dich?
Paul: Gaddafi ist tot.
Rosi: Das muss dir doch keine Angst machen.
Paul: Als der Kampf gegen ihn begann, hat er seine Gegner mit Ratten verglichen.
Rosi: Und nun musste er sich in ein Kanalloch flüchten und wurde doch gefasst.
Paul: Er hat keinen Prozess bekommen, nur einen Kopfschuss.
Rosi: Das ist die einfachere Lösung.
Paul: Glaubst denkt in diesen Tagen jemand, der den toten Diktator halbnackt auf einer Plastikplane sieht, über Rache nach?
Rosi: Ich fürchte nicht. Stell Dir vor Ceausecu würde noch leben, er würde dann vielleicht nach 20 Jahren seine Fehler einsehen
Paul: Oder auch nicht.
Rosi: Und dann würden Stimmen laut werden, dass man ihn befreien sollte.
Paul: Wie Speer und Hess.
Rosi: Und Unwissenheit lässt das Mitleid sprießen.
Paul: In vielen Köpfen ist das Mittelalter noch immer die aktuelle Zeitzone.
Rosi: Zum Glück sind wir Fische.
Paul: Ich muss mich korrigieren, Die Erinnerung ist zwar ein Fluch, aber ein noch größerer ist die Vergesslichkeit der Menschen.
Rosi: Lass uns der Welt den Rücken kehren, verbringen wir das Wochenende hinter der braunen Wurzel.

 

24.10.2011
Paul: Die wahre Wildnis sind die Menschen.
Rosi: Woher nimmst du deine Klugheit, bist du wieder gereist?
Paul: Ich habe mich gebildet.
Rosi: Wo kommt man zu solchen Einsichten? Du wirst doch nicht in der Stoßzeit in der U6 gefahren sein?
Paul: Ich war wieder in Sachen Fische, Kunst und Geschichte unterwegs.
Rosi: Du bist ständig im Museum.
Paul: Es gibt eben mehr Geschichte als Zukunft.
Rosi: Der Herbst hat noch gar nicht begonnen und schon so depressiv?
Paul: Ich bin eine Verpflichtung eingegangen und so kann ich zur Biennale nicht ja sagen und dem Wien Museum einen Korb geben. Die Wildnis ruft.
Rosi: Du hast ein Gespür, das muss ich dir lassen.
Paul: Wofür?
Rosi: Wenn eine Ausstellung über einen edlen Wilden auf dem Programm steht, nimmst du sofort an, dass auch Tiere gezeigt werden.
Paul: Angelo Solimann, der erste Afrikaner in Wien. Vom Sklaven zum Diener und zum angesehen Mann in der Gesellschaft.
Rosi: Und - hast du recht behalten?
Paul: Viel Getier ist zu sehen: Krokodile und Elefanten auf alten Stichen aus dem 16. Jahrhundert.
Rosi: Da werden sich alle gefürchtet haben, als sie das gesehen haben. Im Schatten des schwarzen Mannes lauert die Bestie.
Paul: Im Tod wurde Angelo Solimann zur Schaubudenfigur degradiert, die Haut hat man ihm abgezogen und er wurde mumifiziert.
Rosi: Grauslicher geht’s nicht mehr.
Paul: Die wahre Wildnis sind die Menschen.
Rosi: Aber ganz zufrieden bist du nicht oder täusche ich mich? 
Paul: Die Geschichte ist in der Gegenwart angekommen.
Rosi: Das ist doch toll, wenn auch über die Situation der Schwarzen in Wien heute gesprochen wird.
Paul: Ich hätte mir noch etwas mehr Wut gewünscht. Wie kann man so mit Menschen umgehen in der Geschichte und in der Gegenwart?
Rosi: Wut ist aber ein schlechter Ratgeber.
Paul: Ich weiß, aber in welcher Welt leben wir? In Brasilien wird der Bau eines Staudammes wegen der Bedrohung von Zierfischen gestoppt.
Rosi: Das ist doch ein Erfolg.
Paul: Die Bedrohung und Zerstörung der Lebenswelt, der am Fluß Xingu lebenden Indianer hat das Gericht nicht beeindruckt, aber die Zierfische schon.
Rosi:  Wie Du zu sagen pflegst: Die wahre Wildnis ist der Mensch.
Paul: …und sein Herz für Tiere.


13.10.2011
Rosi: Du grübelst?
Paul: Ich habe beschlossen, meine Kontoauszüge nicht mehr zu kontrollieren, das kostet zu viel Zeit. 
Rosi; Hast du so viele Einzahlungen, die du überprüfen musst?
Paul: Jede Woche mindestens zwei oder drei, ohne Namensnennung, und das verunsichert mich natürlich.
Rosi: Ich dachte, das sei üblich in Österreich, dass Menschen tausende Euro auf ihr Konto überwiesen bekommen ohne Angabe von Gründen.
Paul: Mich hat es schlaflose Nächte gekostet.
Rosi: Und wie geht es dir, seitdem du nicht mehr kontrollierst?
Paul: Ich fühle mich befreit und habe viel Zeit.
Rosi: Und was machst du damit?
Paul: Ich grüble und kaue an Worten und Wendungen.
Rosi: Was versuchst du gerade zu verdauen?
Paul: Was denken sich Journalistinnen und Journalisten, wenn sie von unschuldigen Opfern sprechen.
Rosi: Ich verstehe nicht.
Paul: Opfer sind doch immer unschuldig, nehme ich an. Ich habe nämlich noch nie von Opfern gehört, die sich schuldig gemacht hätten.
Rosi: Ich denke, du solltest in Zukunft doch deine Kontoauszüge wieder ansehen. Möglicherweise bekommst du von einem Unbekannten, dessen Nachname Unschuldsvermutung ist, viel Geld überwiesen.
Paul: Jetzt kenn ich mich nicht mehr aus.
Rosi: Mister Unschuldsvermutung fühlt sich als unschuldiges Opfer.
Paul: Da muss ein Missverständnis vorliegen.
Rosi: Wieso das?
Paul: Was mich ärgert ist, dass Journalistinnen und Journalisten bei Bombenangriffen, Katastrophen, blutigen Überfällen immer von den unschuldigen Opfern schreiben. Es gibt aber doch keine schuldigen Opfer.
Rosi: Beim nächsten schreibenden Wiederholungstäter solltest du in der Zeitung nachfragen, was mit den unschuldigen Opfern gemeint ist. 
Paul: Bis dahin werde ich meine Kontoauszüge wieder kontrollieren.

 

10.10.2011
Rosi: Warum versuchst Du auf die Wurzel zu klettern?
Paul: Ich habe ein Vorbild?
Rosi: Der Gipfelsieg von Gerlinde Kaltenbrunner ist schon Geschichte und außerdem ist sie eine Frau und nach Formel 1 sieht das auch nicht aus, außerdem bist Du nicht der jüngste Weltmeister-Paul der Geschichte.
Paul: Man merkt, Du hast zwar keine Ahnung von Kunstgeschichte, aber Du liest zumindest  Zeitung.
Rosi: Bist Du schon wieder im Museum gewesen? Dass Dir die Luft nicht ausgeht.
Paul: Kremser Kunsthalle. Gelatin und Hieronymus Bosch.
Rosi: Dort wird auf Bäumen geklettert?
Paul: Das berühmte Bild „Die Versuchung des heiligen Antonius“ von einem Nachfolger von Bosch, der Fisch im Baum, apokalyptisch schön.
Rosi: Und was hat das mit uns zu tun? Bosch ist schon lange tot und die Menschen entsorgen die Notdurft nicht mehr durch das Fenster.
Paul: Hygienisch hat sich einiges geändert, aber sonst? Bankenkrise, unheilbare Krankheiten, alles schon mal dagewesen.
Rosi: Und Bosch hat den Tieren viele Aufgaben in seinen Bildern zugedacht. Wo die alle herausschlüpfen und hineinkriechen, die Welt ist im wahrsten Sinn vertiert.
Paul: Gelatin hat mit den Tieren nicht so viel anfangen können, in einigen Plastilinbildern, da kommen wir irgendwie vor, mit Fantasie natürlich.
Rosi: Und sonst nicht?
Paul: Naja in einem Betonzelt da quaken Frösche, aber leider die bewegliche Hand von Sarah Lucas ist eben eine Hand und kein Fisch.
Rosi: Muss ja mehr als schräg sein was in der Kunsthalle Krems zu sehen ist. Die Künstler sollen ja in der Ausstellungshalle richtig mit Motorsägen ans Werk gegangen sein.
Paul: Ein Bild wie wenn in einem Aquarium der große Fisch einen Rappel bekommen hätte und alles umschmeißt, natürlich mehr als das, denn alles ist Kunst.
Rosi: Und dass viele alte Meister, die auch noch angeliefert wurden, einfach keinen Platz mehr gehabt haben in der Ausstellung und im Depot in den Kisten stehen, ungesehen, unausgepackt herumliegen. 
Paul: Das ist eine Kunst. Auf diesen Bildern wären sicherlich noch viele Fische zu sehen gewesen.
Rosi: Schade, was das Geld kostet.
Paul: Die Kunstgeschichte der Fische wird noch geschrieben.
Rosi: Und die Betondecke unter der großen beweglichen Hand im Erdgeschoss, die ja eine Tonne wiegt, hat schon beachtliche Sprünge. Und alle freuen sich, weil diese Sprünge auch bald Kunst sind. Wenn alles zusammenbricht, dann würde man das Loch belassen und sagen, das ist unsere Zeit. Das Loch wäre dann eine Paraphrase auf das Ei im Bosch Bild. Das Ei war kein Symbol für die Fruchtbarkeit, sondern für die Wollust galt und eine Jungfrau könnte man dann in das Loch hineinstellen.
Paul: Du solltest dich mehr mit Kunst beschäftigen, du verstehst gar nichts.
Rosi: Wenn Du meinst, aber eines muss ich schon sagen, die Künstlergruppe bekommt alle Möglichkeiten, die man sich nur denken kann und was machen sie daraus? Sie haben nichts zu befürchten, können von ihrer Kunst angenehm leben,  aber die Kritik ist so weich wie das Bitumen, dass über den Kardinalshut läuft.
Paul: Du meinst das alles hätte auch kritischer sein können?
Rosi: Ja, Hieronymus Bosch, der hat der Welt und den Mächtigen gezeigt, was in der Hölle mit Ihnen passiert und wenn Sie Schweiße reden, dann wird Ihnen die Scheiße aus dem Mund kommen oder zumindest Käfer.
Paul: Wenn ich es so bedenke…
Rosi: Gib mir jetzt bitte nicht sofort recht, denke darüber erstmals nach.  Aber meine Grenzen sollst Du kennen.
Paul: Wo verläuft die? 
Rosi: Bei Guernica zum Beispiel.
Paul: Du meinst die Plastilinspielereien, in Weiß, ganz gefällig, ein paar Fratzen konnte ich entdecken.
Rosi:  Pablo Picasso wollte mit seinem Bild noch etwas erreichen, ein Aufschrei der geschundenen Kreatur, eine Anklage auch gegen den Faschismus, aber Gelatin, das Ergebnis kann sich jeder Arzt, jeder Unternehmer in das geräumige durch Glasfenster lichtdurchflutete Haus stellen hängen ohne nur an irgendwas erinnert zu werden.
Rosi: Ich glaube, das nennt man Postmoderne.
Paul: Aber immerhin können der Besucher und die Besucherin am Ende in Pferdekostüme schlüpfen. Nur damit darf niemand durch die Ausstellung gehen, denn sonst könnten die Kunstwerke beschädigt werden.
Rosi: Komm spielen wir Apokalypse, aber lass uns danach gut essen gehen.
Paul: Ich glaube jetzt hast Du hast es verstanden.
Rosi: Die Risse in der Betondecke, werden sie wachsen?
Paul: Ist ja alles nur Kunst, auch wenn alles zusammenbricht wie bei Hiernoymus Bosch.
Rosi: Aber die Risse in der Betondecke, die kann sich dann niemand an die Wand hängen.
Paul: Es gibt eben eine Kunst, die muss im Museum bleiben, die ist unbezahlbar wie die Mona Lisa.


4.10.2011
Rosi: Ich bin gerührt.
Paul: Hast du Udo Jürgens gesehen?
Rosi: Nein, aber mir haben so viele Freundinnen und Freunde zum Geburtstag gratuliert.
Paul: Das klingt ganz nach Facebook.
Rosi: Nach den 30 Gratulationen habe ich geglaubt, es gibt mich wirklich.
Paul: Versündige dich nicht, du bist da und ohne dich wäre das Aquarium traurig und leer.
Rosi: Du schaltest so schnell, du bist in der Klasse der Neutrinos.
Paul: Wir sollen ja mehr Naturwissenschaft lernen.
Rosi: Die sollen schneller sein als Licht, sagen die Wissenschaftler in Cern. Ich muss dir aber ein Geständnis machen: ich habe an den letzten Abenden nicht über die Umwälzung der Wissenschaft nachgedacht, sondern ich habe den Udo Jürgens Film angeschaut.
Paul: Ich kann dir verzeihen, ich nämlich auch.
Rosi: Du bist mit deinen Geständnissen so schnell wie ein Neutrino.
Paul: Ich kann auch langsam nicht lügen und jeder würde es sofort bemerken.
Rosi: Was machst du für sonderbare Bewegungen mit deiner Schwanzflosse?
Paul: Ich versuche Klavierspielen zu lernen.
Rosi: Warum das?
Paul: Weil Klavierspieler immer die schönen Frauen bekommen.
Rosi: Du hast doch mich auch ohne Klavierspiel erobert.
Paul: Und ohne weißen Bademantel.
Rosi: Alles wird gut, in Kärnten und Österreich.
Paul: Wenn es ein Film ist auf alle Fälle, denn die Nazi-Bürgermeister haben bereits im Mai 1945 über ihre Fehler geweint und alles eingesehen.
Rosi: Wenn das Leben nur so wäre wie ein Film!
Paul: Dann wäre selbst die Kälte nicht schlimm und eine Flucht ein Ausflug.
Rosi: Du bist so böse, komm setz dich ans Klavier.
Paul: Aber ich habe doch nur Schwanzflossen.
Rosi: Wir tun nur so als könntest du Klavier spielen.

 

28.9.2011
Rosi: Lange nicht gesehen, ich vermute Du warst wieder unterwegs? Der Neid könnte mich fressen.
Paul: Ich hoffe alle Schwanzflossen bleiben unversehrt, wenn der Neid wieder weg ist, denn ich liebe dich so wie Du bist. Du weißt ja, ich kann immer nur in Begleitung verreisen und die Luftzufuhr im mobilen Aquarium reicht leider nur für einen Fisch, auch wenn rundherum viel Wasser ist, wo ich war.
Rosi: Sag jetzt nicht, dass Du in Venedig warst!
Paul: Eine Einladung der Biennale konnte ich nicht ablehnen.
Rosi: Wieder als Diversity-Beauftragter zur Bewertung der Darstellung der Tiere in der Kunst?
Paul: Klar, denn in der Lagune schwimmt nichts.
Rosi: Aber bei Sonnenlicht schimmert das Wasser doch smaragdgrün selbst in den kleinen Kanälen.
Paul: Ich habe auch Fischer gesehen, aber keiner hat etwas gefangen.
Rosi: Vielleicht wussten Sie von deinem Kommen und wollten dich nicht beschämen.
Paul: Oder es handelt sich um eine Therapieform, aber weil wir beim Thema sind.
Rosi: Bei der Kunst oder Therapie?
Paul: Die vielen Hunde haben mich überrascht, so wenig Fläche selbst für Menschen, um sich zu bewegen und dann so viele Hunde.
Rosi: Vielleicht ist das die Illusion von großen Wiesen, die von den Venezianern so gepflegt wird.
Paul: Aber jetzt zur Kunst, sonst kann ich die Kosten nicht beim Biennale - Büro einreichen.
Rosi: Ich bin schon ganz Kunst und freue mich leer zu werden durch Anschauung.
Paul: Ich merke Du hast Susan Sonntag gelesen, aber sie ist so tot wie Christoph Schlingensief.
Rosi: Aber in seiner Kapelle des Todes waren doch keine Tiere?
Paul: Wenn wir den Tumor, mit dem er gelebt und an dem er gestorben ist nicht zu uns rechnen, dann hast du recht fast recht, denn ein Hase war am Altar. Berührt hat mich das schon. Das ist für die Menschen sicher so schlimm wie für unsereiner der brasilianische Beitrag, die Fische in Salz, wie sie gerochen haben, waren sie einmal lebendig.
Schlingensief und die Fische. Konsequent bis zum Tod, der eine baut seine Kapelle zu Lebzeiten und sagt auch nach seinem Tod 100 mal am Tag: "Bitte berühr mich nicht", weil er Schmerzen hat und die Fischköpfe: alles für die Kunst, bis zum letzten Kiemenschlag und darüber hinaus.
Rosi: Sonst noch Tiere auf der Biennale?
Paul: Die Installation aus Bangladesch mit den kleinen Schweinen in den Drahtkäfigen, die Thailänder, die Angelzeug, diese teuflisch bunten Schwimmer, denen viele von unseren Brüdern und Schwestern zum Opfer fallen, auf einem Bild vereinen. Und dann wäre da noch eine Schlange zu Füssen von einer plastikbunten Maria und einem Bischof am Ende des Arsenals, danach ist nur mehr Meer und die Figuren sind so grell, das klatscht ins Auge und im Ei, das dazwischen steht, da kommt vielleicht auch ein Lebewesen raus.
Rosi: Das war alles?
Paul: Lass mich nachdenken? Naja Boltanski hätte anstatt Menschen im französischen Pavillon durchaus auch Fische durch die überdimensionierte Druckerpresse schicken können. Und wenn die Menschen Gott spielen und den Knopf drücken und die dreiteiligen Bilder mit den Gesichtern stehen bleiben und sich so immer neu zusammensetzen, das hätten ja auch Fische sein können.
Rosi: Hättiwari, aber das sind nur Gedankenspielereien.
Paul: Doch auf die Ukrainer ist Verlass. Die bemalten Holzeier geben schon von wenigen Metern Entfernung ein Heiligenbild, wer genau hinsieht, kann böse Überraschungen erleben. Ein Hakenkreuz, daneben ein wilder Fisch, ein Euro-Zeichen und sonstige Ungeheuer. Doch das Marienbild ist aus guten Eiern zusammengesetzt, ohne Fische, schade.
Rosi: Doch von China hast Du nichts gesehen? Die haben ja Drachen und Fische, die sie auch in die Lüfte steigen lassen. Da muss es ja auch jede Menge Kunst geben, jetzt wo sie auch den Euro retten, vielleicht retten sie auch das Ansehen von uns Fischen.
Paul: Du kannst mich nicht verwirren. Auch im Schatten des großen Mao haben die Fischer bloß kleine Fische gefangen. Du musst nur genau hinsehen, aber es knirscht gehörig, denn im Reich der Mitte wurde viel Porzellan zerschlagen und das liegt im Palazzo Bembo auf dem Boden vor der Installation von Zou Cao. Und im dänischen Pavillon über die Meinungsfreiheit war auch viel Mao, eine schöne Sammlung von Geschichtsfälschung, aber uns Fische hat der Zensor nie herausgeschnitten, weil wir auch keine Rolle in seiner Revolution gespielt haben. Lasst tausend Fische zu mir kommen.
Rosi: Ich glaube dir jedoch nicht alles, es waren Blumen und keine Fische. Doch trotz dieser Beispiele, die Du genannt hast kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass die Fische in der großen weiten Welt der modernen Kunst noch nicht so akzeptiert sind, wie wir das gerne hätten.
Paul: Wann wird eine Künstlerin einen stummen Dialog mit einem Fisch führen, wie dies Marina Abramovic mit einem Esel tut?
Rosi: Da wird es noch oft Aqua alta in Venedig heißen, das nächste Mal kommt bestimmt, denn die Stege liegen schon bereit.
Paul: Das ist so wie mit der Winterreifenpflicht in Österreich, die ist auch eine Frage des Datums.
Rosi: Aber warum fährst Du zur Biennale, das Gute liegt so nah.
Paul: Du meinst unsere Volkshochschule, was denn sonst.
Rosi: "Das Tier und wir" heißt die neue Ausstellung zum Welttierschutztag.
Paul: Und was ist da zu sehen?
Rosi: Eine Premiere auf alle Fälle. Die erste Ausstellung von Anja Benning, sie hat einen Teil des Teams der Volkshochschule tierisch porträtiert, dieser Mut zur Peinlichkeit bei manchen Repräsentanten ist oscarreif. Alle Fotos sind im Essl-Museum entstanden.
Paul: Aber Venedig war auch schön.
Rosi: Nur so viele Tiere wie in Hietzing gibt es nirgends.
Paul: Du hast das letzte Wort.
Rosi: Ja natürlich!



27.9.2011
Rosi: Bist Du vor den Klängen der Mundharmonika geflohen?
Paul: Darauf kannst Du wetten!
Rosi: Wo?
Paul: Wenn Du glaubst ich gehe Dir in die Falle, ich werde nichts über das kleine Glücksspiel sagen. Tagespolitik ist nicht unser Revier.
Rosi: Also auch kein Horst Wessel Volkslied?
Paul: Vergiss die Finanzminsterin nicht.
Rosi: Sie hat ein Herz für Spekulanten und für Juden, alle werden verfolgt.
Paul: Das kleine Glücksspiel wird verboten...
Rosi: Du sollst doch nicht in den Wunden der Niederlagen der Partei stochern.
Paul: ...lass' mich doch ausreden. Das kleine Glücksspiel wird verboten, das große darf aber ungestraft gespielt werden.
Rosi: Das nennt man aber dann Börse.
Paul: Goldmann & Sachs ermöglicht die Wette auf den Untergang des Industriestandortes Europa.
Rosi: Jetzt weiss ich, warum Du Dich zurückgezogen hast.
Paul: Mir ist fast, als würde die Finanzminsterin ein Schlaflied anstimmen.
Rosi: Sie hat sich ja entschuldigt, sie hat es nicht so gemeint.
Paul: Kleines Land, kleine Dummheit und ich bin ein weiser Fisch, mit aller Klugheit gewaschen.
Rosi: Richtig, weil wir in einem kleinen Aquarium leben.

 

28.7.2011
Über das Titelbild: Die Gerechtigkeit der Goldprassen
Rosi: Die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende.
Paul: Warst du in Spanien auf Urlaub?
Rosi: Nein, das ist aus „Don Carlos“ von Schiller.
Paul: Und was hat das mit uns zu tun?
Rosi: Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.
Paul: Ist das von Goethe?
Rosi: Nein doch, das ist meine Sicht der Dinge.
Paul: Was haben Fische auf einer Fahnenstange verloren?
Rosi: Heute bist du nicht besonders gelenkig im Denken, einfacher ist es, du betrachtest das Titelblatt unserer Volkshochschule. Dann verstehst du alles.
Paul: Immerhin sind Fische abgebildet, das ist löblich.
Rosi: Der Titel gefällt mir besonders. Die Gerechtigkeit der Goldprassen.
Paul: Ist da nicht ein Druckfehler zu konstatieren?
Rosi: Wenn es eine Aussendung eines Blauäugigen wäre, dann hättest Du sicherlich Recht, denn der kann nicht Deutsch.
Paul: Wir sollen doch nicht...
Rosi: Gut, dann weiter: Gold und Prassen, das muss dir doch zu denken geben.
Paul: Ja, und wenn ich genau hinsehe: Die dicke Goldbrasse ist oben und die Fische, von denen nur mehr die Gräten übrig sind, sind unten.
Rosi: Die Goldprasser schwimmen immer oben, die können es sich richten.
Paul: Aber du weißt schon: wenn ein Goldfisch tot ist, dann schwimmt er auch obenauf.
Rosi: Jetzt weißt du, was ich gemeint habe mit dem Ende der Fahnenstange.
Paul: Umdenken, sonst geht es nur mehr bergab.
Rosi: Oder wir müssen besser wirtschaften.
Paul: Aber eines stimmt nicht: Das Zitat von Schiller.
Rosi: Ist da auch ein Fehler bassiert?
Paul: Nein, aber die schönen Tage in Aranjuez können noch nicht vorbei sein.
Rosi: Das ist im übertragenen Sinn gemeint.
Paul: Auch dann nicht, denn es gibt ein neues Programm unserer Volkshochschule und daher sind die schönen Tage noch nicht zu Ende.

 

26.7.2011
Paul: Ich fürchte mich vor Psychopathen!
Rosi: Die sind zum Glück nicht unter Wasser zu finden.
Paul: Aber es wird doch auch mit Dynamit gefischt.
Rosi: Aber doch nicht in einem Aquarium. Es gibt Anderes, das Dir Angst machen sollte.
Paul: Was denn?
Rosi: Die Verharmloser.
Paul: Was meinst Du damit?
Rosi: Der Mörder in Norwegen wird sofort als Psychopath bezeichnet und in welchen gedanklichen Gewässern er fischt, das wird dabei ausgeblendet. Die Hetzer werden förmlich in Schutz genommen.
Paul: Du meinst, weil der Mörder von Norwegen auch in Österreichs trübem Gewässer gefischt hat und fündig wurde?
Rosi: Er freut sich über die konsequente Haltung der FPÖ und Kreuzritter der Burenwurscht gibt es ja auch hier, die Steinschleudern austeilen wollen.
Paul: Das macht mir jetzt Angst und in Amerika, wo die Tea Party Linke ins Fadenkreuz auf Plakaten genommen hat und dann ganz verwundert waren, dass einer doch geschossen hat.
Rosi: Aber es gibt noch etwas, das mir Angst macht: die Sprache.
Paul: Du wiederholst Dich.
Rosi: Nein, aber immer wieder wird wiederholt von den unschulidgen Opfern gesprochen.
Paul: Und?
Rosi: Gibt es ein schuldiges Opfer.
Paul: Diese gedankenlose Dummheit. Schrecklich.
Rosi: Wir können froh sein, dass wir im Aquarium leben und hier außerdem Fischen verboten

 

23.7.2011
Paul: Endlich ein Wochenende ohne blaues Blut.
Rosi: Bist Du unter die Vampire gegangen?
Paul: Ich trinke auch kein Red Bull, um das klarzustellen.
Rosi: Aber blaues Blut?
Paul: Keine königliche Hochzeit und niemand klopft an die Tür der Kapuzinergruft.
Rosi: Ach, Du meinst unsere Qualitätsfernsehen, das für Hochzeiten und Begräbnisse zuständig ist. 
Paul: Endlose Kommentare wer wohin schaut und welche Schuhschnalle zu welchem Orden passt.
Rosi: Was das Geld kostet.
Paul: Ich war schon doppelt traurig.
Rosi: Ist das eine Paraphrase zum Doppeladler?
Paul: Nein weil alles doch so schnell gegangen ist mit dem Begräbnis. Ich finde, der Sarg hätte schon noch ein wenig auf Tour geschickt werden können. Nur Bayern, Mariazell und Wien, das ist doch zu wenig.
Rosi: Und die zweite Traurigkeit?
Paul: Leider ist keine Endoskopkamera zum Einsatz gekommen.
Rosi: Männer und ihr Technikwahn, ich versteh nur Bahnhof.
Paul: Kurz vor dem Habsburgerbegräbnis hat sogar Hofer so eine Kamera angeboten und ich hatte schon gehofft, wir bekommen mit dieser Kamera jetzt wöchentlich einen Blick in den Zinksarg um den Zustand seiner königlichen Hoheit überprüfen zu können.
Rosi: Kommt sicher noch. Aber eines weiß ich jetzt nicht. Was machst Du mit diesem Wochenende?
Paul: Ich werde mir überlegen, wo mein Herz begraben werden soll und meine Schwanzflosse.
Rosi: ich würde jedes Land empfehlen, nur in Litauen ist es zurzeit nicht so günstig.

 

9.7.2011
Paul: Liebe Weltöffentlichkeit, liebe Österreicher, jetzt ist die Zeit gekommen, um über die wichtigen Dinge des Lebens zu reden, die Zeit ist fortgeschritten, aber wer weiß schon, dass die Schweine uns retten können, ja sie haben richtig gehört, die Schweine und die richtige Anwendung von Spritzmitteln, das ist die Lösung für alle wichtigen Fragen, die Krise in Griechenland und unsere Gefährdung…
Rosi: Darf ich auch was sagen?
Paul: Leider die Zeilenanzahl ist beschränkt und Du kannst heute nicht mehr zu Wort kommen.
Rosi: Wenn ich Maria heißen würde und dies mein Abschied aus diesem Aquarium wäre, dann könnte ich das ja verstehen. Aber lass sehen, ich glaube Du hast da einen Kropf. Sieht schrecklich aus.
Paul: Wirklich, wo, ein Tumor, ich habe Angst.
Rosi: Er wird dich beherrschen und Du wirst keinen eigenen Gedanken mehr tun können.
Paul: Glaubst du, dass er wirklich schon so weit fortgeschritten ist.
Rosi: Ja, das glaube ich, wenn Schweine und Spritzmittel herhalten müssen, damit die Brüder in der Bundeshymne unter sich bleiben können, dann kann das nur auf einen Kropf zurückzuführen sein.
Paul: Ich glaube du nimmst mich auf die Schwanzflosse!
Rosi: Natürlich denn der Kropf heißt Kopf.
Paul: Ich bin beruhigt, du meinst nur den VP Generalsekretär und ich habe keinen Tumor, aber ich muss Dir widersprechen, es sind keine Brüder, sondern Söhne in unserer Hymne.
Rosi: Das weiß ich, ich habe das nur abschätzig gemeint, weil ich mich so geärgert habe. Ich hoffe Du hast heute nur Spaß gemacht, sonst musst Du Dir ein anderes Aquarium suchen und eines verspreche ich Dir, das wird dann sicherlich fad werden.
Paul: Ich habe nur Spaß gemacht, ehrlich.
Rosi: Und die ÖVP Männer werden sich auch gefreut haben, dass es ihnen mit den Schweinen und Spritzmitteln gelungen ist, die Töchter zu verhindern.  


4.7.2011
Paul: Ich habe einen Wunsch.
Rosi: So plötzlich?
Paul: In Lodz warst Du noch wunschlos.
Rosi: In Kürze wird entschieden, für wen es auch im Jahr 2012 EU-Projekte gibt.
Paul: Ich wünsche mir, dass wir wieder eine Chance bekommen, mit Lernenden und Trainern neue Projekte zu starten und Brücken zu bauen.
Rosi: Ich weiß Du sprichst in Bildern, die Brücke aus Pappschachteln in Lodz hat Dir gefallen.
Paul: Eine tolle Möglichkeit, die Ergebnisse eines Jahres darzustellen.
Rosi: Sie hat selbst den Kanal überspannt und England war ein fester Pfeiler und..
Paul: Natürlich ganz an der Spitze.
Rosi: So muss das doch sein, denn die Koordinatorin kommt aus England und „Englands Glory“ heißt ein Bild in Museum in Lodz, habe ich gehört.
Paul: Du bist so klug und ich habe meinen Diversitäts-Berichtüber Fische in Museen noch gar nicht geschrieben.
Rosi: Ich kann es kaum erwarten.
Paul: Heute werde ich mit meinen Notizen hinter der großen Wurzel verschwinden.
 

29.6.2011
Paul: Ich habe das Rätsel wieder nicht gelöst?
Rosi: Es wird wohl nicht das einzige sein.
Paul: Warum ist „Theo, komm wir fahren nach Lodz“ in den 70er Jahren ein Hit gewesen?
Rosi: Da kann ich Dir auch nicht helfen. Aber deswegen fährst Du sicherlich nicht regelmäßig nach Lodz.
Paul: Ein EU-Projekt über Kunst hat mich gerufen, es wurde eine feuchte Angelegenheit.
Rosi: Büffelgras-Wodka oder Schlechtwetter?
Paul: Nein wir haben gefilzt und das geht nur mit Wasser.
Rosi: Und sonst noch was gelernt?
Paul: Es gibt außer Fischen und Fröschen auch noch Fledermäuse.
Rosi: Das wird sicherlich eine neue Ausstellung in unserer Volkshochschule.
Paul: Selbstverständlich.
Rosi: Das kann aber nicht alles gewesen sein?
Paul: Natürlich nicht, denn wir haben ukrainische Puppen aus Heu und Papier gemacht.
Rosi: Und dann mit ihnen gespielt?
Paul: Nein den Puppen wird ein Wunsch eingeflüstert und dann werden sie verbrannt und dann geht der Wunsch in Erfüllung.
Rosi: So einfach ist das. Und brennt dein Wunsch schon?
Paul: Zurzeit bin ich wunschlos glücklich. Ich bin sicher das Wasser im Aquarium ist frisch gewechselt.
Rosi: Und was war das Überraschendste in Lodz?
Paul: Das mit Weiden nicht nur Körbchen geflochten, sondern tolle Kunstwerke entstehen können.
Rosi: Ich bin sicher Du willst eine Künstlerin mit einem Grundtvig-Stipendium nach Wien einladen.
Paul: Wie Du mich kennst.
Rosi: Und sonst nichts gelernt?
Paul: Die Frau, die uns in der ukrainischen Tracht das Puppenmachen beigebracht hat – eine alte Tradition, die früher immer den Männern vorbehalten war – die hat sich nach dem Workshop verwandelt?
Rosi: Nein? War Sie auch eine Zauberin?
Paul: Noch unglaublicher. Nach dem Workshop habe ich sie mit einem roten Hosenanzug im Park gesehen und mir nur gedacht. Diese Frau kenne ich doch, wenn ich nicht ein Heu im Haar und einen bunten Faden entdeckt hätte, ich hätte es nicht gewusst.

 

26.6.2011
Paul: Zeiten sind das, schrecklich
Rosi: Aber es ist Frühsommer, die Tage werden länger und das Licht im Aquarium brennt kürzer, weil es draußen so lange hell ist.
Paul: Aber die Zeiten sind deswegen trotzdem nicht lustig.
Rosi: Die Rosen blühen, die Linden duften bis zu uns herein.
Paul: Aber ich hasse diese Zeit, jedes Jahr dasselbe.
Rosi: Du magst nicht die üppige Natur und die eisschleckende Lebensfreude?
Paul: Schon, aber es ist einfach fürchterlich.
Rosi: Was trübt Deine Sinne?
Paul: Die Champions League ist entschieden...
Rosi: Und?
Paul: Das French Open ist vorüber, nur gelegentlich ein Autorennen, sonst nichts!
Rosi: Eine sportliche Durststrecke?
Paul: Der Giro Italia ist keine Alternative und die Tour de France, das waren noch Zeiten...
Rosi: als wir die Illussion hatten, dass niemand gedoppt ist.
Paul: Nächstes Jahr um diese Zeit ist dann fast schon Olympiade und das Leben hat wieder einen Sinn.
Rosi: Du solltest Dich mehr auf Kultur verlegen, da gibt es einfach keine Pause, die Theater haben noch nicht einmal die Sommerpause eingeläutet beginnen schon die Sommerspiele.
Paul: Ich weiß nicht, ob das eine Alternative für mich ist. Eine Fußball EM wäre mir lieber.
Rosi: Aber heute beginnt doch die Frauen Fußballweltmeisterschaft.
Paul: Danke für diesen Tipp. Das leben hat wieder einen Sinn.



18.6.2011
Paul: Wir müssen von vorne beginnen.
Rosi: Finde ich nicht.
Paul: Aber die Pause war doch lange.
Rosi: Seit dem Fukushima raucht...
Paul: Ist uns das Lachen im Hals steckengeblieben wie manchem unsere Greten.
Rosi: Diesen Witz dürfen nur zwei Fische machen, sonst wäre es höchstgradig politisch unkorreckt.
Rosi: Aber Fukushima ist doch längst vergessen.
Paul: Du hast recht, seit dem uns Sprossen und Gurken uns bedrohen.
Rosi. Auch das werden wir vergessen.
Paul: Die Halbwertszeit beträgt 14 Tage Schlagzeilen
Rosi: Und dann kehrt wieder der Alltag ein.
Paul: Und bald gibt es wieder eine königliche Hochzeit.
Rosi: Und ein Pippa Popo wird uns jeden Morgen an Pilates denken lassen.
Paul: Und nicht an Gebiete, die erst in 100 Jahren wieder betreten werden können.

 

10.4.2011
Rosi: Oarmutschkerl
Paul: Nie gehört. Was meinst du?
Rosi:Armutschkerl.
Paul: Machst Du Sprechübungen?
Rosi: Die Alltagssprache Österreichs ist gar nicht so einfach.
Paul: Wen meinst du mit Oarmutschgerl?
Rosi: Sicher nicht die Bankdirektoren.
Paul: Du bist kämpferisch und doch nicht Jean Ziegler, der die Geldsäcke beim Namen nennt.
Rosi: Treichl von der Erstebank hat einen Bonus von 1,5 Millionen Euro bekommen.
Paul: Kein Armutschkerl also.
Rosi: An der Grenze zum Unanständigen. 
Paul: Und was machen wir mit ihm?
Rosi: wir schreiben ihm einen Brief.
Paul: Welchen Inhalts?
Rosi: Er könnte ja etwas von dem Geld sinnvoll einsetzen.
Paul: und Malkurse in den Geriatriezentren unterstützen.
Rosi: Wir sind Armutschkerl.
Paul: Warum?
Rosi: Weil wir betteln müssen, damit Alte und demente Menschten in Gertietriezentren Kunst machen können.
Paul. Eine Schande ist das.
Rosi: Aber im Wörterbuch der Alltagssprache, das in unserer Volkshochschule präsentiert wurde, können wir zumindest nachschlagen, was ein Ormutschgerl ist?

 

21.3.2011
Rosi: Wir sind keine Katastrophenfische.
Paul: Wir sind auch kein japanisches Sushi.
Rosi: Das ist nicht lustig.
Paul: Ich habe nur gemeint, dass wir uns mit Katastrophen schwer tun.
Rosi: Was sollen wir kleinen Fische über große Ereignisse sagen.
Paul: Seien wir froh, dass wir einen Großen jetzt ganz klein sehen.
Rosi: Seine Gestik ist beeindruckend, lasst 6x100.000 zu mir kommen.
Paul: Ernst Strasser muss jetzt untertauchen.
Rosi: Wir Fische distanzieren uns von ihm.
Paul: Alle sind entsetzt.
Rosi: Dass Mann mit so einem schlechten Englisch bestehen kann!
Paul: Unglaublich, wenn er so Deutsche sprechen würde wie er Englisch radebrecht, er würde keine Aufenthaltsgenehmigung bekommen.
Rosi: Wenn schon betrügen, dann bitte mit Stil.
Paul: Ich habe gehört in unserer Volkshochschule gibt es einen Kurs in dem die Geschichte korrigiert wird.
Rosi: Wir sind nicht das Zentrum der Weltmeere.
Paul: Nein nicht die Geschichte, sondern die Geschichte von Ernst Strasser.
Rosi: Die KursteilnehmerInnen korrigieren sein Englisch.
Paul: Politische Bildung ein Mal

 

17.3.2011
Paul: Mir hat es die Sprache verschlagen!
Rosi: Ein stummer Fisch?
Paul: Japan ist weit, aber Witze kommen mir geschmacklos vor.
Rosi: Die Leichtigkeit des Seins hat Pause.
Paul: Machtlosigkeit regiert in stummer Gelassenheit.
Rosi: Wir können uns jetzt gar nicht über das neu gestaltete Aquarium freuen.
Paul: Unsere Freundinnen und Freunde werden Verständnis haben, wenn wir jetzt Zeit zum Nachdenken brauchen.
Rosi: Hoffentlich nicht 1.000 Jahre oder 100.000 Jahre.
Paul: Du meinst, weil so lange das Gebiet um das Atomkraftwerk nicht bewohnbar ist.
Rosi: So lange halte ich es nicht aus.
Paul: Aber einige Kiemenzüge brauchen wir sicherlich. 

 

8.3.2011
Paul: Rosi, Rosi, schnell schau wer wieder da ist.
Rosi: Zwei Mal nennst du meinen Namen. Das ist verdächtig.
Paul: Eugenie ist wieder da.
Rosi: Schon wieder eine neue Frau im Aquarium?
Paul: Das ist die Schwarzwald.
Rosi: Fraudoktor sagten sie zu ihr.
Paul: Eugenie Schwarzwald ist zurück in Volkshochschule.
Rosi: War sie auf Urlaub?
Paul: Nein, die Dauerausstellung in der VHS Hietzing kann jetzt wieder besucht werden.
Rosi: Eine tolle Frau: Schulgründerin, Organisatorin, Talententdeckerin, Menschen- und Tierfreundin, Salondame  mit einer sozialen Ader und...
Paul: Nur in der VHS Hietzing erinnert man/frau sich heute noch.
Rosi: Das Jüdische Museum will nun doch keine Ausstellung über sie machen.
Paul: Schade.
Rosi: Gottseidank war Eugenie kein Hologramm.
Paul: Sie sollte heute noch lebendig sein. So richtig zum Angreifen.
Rosi: Warum?
Paul: Weil sie den Schülerinnen gezeigt hat, wie interessant Schule sein kann.
Rosi: Wie hat der Unterrichtsminister damals gesagt.
Paul: Genies sind im Lehrplan nicht vorgesehen.
Rosi: Sie würde vielleicht den Neugebauer an die Brust nehmen, dass ihm die Luft wegbleibt.
Paul: Eine bildungspolitische Großtat wäre das.
Rosi: Nur damit keine Missverständnisse aufkommen und die Terrorismusfahnder der Beamtengewerkschafter ab jetzt hinter uns her sind.
Paul: Fraudoktor hat alle gerne geherzt und umarmt.
Rosi: Sie hätte das sicher auch mit dem Neugebauer getan.

 

7.3.2011
Paul: Es ist Zeit für die Erklärung von Barcelona.
Rosi: Habe ich etwas verpasst?
Paul: Tiere aller Länder vereinigt Euch.
Rosi: Warum Barcelona?
Paul: Wo glänzt ein Fisch am Abendlicht am Strand jeden Tag? Nur in der Stadt mit dem größten Aquarium.
Rosi: Und warum soll gerade jetzt diese Vereinigung der Tiere stattfinden?
Paul: In Lybien sind nur mehr Ratten am Werk, so sagt es der Diktatur. Das können wir doch nicht auf unseren Freunden sitzen lassen.
Rosi: Reicht ein geisteskranker Machthaber, damit die Tiere ihre Animositäten vergessen? Das hat vorher doch nur Franz von Assisi geschafft, die Löwen und die Lämmer zusammen zu bringen.
Paul: Aber die Österreichischen Sportler haben endlich auch den richtigen Blick auf die Realität gewonnen.
Rosi: Du meinst die Kombinierer bei der WM in Oslo?
Paul: Da hat einer im Interview gesagt: “Da wurde das Tier in mir wach.” Nein! Er hat gesagt: “Da wurde ich zum Tier” Und so hat die Staffel gewonnen.
Rosi: Die Tiere entscheiden also das Rennen und das Leben.
Paul: Tiere aller Länder vereinigt Euch.
Rosi: Also ich weiß nicht... Das Leben besteht doch nicht nur aus Siegen.
Paul: Du vermisst die Musik, die Literatur und die Philosophie?
Rosi: Wie Du mich kennst. Aber Barcelona ist trotzdem eine Reise wert. 

 

23.2.2011
Rosi: Bist Du schon gefragt worden?
Paul: Von wem? Von Lugner?
Rosi: Du weißt doch der Opernball rückt näher.
Paul: Und?
Rosi: Er hat noch keine richtigen Stars.
Paul: Und Du glaubst ich habe einen Chance?
Rosi: Warum nicht. Eine Pressekonferenz mit einem Fisch in einem Plastiksackerl neben Lugner.
Rosi: Da wir so berühmt sind.
Paul: Ob er sich uns beide leisten kann?
Rosi: Wie würde Rudolf Streicher, der auch beim Aktien Quicki der Telekom mitverdient hat, sagen.
Paul: Du meinst Aktienkauf 2 Minuten vor Schluss und alle Manager bekommen einen Bonus von 9.2 Millionen Euro.
Rosi: Ein Aktien-Quickie, alles nur Zufall, natürlich.
Paul: Und was hat Streicher zu seinem Bonus gesagt?
Rosi: Es waren eh unter 100.000,- Euro.
Paul: Also nicht der Rede Wert.
Rosi: Unter 100.000,- Euro wären wir zu haben. Rosi & Paul die ersten sprechenden Fische auf dem Opernball in der Loge von Lugner.
Paul: Unsere Brüste könnte er nicht betatschen, das wäre ein Vorteil.
Rosi: Was wir mit dem Geld alles machen könnten.
Paul: Gib mir ein Beispiel.
Rosi: Ich kann es Dir nicht geben. Gib Du mir das erste Wort…
Paul: Geriatriezentrum.
Rosi: Alle Bewohner in Geriatriezentren könnten für die nächsten 10 Jahre Kurse bekommen, die unsere Volkshochschule durchführt.
Paul: Jetzt ist leider kein Geld da.
Rosi: Oder sollen wir Rudolf Streicher fragen, ob er noch 50.000,- Euro über hat für diese Kurse.
Paul: Wir würden in der ersten Reihe sitzen wenn er die Symphoniker dirigiert.

 

22.2.2011
Rosi: Bist du schon nervös?
Paul: Wir sind ja nicht die Herrscher von arabischen Plätzen.
Rosi: Und Tränengas unter Wasser hat auch keine Wirkung.
Paul: Wir haben endlich auch den Tahrir-Platz von Kairo erwähnt.
Rosi: Sonst hätten die Menschen schon geglaubt, wir träumen nur mehr von der Idylle.
Paul: Aber warum sollte ich sonst nervös sein?
Rosi: Na am Mittwoch 2. März haben wir unseren großen Liveauftritt.
Paul: Im Plastiksackerl?
Rosi: Nein unsere Dialoge werden vorgelesen und gespielt. 
Paul: Wikileaks hat auch unsere geheimen Botschaften öffentlich gemacht?
Rosi: Nein wir werden doch täglich belauscht.
Paul: Hatte ich vergessen.
Rosi: Manche fürchten sich vor den neuen Medien und Mails und finden das fürchterlich.
Paul: Was meinst Du?
Rosi: Mails und die neuen Medien haben in arabischen Ländern eine ungeheure Wirkung entfaltet.
Paul: Ja diese neuen Medien, schwerer zu kontrollieren als Menschen.
Rosi: Also wer uns hören will: Mittwoch, 2. März im Bezirksmuseum Hietzing (Am Platz 2) um 18:30
Paul: Und der Eintritt ist gratis.

 

21.2.2011
Rosi: Ich möchte es gemütlich haben.
Paul: Ich merke der Frühling kommt und da beginnen die Frauen zu träumen.
Rosi: Von neuen Wohnungen und Dachterassen.
Paul: Gefällt dir unser Aquarium denn nicht mehr?
Rosi: Es ist so klein.
Paul: Aber 600 Quadratmeter sind doch nicht gemütlich.
Rosi: Da hast du recht, diese Aussage von der Kristallprinzessin ist so blöd wie ihr Mann offenbar korrupt ist.
Paul: Aber es gilt die Unschuldsvermutung.
Rosi: Und alle wissen: unschuldig in diesem Land ist nur einer.
Paul: Aber ich glaube die Menschen sehnen sich nach Gemütlichkeit.
Rosi: Und das ist ja das Vorzimmer zur Idylle.
Paul: Manche malen die Idylle so, dass wir uns mit schlechtem Gewissen freuen
Rosi: Du meinst diesen Maler Martin Praska, den du mir vorgestellt hast.
Paul: Ja und andere singen uns über das Vorzimmer hinein in Welten ohne Ende, wo kein Böser hinter den Türen der unendlichen Zimmerfluchten lauert.
Rosi: Und am Schluss steht dann: “Sag beim Abschied leise servus”.
Paul: Peter Alexander ist tot. Jetzt müssen wir singen.
Rosi: Ist das eine Schlagzeile?
Paul: Nein, die Ankündigung eines Singkreises in unserer Volkshochschule am 26. Februar.
Rosi: Ich will doch nicht übersiedeln. Wo gibt es solche Kurse sonst noch in Wien.

 

20.2.2011
Rosi: Ich nehme an Du warst wieder unterwegs?
Paul: Ich habe schon wieder einen Diversitäts-Auftrag bekommen?
Rosi: Ein großes Museum?
Paul: Ich habe eine Ausstellung gesehen, bevor Sie noch eröffnet wurde.
Rosi: Das ist eine besondere Auszeichnung.
Paul: Die Fachwelt schätzt mein Urteil.
Rosi: Und der Künstler ist sicherlich ein großer Tierfreund!
Paul: Die großen Künstler schätzen Tiere und Martin Praska ist einer.
Rosi: Und welche Tiere kommen bei ihm vor?
Paul: Hunde, Rehe, aber leider keine Fische.
Rosi: Und trotzdem bist du begeistert?
Paul: Wenn die Tiere so gemalt sind als wären sie aus Marmor und das Licht sich spiegelt, wo ist dann da der Unterschied zu einer glatten Wasseroberfläche.
Rosi: Und was machen die Tiere in diesen Bildern.
Paul: Sie sind die Boten der Idylle und in ihnen spiegelt sich auch ein wenig die Verlogenheit.
Rosi: Gib mir ein Beispiel?
Paul: Ich kann dir kein Beispiel geben, das musst du selbst sehen.
Rosi: Gib mir ein Bild.
Paul: Einige hast Du ja jetzt gesehen.

 

Rosi: Du bist jetzt nicht viel in der Volkshochschule.
Paul: So viele Anfragen gilt es zu bearbeiten. Ich bin der einzige Diversitäts-Beauftragte, der die Tierdarstellung in der Kunst in seinem Portföl hat.
Rosi: Wie gewählt Du sprichst. Und was hast Du geprüft.
Paul: Das neue Jüdische Museum auf dem Judenplatz.
Rosi: Ein heikler Auftrag. War alles koscher?
Paul: Nein alles rein. Fotos von Peter Seidel über Jüdische Ritualbäder.
Rosi: Die Ausstellung heißt aber Ganz rein.
Paul: Dieses Wasser und die Fotos: außerirdisch.
Rosi: Und sonst?
Paul: Nicht viel Tiere zu sehen, ein kleines Spielzeugpferd zumindest, schrecklich sich vorzustellen, wie die Juden 1421 im Tempel verbrannt sind, das Pferd hat einem Kind gehört. Bestialisch.
Rosi: Sonst noch Anmerkungen.
Paul: Der Besuch des Museums hätte mir fast das Leben gekostet.
Rosi: Aber getötet wurde doch dort nur im 15. Jahrhundert.
Paul: Aber der Gang zur Ausstellung ist so eng und als ich im Plastiksackerl in die Ausstellung gegangen bin, ist jemand aus der Toilette gekommen und die Tür hat uns voll erwischt. Ich wäre dort fast verendet, wenn der Sack meinem Träger aus der Hand gefallen wäre.
Rosi: Klingt gefährlich.
Paul: Rollstuhlfahrer müssen beobachten, ob jemand die Toilette besucht hat und den richtigen Zeitpunkt abwarten.
Rosi: Das Leben ist ein Glücksspiel.

 

3.2.2011
Paul: Wo bist Du?
Rosi: Wieso, ich muss ja nicht immer hier sein?
Paul: Aber Du bist nicht da?
Rosi: Du bist auch nicht immer da und wen Du als Diversitätsbeauftragter unterwegs bist, dann bin ich hier im Aquarium.
Paul: Aber Du bist noch nie so lange weggewesen!
Rosi: Das wird sich ändern.
Paul: Arbeitest Du?
Rosi: Tierische Solidarität für den Frauentag.
Paul: Klingt gefährlich.
Rosi: Ich war im Kino „We want Sex“. Ein Muss.
Paul: Solche Filme schaust Du Dir an?
Rosi: Klingt unanständig nicht?
Paul: Ein bisserl bin ich entsetzt.
Rosi: Gleiche Bezahlung von Mann und Frau ist nicht unanständig.
Paul: Da hast Du recht. Für viele war es etwas Unanständiges . Aber auch heute ist es noch immer nicht realisiert.
Rosi: Wenn Fische Tränen in den Augen haben könnten, dann bei diesem Film.
Paul: Ich bin stolz auf Dich und den Kampf, der noch nicht zu Ende ist.

 

30. 1. 2011
Paul: Ich bin erkannt und gewürdigt.
Rosi: Auf Deine von Stolz geschwellten Brust hätten ja eine ganze Batterie Orden Platz.
Paul: Ja wenn ich ein General wäre.
Rosi: Dann hätte man dich abberufen.
Paul: Aber wenn mich der Spoerri porträtiert hätte.
Rosi: Das würde Dir gefallen, ich weiß.
Paul: Ich bin schon wieder in einer besonderen Mission unterwegs gewesen.
Rosi: Als Diversitätsbeauftragter für Kunst nehme ich an?
Paul: Die Kunsthalle Krems hat mich durch die Ausstellung von Spoerri tragen lassen.
Rosi: Du bist ein Abenteurer. Wieder im Plastiksack durch die Ausstellung.
Paul: Hat sich ausgezahlt, denn, wo ein Elefantenrüssel, da ist ein Fisch nicht weit.
Rosi: Also Spoerri ist demnach ein großer Künstler.
Paul: Ganz groß, denn Tiere kommen nicht zu kurz.
Rosi: Du meinst den geilen Biber?
Paul: Im wörtlichen Sinn. Spoerri weiß, dass beim Spaß Tiere nicht fehlen dürfen. Der plattgedrückte Hund, da must ich so lachen, das etwas Wasser aus dem Sack geschwappt ist.
Rosi. Und zumindest ein Fisch kommt auch vor.
Paul. Das Foto ist leider etwas verwackelt, aber illegal in einer Ausstellung zu fotografieren, da sind bei meinem Träger des Sackerl die Nerven blank gelegen.
Rosi. Und Dein Urteil als Diversitätsbeauftragter für die Darstellung von Tieren in Kunstausstellungen?
Paul: Das ist kein Kuckuckusei, das da gelegt wurde. Die Gerichtsverhandlung, die Spoerri mit Tieren nachstellt. Nach dem Jahr 2010 muss man jetzt sagen: Da sehen wir dann alles supernackt.
Rosi: Aufpassen! Tiere und Gericht, das ist ein Thema so gefährlich wie die Mafia.
Paul: Du meinst den Tierschützerprozess in Minsk?
Rosi: Den in Wiener Neustadt.
Paul: So ein prozess kann doch nur in einer Diktatur stattfinden. Ich dachte Wiener Neustadt liegt in Weißrussland?
Rosi: Sie werden uns holen kommen und uns nach dem Mafiaparagrafen anklagen.
Paul: Ich bin gespannt.
Rosi: Also wer Denkbilder sehen will, wer das schauen wieder lernen möchte, der besucht die Kunsthalle in Krems und wenn bei den Essensbildern, bei den Tischinstallationen auch die eine Fischgräte zu sehen ist...
Paul: ... das macht nichts, so ist das Leben für uns Fische eben.
Rosi: Und das Blau in dieser Ausstellung ist zwar nicht von Spoerri, aber traumhaft.
Paul: Yves Klein hat das Blau der Weltmeere in die Kunst gebracht.

 

29.1.2011
Rosi: Hast Du gesungen?
Paul: Ich bin doch nicht verhaftet worden?
Rosi: Nein ich meine gesungen.
Paul: Wie lange lebst Du jetzt in Wien und kennst unsere Sprache immer noch nicht!
Rosi: Auch wenn ich eine Odessa Barbe bin, ich bin hier geboren worden in Hetzendorf im Zoogeschäft.
Paul: Wenn Du mich fragst, ob ich gesungen habe, dann kann das doch nur heißen, dass ich bei der Polizei im Verhör gestanden habe.
Rosi: Ich glaube Du kennst unsere Sprache nicht. Ich habe nur gefragt, ob Du schon gesungen hast?
Paul: Fische singen doch nicht.
Rosi: Aber singen ist jetzt im Kommen.
Paul: Du meinst, wenn Fische in den Abendhimmel schwimmen können, dann könnten Sie auch singen?
Rosi: Keine Frage. Und singen ist ganz in.
Paul: Eigenartig, jetzt wo Du es sagst. Ich sehe und höre in letzter Zeit auch davon. Immer wenn das Programm unserer Volkshochschule erscheint, berichten die internationalen Medien über einzelne Kurse.
Rosi: Du meinst zwar, wir sind das Zentrum der Weltmeere, aber ich glaube, das ist nur eine Frage der Wahrnehmung.
Paul: Ja, aber DIE ZEIT hat erst vor kurzem geschrieben, dass singen in Mode kommt und der ORF macht einen Wettbewerb für Chöre und die VHS Hietzing bietet jetzt auch einen Singkreis an und hat die Opernwerkstatt eröffnet.
Rosi: Vielleicht sind wir doch ein Zentrum der Weltmeere.
Paul: lalalala. Heute ist niemand in der Volkshochschule, heute kann ich singen.

 

21.1.2011
Paul: Jetzt hat auch die Albertina angefragt!
Rosi: Schon wieder ein Auftrag für meinen Divi.
Paul. Mach dich nicht lustig über meine Funktion als Diversitätsbeauftragten für die Darstellung von Tieren in Kunstausstellungen.
Rosi: Liegt mir so fern wie die braune Wurzel in unserem Aquarium.
Paul: Dann ist es gut.
Rosi: Welche Ausstellung hast Du begutachtet?
Paul: Picasso ist noch bis Ende Jänner zu sehen.
Rosi: Pablo war ein großer Freund der Tauben.
Paul: Nicht nur der Tauben, auch Meerestiere haben ihn fasziniert.
Rosi: Du meinst die Stillleben mit Krebsen?
Paul: Und der Streit zwischen Katze und Hummer, eine Paraphrase auf Amerika und Kuba in den 60er Jahren.
Rosi: Tiere helfen in den Konflikten unserer Zeit, was ich immer sage.
Paul: Und die Taube der Friedensbwegung, die ist vielen vorausgeflogen.
Rosi: Ein  politischer Menschen dieser Picasso, eine tolle Ausstellung. Wie ist Dein Urteil?
Paul: Fische kommen keine vor, aber andere Tiere dafür, aber...
Rosi: Lass Deinen Einwand hören.
Paul: Die Stellung zum Stalinismus, die fehlt mir. Das Bild von Stalin, das Picasso zum Tod gemalt hat wird gezeigt, aber weil sich die verbohrten Kommunisten von der naiven Darstellung provoziert fühlten, ist Picasso noch lange kein Kritiker gewesen.
Rosi: Du meinst es wäre Zeit auch dies kritisch darzustellen.
Paul: Längst überfällig.

 

17.1.2011
Paul: Wir sind und bleiben Vische.
Rosi: Die langen Feiertage haben Deiner Ausdrucksfähigkeit nicht ganz gut getan.
Paul: Nur wegen eines Buchstabens? Das V passt doch, die Volkshochschule färbt ab.
Rosi: Aber die Polizei war noch nicht da?
Paul: Aber doch nicht wegen meinem Visch F.
Rosi: Nein, aber hast du den neuen Vilm schon gesehen?
Paul: Aus Liebe zu mir und zum V sprichst Du jetzt auch so wie ich.
Rosi: Ich meinte die Dokumentation Välscherwerkstatt Folkshochschule.
Paul: Du meinst nach dem gefälschten Schiele-Bild...
Rosi: Das Bild hat ein Schüler einer Volkshochschule gemalt.
Paul: Und das ist fast für echt und auf 3,5 Millionen Wert geschätzt worden war?
Rosi: Eine Bank hat das Bild zur Besicherung eines Kredits genommen.
Paul: Malen die KünstlerInnen in Hietzing, um ihre Kredite besichern zu können?
Rosi: Ich habe einige Picassos, Brandls, Weilers und Schiele gesehen.
Paul: Sonst niemand?
Rosi: Und dann noch die vielen Noch-nicht-Bekannten. Alles ist möglich.
Paul: Geld und Kredite würden alle brauchen
Rosi: Aber alle malen mehr aus Leidenschaft.
Paul: Diesen Film muss ich mir jetzt ansehen.

 

73. Gespräch 24.12.2010
Paul: Lass uns auf Urlaub schwimmen.
Rosi: Unsere Urlaube finden doch nur im Kopf statt.
Paul: Aber Urlaub brauchen wir.
Rosi: Bist Du so erschöpft?
Paul: Nein, aber wir sind jetzt nutzlos.
Rosi: Weil die MitarbeiterInnen unserer Volkshochschule auf Weihnachtsferien gegangen sind?
Paul: Das ist nur ein Grund, aber da Odessa Barben keine Weihnachtslieder singen können, haben sie in diesen Tagen keine Existenzberechtigung.
Rosi: Ich höre da ein wenig Ärger heraus.
Paul: Ich kann manche Menschen verstehen, die akustisch gerne untertauchen wollen.
Rosi: So viel Kitsch für Augen und Ohren.
Paul: Aber Du liebst doch Kitsch?
Rosi: Ja, aber manchmal wird es sogar mir zu viel.
Paul: Du meinst die Verlogenheit?
Rosi: Wenn Weihnachtslieder, dann nur, wenn Sie vom Pfeifer vom Wienerwald begleitet werden.
Paul: Du meinst, den Mann im Geriatriezentrum, der nicht mehr sprechen kann und jede Melodie mitpfeift?
Rosi: Ja und dann gibt es da noch einen Mundharmonikaspieler im Rollstuhl.
Paul: Ich möchte allen nur einen frommen Wunsch schicken.
Rosi: So feierlich?
Paul: Ich hoffe, dass Menschlichkeit im Jahr 2011 nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten umgesetzt wird.

 

72. Gespräch 22.12.2010
Paul: Sind wir die einzigen Lebewesen in der Welt?
Rosi: Du meinst die einzigen Fische?
Paul: Ja, gibt es ein Leben außerhalb unseres Aquariums?
Rosi: Selbst erfahren habe ich anderes Leben noch nicht, Wir können ja unser Universum nicht verlassen.
Paul Aber glaubst Du gibt es noch andere Aquarien?
Rosi: Du weißt doch, dass wir neue gelbe Fische bekommen haben und die haben in einem anderen Aquarium gelebt.
Paul: Richtig, die aus dem Plastiksackerl. 
Paul: Schade, dass wir sie nicht fragen können.
Rosi: Wahrscheinlich ist es dort so wie bei uns.
Paul: Glaubst fragen sich die Menschen auch solche Fragen?
Rosi: Sicherlich, aber die haben auch die Möglichkeiten, zu anderen Universen zu sehen, heißt Astronomie oder so.
Paul: Wenn das wo unterrichtet wird, da würde ich hinschwimmen und mir eine Idee von einem anderen Universum zu holen.
Rosi: Du wärst sicherlich der erste Fisch, der durch ein Teleskop blickt.
Paul: Zurzeit blicke ich in fröhliche Gesichter.
Rosi: Es wird viel gefeiert in unserer Volkshochschule
Paul: Fast in jedem Kurs wird Sekt getrunken und gesungen.
Rosi: Und alle freuen sich über die Geschenke.
Paul: Zweimal im Jahr ist Advent.
Rosi: Das muss in einem anderen Universum sein.
Paul: Nein, in der Volkshochschule. Zweimal Vorfreude auf ein neues Programm.
Rosi: Und diesmal dürfen wir sogar das Vorwort sprechen.
Paul: Fast wie Weihnachten.

 

71. Gespräch 20.12.2010
Paul: Selbst Panther werden weihnachtlich gewünscht, nur wir nicht.
Rosi: Die Kälte lässt Dich in Rätseln sprechen, aber auf unserem Aquarium ist doch keine Eisschicht.
Paul: Nie ist Zeit für uns!
Rosi: Jeden Tag haben die Menschen Zeit und beobachten uns in der Volkshochschule.
Paul: Aber gewünscht werden wir nicht.
Rosi: Du meinst wir stehen auf keinem Wunschzettel.
Paul: Und kommen in keinem Lied vor. (stößt Luftblasen aus) Kennst Du das Lied?
Rosi: Morgen kommt der Weihnachtsmann, kommt mit vielen Gaben, bunte Lichter, Silberzier, Kind mit Krippe, Schaf und Stier, Zottelbär und Panthertier….
Paul: Selbst Panther werden besungen, nur keine Fische.
Rosi: Das wird sich ändern.
Paul: Warum glaubst Du das?
Rosi: Weil das Kursprogramm unserer Volkshochschule die Wende markiert.
Paul: Wo befindet sich das Kursprogramm?
Rosi: Es hat die Köpfe der Planerinnen und deren Computer verlassen und ist schon in der Druckerei angelangt.
Paul: Ich höre formlich die Rhythmik der Maschinen.
Rosi: Sie singen kein Weihnachtslied, sondern nur: Im 7ten Himmel.
Paul: Das ist schön. So heißt das Titelbild von Brigitte Gadnik-Jiskra.
Rosi: Schöner als jedes Weihnachtslied.
Paul: Und hält länger, denn das Programm ist aktuell bis Juni 2011.
Rosi: Und das ist Weihnachten längst Geschichte.

 

70. Gespräch 17.12.2010
Paul: Ich habe eine Wut, die ist grenzenlos!
Rosi: Hoffentlich zersprengt das nicht das Glas unseres Aquariums?
Paul: Wohin mit meiner Wut?
Rosi: Fische können keinen hohen Blutdruck haben, Du bist sicherlich die Ausnahme.
Paul: Ohnmächtig fühl ich mich.
Rosi: Sind wir Fische das nicht immer?
Paul: Das wird uns immer eingeredet, aber ich habe die Illusion, dass wir etwas verändern können.
Rosi: Warum sprengt Deine Wut alle Grenzen?
Paul: Das Böse ist uns abhanden gekommen.
Rosi: Ist das nicht gut?
Paul: Es gibt nur mehr ein Böses und das heißt Budget.
Rosi: Du meinst alle sind Erfüllungsgehilfen der schwarzen Zahl.
Paul: Alle sind lieb und streichen und kürzen und es blutet ihnen das Herz
Rosi: Keiner hat Geld.
Paul: Manche haben so viel Geld.
Rosi: Aber jetzt wird doch so viel gespendet und Punsch getrunken.
Paul: Ich hasse diese Menschlichkeit im Kerzenschein.
Rosi: Paul, das kannst Du doch nicht sagen. Menschlichkeit ist etwas Schönes.
Paul: Nein ich will keine Menschlichkeit. Ich will Gerechtigkeit, das müsste genügen.
Rosi: Du meinst die Menschlichkeit, die jetzt praktiziert wird, ist verlogen?
Paul: Das ist vornehm ausgedrückt. Zuerst wird denen, die unsere Hilfe brauchen die Hilfe vorenthalten, damit wir uns dann im Kerzenschein inszenieren können, um zu spenden und uns gut zu fühlen.
Rosi: Keine Weihnachtsstimmung bei Dir?
Paul: Jede giftige Qualle ist mir lieber als diese Verlogenheit.

 

69. Gespräch 15.12.2010
Paul: Alles Schwarz.
Rosi: Wir wollten doch heute wieder das neue Kursprogramm bewerben.
Paul: Haben wir den grünen Star?
Rosi: Wir sehen nichts.
Paul: Wird das so bleiben?
Rosi: Vor unserem Aquarium steht bloß eine Wand.
Paul: Ich glaube da wird jemand betrauert.
Rosi: Du hast recht: der Malerfürst Don Jose ist mit 94 Jahren gestorben.
Paul: Ein lustiger Mann.
Rosi: Ein Kämpfer.
Paul: Du meinst, weil er so alt noch gearbeitet hat.
Rosi: Nein, er hat auch im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft.
Paul: Er hat immer wieder darüber erzählt und er war sehr beliebt.
Rosi: Nach dem Kurs sind alle noch beisammen gesessen und haben Kaffee getrunken.
Paul: Schwarz ist angebracht, wir sind solidarisch in der Trauer um diesen Künstler.
Rosi: Aber ein bisserl Rot sollte dabei sein im Schwarz.
Paul: Du hast Recht, denn Rot hat er geliebt.
Rosi: Ich werde seine Scherze vermissen.
Paul: Und Tiere hat er auch geliebt.
Rosi: Richtig, oft wurden Tiger gemalt in seinen Kursen.
Paul: Ich bin sicher bald hätten Sie auch Fische gemalt, wenn noch etwas Zeit geblieben wäre.
Rosi: Die Erinnerung an Josef Eisenbauer soll wachgehalten werden.
Paul: Vielleicht wird auch der Kursraum 11, wo er mehr als 20 Jahre vier Tage die Woche gearbeitet hat, nach ihm benannt.
Rosi: Ich bin mit ganz sicher, dass es den Josef Eisenbauer Saal bald geben wird.

 

68. Gespräch 14.12.2010
Paul: Wir werden verschenkt.
Rosi: Hunde, Katzen und Papageien landen unter dem Weihnachtsbaum. Fische nicht.
Paul: Da bin ich froh , dass wir nicht so leicht zu haben sind.
Rosi: Wir brauchen zumindest ein Aquarium und Wasser und einen Filter…
Paul: Und dennoch werden wir verschenkt!
Rosi: Wer tut das?
Paul: Verschenkt werden nur jene Odessa Barben, die das Zentrum der Welt sind.
Rosi: Bist Du wieder vom Größenwahn befallen?
Paul: Wenn Du böse bist werden Deine Augen ganz klein und das liebe ich.
Rosi: Kannst Du aufhören zu flirten und mir eine Antwort geben.
Paul: Wir werden verschenkt, ohne Wasser aber mit einer Portion Sonnenuntergang.
Rosi: Ach so du meinst unsere Volkshochschule.
Paul: Ich meine unser neues Kursprogramm.
Rosi: Wie wir die Menschen vorbereiten auf das neue Produkt.
Paul: Das ist so, wenn Tiere verschenkt werden, müssen sich die Beschenkten damit vertraut machen.
Rosi: Der Direktor wird uns lieben, da wir das neue Programm so ankündigen.
Paul: Wir werden uns sicher über ein schönes Geschenk freuen können.
Rosi: Ich würde mir einen kleinen Weihnachtsbaum wünschen.
Paul: Aber er hat so wenig Zeit um einen zu besorgen.
Rosi: Vielleicht bekommen wir von irgendjemand in der weiten Welt einen Hinweis.
Paul: Ein kleiner Weihnachtsbaum fürs Aquarium.
Rosi: Das wäre unser Traum für den 24.
Paul: Ich will ihn schon jetzt, bald, gleich. Er würde unser Zentrum schmücken.
Rosi: Ach Paul.

 

67. Gespräch 13.12.2010
Paul: Ich habe Angst.
Rosi: Odessa Barben haben doch keine Angst!
Paul: Ich schon!
Rosi: Vor wem denn?
Paul: Der Taucher ist schon wieder da.
Rosi: Ist mir noch nicht aufgefallen, wen meinst Du?
Paul: Na der mit der Skibrille und dem Rucksack und den Hosenbeinen, die mit einem Gummiband zusammengehalten werden, weil er mit dem Rad fährt.
Rosi: Ach der, der immer bei den Büchern steht.
Paul: Ja der, der kommt jeden Tag und kontrolliert den Bestand.
Rosi: Der Direktor hat schon mit ihm gesprochen...
Paul: und ihn gefragt ob er nur Bücher mitnimmt oder auch etwas spendet.
Rosi: Dieser Bücherbasar ist eine tolle Einrichtung, viele Menschen kommen und nehmen Bücher mit.
Paul: Und viele bringen Bücher.
Rosi: Bücher wegschmeißen, wer kann das schon?
Paul: Dieser Bücherbasar ist die Antwort der Volkshochschule auf PISA.
Rosi: Diese Droge wird ohne Rezept nur gegen eine kleine Spende abgegeben.
Paul: Und lesen kann Mann und Frau aber auch ohne Taucherbrille.

 

66. Gespräch 11.12.2010
Paul: Wir werden immer wichtiger.
Rosi: Bei kleinen Fischen ist das wie bei Menschen.
Paul: Was meinst Du? Ich ahne eine böse Spitze.
Rosi: Dein Hang zum Größenwahn.
Paul: Wir werden aber wirklich immer wichtiger.
Rosi: Das klingt so wie: Die Lage spitzt sich zu.
Paul: Du bist so spitz heute.
Rosi: Gut ich will nicht abgestumpft sein. Warum glaubst Du an unsere Wichtigkeit?
Paul: Nur mehr 30 Tage, dann wird alle Welt es wissen.
Rosi: Aber Weihnachten ist doch schon in 12 und Silvester in 19 Tagen.
Paul: In 30 Tagen wird das neue Kursprogramm ausgeliefert.
Rosi: Was hat ein Kursprogramm mit uns Fischen zu tun?
Paul: Nicht ein Kursprogramm, sondern das Kursprogramm.
Rosi: Die Lage spitzt sich zu.
Paul: Nein ich bin nicht Napoleon und nur eine kleine Odessa Barbe und nicht größenwahnsinnig. Ich meinte nur das Kursprogramm der Volkshochschule.
Rosi: Übe Dich in Demut.
Paul: Du meinst es gibt ja nicht nur eine Volkshochschule?
Rosi: Natürlich nicht. Und auch andere Mütter haben schöne Kinder.
Paul: Aber keine andere Volkshochschule hat die Bedeutung von uns Fischen erkannt.

 

65. Gespräch 10.12.2010
Paul: Mission ist wieder gefragt.
Rosi: Habe ich etwas übersehen?
Paul: Nein, die Wandermuscheln sind nicht unterwegs, um uns die schleimige Wahrheit zu vermitteln.
Rosi: Nur weil Du ein Fisch bist, hast Du keine Ahnung von Zoologie. Schnecken hinterlassen Schleimspuren.
Paul: Neue Regionen werden jetzt missioniert.
Rosi: Womit und wofür?
Paul: Der Ball ist gelandet in Russland und in Katar.
Rosi: Dass er nicht in Australien gelandet ist, haben wir schon besprochen. Für England ist es ganz schlimm, denn dort wurde das Fußballspiel erfunden.
Paul: Aber jetzt sollen andere Regionen ins Spiel kommen.
Rosi: Sag bitte nichts über die Russische Mafia, sonst besuchen sie uns. 
Paul: Toll nicht, dass jetzt auch ein arabisches Land mitspielen darf.
Rosi: Und ein gutes Signal für den Klimagipfel. Die Stadien werden klimatisiert und nach der WM abgebaut und nach Afrika verfrachtet.
Paul: Ist das nicht beeindruckend?
Rosi: Beeindruckend unklug.

 

64. Gespräch 9.12.2010
Paul: Ich habe wieder etwas gelernt.
Rosi: Warst Du in einem Kurs?
Paul: Aber es gibt auch informelles Lernen.
Rosi: Und wie läuft das bei Dir.
Paul: Bei Dir lerne ich informell zum Beispiel. Danke, dass Du die political correctness für mich im Auge hast.
Rosi: Es gibt noch einen anderen Begriff, der oft verwendet wird und auch nicht in Ordnung ist.
Paul: Sag:
Rosi: Brainstorming, das wird bei jeder Besprechung fast angewendet.
Paul: Darf man nicht die Gedanken fließen lassen?
Rosi: Aber es gibt Menschen, die haben tatsächlich sowas wie ein Gewitter im Gehirn und es ist nicht fein, daran zu erinnern.
Paul: Wo hast Du das gehört.
Rosi: Bei einem Seminar in England. Grundtvig sei Dank.
Paul: Und wie sagt man richtig?
Rosi: Brainshower.
Paul: Noch besser: Vor Gewittern habe ich Angst, Wasser, das gefällt mir.
Rosi: Zu Weihnachten fällt uns sicherlich noch etwas ein.
Paul: Und wenn nicht, dann gönnen wir uns eine brainshower.

 

63. Gespräch 7.12.2010
Paul: Magatsch, mgtsch, gtsch,
Rosi: Hast Du Mundgeruch oder warum belüftest du Dein Maul so intensiv?
Paul: Ma, ich gatsch, ma habe gatsch gelesen...
Rosi: Das ist ja fürchterlich, wenn du so weitertust schwimme ich hinter die braune Wurzel und betrachte den Büchertisch.
Paul: Verzeih bitte, aber wenn ich etwas lese oder höre, dann muss ich das gleich in die Tat umsetzen.
Rosi: Schon wieder Ernst Jandl?
Paul: Nein Kaugummi kauen.
Rosi: Untersuchungen haben ergeben, wie gesund das ist, das steigert die Gehirntätigkeit, durchblutet das Gehirn und die Menschen die viel kauen sind klüger.
Paul: Deswegen ist es in deutschen Schulen bald Pflicht zu kauen.
Rosi: Und die Ergebnisse von Pisa werden Spitze sein.
Paul: Für die Übergangszeit ist es besser, wenn dies nicht auf Plakaten kundgetan wird, denn fast ein Drittel der SchülerInnen verstehen nicht was sie lesen.
Rosi: Wenn die LehrerInnen mit gutem Beispiel vorangehen und kauen, dann werden sie es verstehen.
Paul: Schön ist es nicht. Mgatsch, gatsch gtsch.
Rosi: Aber wenn die Menschen dann klüger werden.  
Paul: Ich warte auf den ersten Auftritt der Bildungsminsterin, wenn sie kauend im Parlament spricht.
Rosi: Vielleicht schickt Sie Kaugummipackerl den Landeshauptleuten als Weihnachtsgeschenk.

 

62. Gespräch 6.12.2010
Paul: Die Befreiung der Menschheit steht noch bevor.
Rosi: Warum weißt du das?
Paul. Der Besuch in der Tate Modern in London hat mich überzeugt.
Rosi: Zum Abschluss unserer Reise waren wir tatsächlich in diesem Kunst-Tempel. Aber was hat Dich dort zur Erkenntnis über die noch ausstehende Befreiung gebracht?
Paul: Fische sind bislang nicht Thema der Kunst, selbst im Raum mit den sowjetischen Plakaten kein Fisch, nur Lenin, Stalin und Trotzki und jede Menge Arbeiter.
Rosi: Gut - diese Befreiung steht noch auf der Tagesordnung, aber gibt es wirklich keine Fische in der ganzen Tate Modern, das kann ich fast nicht glauben.
Paul: Der Sauerstoff hat fast nicht mehr gereicht, einige Maler habe ich doch gefunden, die uns - wenn überhaupt - nicht als tot auf die Leinwand gebracht haben.
Rosi: Dein Favorit ist sicherlich Andrè Masson.
Paul: Du kennst die Kunstgeschichte, ich weiß.
Rosi: “Star, winged Being Fish” gemalt 1955. Das ist einer der philosophischen Fisch-Klassiker.
Paul: Masson war ein Kämpfer, der sich gegen Autoritäten aufgelehnt und einen ganzen Zyklus gegen Krieg und Gewalt geschaffen hat und in seiner Vision kommen unter anderem auch kämpfende Fische vor.
Rosi: Aber dass ein Stern sich beflügelt fühlt und ein Fisch ist - einmal anders rum, sonst träumen sich die, die unten sind, meist in helle Höhen.
Paul: Wie schön Du sprechen kannst.
Rosi: Hast Du noch andere Fische gefunden?
Paul: Natürlich ist ein großer Maler aus dem Land der Meerjungfrau zu nennen. 
Rosi: Dachte ich es mir doch, dass Du wieder nach den Dänischen Wurzeln suchst.
Paul: Asger Jorn, den kennst Du nicht, nehme ich an. “Letter to My Son” 1956.
Rosi: Die 50er Jahre waren offenbar gute Jahre für die Fische. Zeig mir bitte das Bild.
Paul: Kein Problem: Hier! Im Titel ist kein Fisch erwähnt, aber rechts oben ist einer der schönsten Fische der Kunstgeschichte. Er sieht etwas verschreckt aus, aber alle Intelligenz der Weltmeere ist in diesem Blick, findest Du nicht?
Rosi: Und sonst bist Du nicht fündig geworden?
Paul: Naja der gute alte George Braque hat immerhin schon 1910 das Stilleben “Bottle and Fishes” gemalt.
Rosi. Aber da sind wir auch eher tot als lebendig.
Paul: Und dann muss natürlich an viele vergebene Fisch-Chancen erinnert werden.
Rosi: Du brennst darauf einige aufzuzählen, ich sehe wie Du zappelst.
Paul: Andy Warhol hätte als Tier für seine Tapete statt einer Kuh auch einen Fisch verwenden können. Glenn Ligon hätte seine Arbeit “I am a man” auch “I am a fish” nennen können. Und die Kunstgeschichte der Fische wäre um einen Höhepunkt reicher, wenn Henri Matisse seine letzte Gouache 1953 nicht “The Snail” genannt hätte, eine Fischflosse hätte ihn doch auch inspirieren können.
Rosi: Wir sind eben noch nicht Teil der Familie.
Paul: Du meinst André Derain (1939) “The Painter and his Family”?
Rosi: Klar, ich merke, Du bist aufmerksam durch die Ausstellung getragen worden im Aquarium Plastiksackerl mit Sichtfenster.
Paul: Natürlich - ein Hund, eine Katze, selbst ein Pfau und ein Papagei gehören für Derain zur Familie, nur keine Fische.
Rosi: Sei nicht traurig. Wenn ich ehrlich bin, ich würde aber gerne aus dem Fenster schauen.
Paul: Aus welchem? Aus dem Fenster der Tate Modern im 7. Stock?
Rosi: Dort ist es auch toll, aber noch lieber aus dem von Pierre Bonnard aus dem Jahr 1925.
Rosi: Dort würde sich ein Aquarium gut machen. Ein schöner Blick über Ziegeldächer und grüne Hügel am Horizont und interessante Wolkenstimmungen.
Paul: Mein Favorit ist jedoch Francis Bacon. So wie ich ihn sehe, hat diesen Maler sicher noch niemand gesehen. In seinen Gesichtern ist die ganze Verzweiflung von Goldfischen in runden Gläsern zu lesen. Eine unendliche Traurigkeit, die alle Konturen verwischt.
Rosi: Deine Liste und die Sicht von Bacon sind auf- und anregend.
Paul: Danke, es gibt aber auch Bilder, auf denen keine Fische zu sehen sind, die aber mit uns etwas zu tun haben.
Rosi: Jetzt musst Du mir helfen, ich weiß nicht, auf welche Bilder Du anspielst.
Paul: Na da wäre zum Beispiel Bridget Rileys “To a Summer’s Day”. Sei ehrlich, sind das nicht magische Wellen, ohne Anfang und Ende, als wär’s der Ozean?
Rosi: So wie wir in unserem Aquarium ein Teil der Weltmeere sind.
Paul: Und in Monets Bildern, da könnte ich mich auch verlieren. “Water Liles” (after 1916), irgendwo da unten, da müssen Fische sein, ich bin ganz sicher und...
Rosi: Jetzt denkst du sicherlich an eine Nixe.
Paul: Wie Du mich kennst. 
Rosi: Bei Ernst Ludwig Kirchner sieht man hingegen vor lauter Menschen fast kein Wasser mehr.
Rosi: Von Nixen aber keine Spur bei seinen “Bathers at Moritzburg” (1909/1926) und es kommt mir vor, dass einige sich vielleicht vor Fischen fürchten und deswegen aus dem Wasser steigen. 
Paul: Vor uns hat selten jemand Angst, aber wir müssen uns fürchten.
Rosi: Wenn ich die Arbeit von Janis Kounellis “Ohne Titel” 1979 betrachte, bin ich froh, dass wir Fische sind.
Paul: Wieso, Kounellis der hat doch bloß Pferde in ein Atelier gestellt.
Rosi: Ja, aber in der Tate Modern hängt eine Arbeit mit von Pfeilen aufgespießten Krähen vor den Umrissen einer Fabrik und Häusern.
Paul: Dieses Schicksal ist uns erspart geblieben.
Rosi: Wenige kennen aber die Freiheit der Weltmeere, die auch in Aquarien herrscht.
Paul: Wir werden die Botschafter dieser unendlichen Freiheit. Du wirst sehen.
Rosi: Die Begrüßung auf dem Flug nach Hause war schon vielversprechend. Im Kreuzworträtsel der “Presse” ist schon nach mir gefragt worden.
Paul: So bekannt bist Du schon?
Rosi: Nein: Weiblicher Vorname, der einer Blume gleicht.
Paul: Und im “Kurier” vom Sonntag war die Überschrift: “Land der Tiere”. Mehr Tiere als Menschen leben in Österreich.
Rosi: Aber welche Tiere waren abgebildet?
Paul: Natürlich Hunde und Katzen. 
Rosi: Die haben einfach die bessere Lobby.
Paul: Nur die Landeshauptmänner und -frauen sind besser vernetzt, denn eine Strukturreform ist wieder vertagt worden. Dieser Föderalismus!
Rosi: Wir wollten doch nur über Kunst sprechen und jetzt das.
Paul: Mit der Enttäuschung der Zitterrochen lerne ich zu leben…


61. Gespräch 5.12.2010
Paul: Ich weiß nicht, ob ich das Jahr 2022 erleben will?
Rosi: Odessa Barben wollt ihr ewig leben?
Paul: Mach keine Witze mit dem Tod.
Rosi: Ich mache kugelrunde Witze.
Paul: Du weißt was mich bedrückt?
Rosi: Ich seh es in Deinen kugelrunden wunderschönen Augen.
Paul: Quatar. Muss ich mehr sagen?
Rosi: Bei Fußball muss ich jedes Tabu brechen. Sag mir trotzdem: Was läßt Dich verzweifeln?
Paul: Kannst Du Dir die Fußball-WM 2020 vorstellen?
Rosi: Genauso wenig wie ich mir Südafrika 2010 vorstellen konnte!
Paul: Mach keine Witze, das ist Ernst.
Rosi: Wenn Du diesen Freistoßblick hast, dann werde ich gleich “serios”.
Paul: Was gehört zum Fußball?
Rosi: 22 Mann, ein Rasen, einige Schiedsrichter, ein Ball. Habe ich was vergessen?
Paul: Du hast keine Ahnung vom Fußball.
Rosi: Du großer Kenner des Sports kläre mich auf.
Paul: Bier und Frauen. Sind sicherlich genauso wichtig.
Rosi: Ist das Sport?
Paul: Bier wird es in Quatar nicht geben. Und die weiblichen Fans mit den hautengen Leibchen auch nicht.
Rosi: Da wird das Spiel dann wieder wichtiger. Toll von der FIFA.
Paul: Das ist nicht die WM, die ich mir vorstellen kann.
Rosi: Du hast ja noch Zeit dich mit dem Gedanken anzufreunden.
Paul: Ich weiß nicht, wirklich nicht. ich bekomme eine Depression.  

 

60. Gespräch 4.12.2010
Paul: Die Nachtschicht von Adelaide ist traurig.
Rosi: So schnell bin ich nicht, um die Stecknadel richtig in den Globus zu stecken.
Paul: Aber du bist klug genug, um zu wissen, dass es sich um eine Stadt handelt.
Rosi: Eine Stadt in Australien, schätze ich.
Paul: Sehr gut, ich bin beeindruckt und noch ein Detail?
Rosi: Im Süden von Australien. Doch die Trauer ist mir noch ein Rätsel.
Paul: Australien wird nicht Austragungsort der Fußball WM.
Rosi: Richtig, Russland und Katar haben das Rennen gemacht.
Paul: Der Fußball in Australien ist aber sehr gut, das sagt die Nachtschicht von Adelaide.
Rosi: Ist der Fußballklub von Adelaide  zur Zeit nicht sogar auf dem 2. Platz in der 1. Liga?
Paul: Das weißt Du sicher vom Fußballfreund, der regelmäßig unsere Volkshochschule besucht?
Rosi: Ja natürlich, aber wie kann er die Spiele besuchen, wenn er hier in Wien ist?
Paul: Das ist die Nachtschicht. Alles im Internet abrufbar.
Rosi: Aha die Zeitverschiebung.
Paul: Adeleigh hat Fußballfreunde in der ganzen Welt.
Rosi: Toll diese Technik. Und unser Besucher ist Moderator des Internet-Forums und hat immer die Nachtschicht und passt auf, dass keine bösen Dinge ins Forum gestellt werden, nix Rassistisches, keine Beleidigungen.
Paul: 10-15 Menschen in der ganzen Welt verstreut verfolgen die Spiele im Internet.
Rosi: Schade dass die Känguru-Boys nicht die WM bekommen haben. So viel Engagement alleine in Adelaide
Paul: Und zu wenig Schmiergeld sicherlich für die FIFA Boys.

 

59. Gespräch 3.12.2010
Paul: Ich bin kein Schwarmfisch
Rosi: Schon wieder eine Erkenntnis. Warst Du in einer Analyse?
Paul: Gibt es doch nicht für Fische, wie sollte eine Odessa Barbe auf einem Sofa liegen?
Rosi: Analysen können auch im Sessel sitzend erfolgen.
Paul: Nein ich war in einer Ausstellung.
Rosi: Und seit dem weißt Du, dass Du kein Schwarmfisch bist.
Paul: Ich mag keine Führungen.
Rosi: Und was hat das mit Schwarmfischen zu tun.
Paul: Viel um nicht zu sagen alles.
Rosi: Kannst Du etwas präziser auf den Kieselstein kommen.
Paul: So viele Menschen und wo ich bin doch Individualist. Muss ich noch genauer werden?
Rosi: Das darf der Direktor Deiner Volkshochschule nicht erfahren.
Paul: Warum?
Rosi: Weil die doch auch Führungen anbieten. Und außerdem mag ich Führungen, wenn sie gut sind.
Paul: Ich glaube der Direktor mag auch keine Führungen.
Rosi: Aber nicht immer ist Zeit genug, um sich alles Wissen selbst erarbeiten zu können.
Paul: Ich muss Dir jetzt ein Geheimnis verraten.
Rosi: Flüstere es zwischen zwei Luftblasen.
Paul: Wenn ich dann zu einer Führung überredet wurde, dann gefällt es mir.
Rosi: Oh das höre ich gerne.
Paul: Ich bin vielleicht kein Schwarmfisch, aber Führungen haben doch etwas Anregendes.
Rosi: Vielleicht zuckst Du immer wie ein Zitterrochen, weil Du das Wort nicht magst.
Paul: Führer befiehl wir folgen.
Rosi: Guide klingt wirklich besser.
Paul: Wie schön Du das aussprichst. Rosi be mei geid.
Rosi: Gerne bin ich  das, aber an Deiner Aussprache musst Du noch üben.

 

58. Gespräch 2.12.2010
Paul: Es ist schwer.
Rosi: Was machst Du da vor dem Filter.
Paul: Ich trainiere.
Rosi: Welche Disziplin ist das? Gegen den Strom schwimmen?
Paul: Nein ich möchte dem Finanzminister helfen.
Rosi: Da musst Du aber noch etwas zulegen an Gewicht.
Paul: Ich will ihm helfen.
Rosi: Worin besteht Deine Hilfe.
Paul: Ich übe für den Stabilitätspakt.
Rosi: Deswegen versuchst Du immer aufrecht im Gegenstrom zu stehen.
Paul: Ich bin schon ganz erschöpft und ich versuche es erst seit zwei Stunden.
Rosi: Die Verwaltungsreform wird schon Jahrzehnte geprobt.
Paul: Nein keine Probe. Es wird nur davon gesprochen.
Rosi: Aber das Wort ist schön.
Paul: Stabilitätspakt.
Rosi: Übst Du weiter?
Paul: Wenn ich nicht üben würde müsste ich beten.
Rosi: Warum das?
Paul: Wenn der Finanzminister von den Jahren 2014 spricht, wo Österreich ganz vorne sein wird.
Rosi: An erster Stelle in Europa hat er gesagt.
Paul: Dann kommt mir das vorher wie im Mittelalter, wo die Menschen immer auf das Leben nach dem Tod vertröstet wurden.
Rosi: Übe weiter den Stabilitätspakt. Das ist gesünder für Dich.

 

57. Gespräch 1.12.2010
Paul: Freud hat wieder zugeschlagen.
Rosi: Aber doch nicht im Aquarium?
Paul: Nein. Ein Korrektor muss das gewesen sein.
Rosi: Und wen hat es getroffen.
Paul: Die Realität.
Rosi: Das muss aber gesessen sein. Mitten in die Realität?
Paul: Ja voll ins Schwarze.
Rosi: Die Realität hat ein schwarzes Loch?
Paul: Jetzt sind wir gleich nach wenigen Zeilen mitten in der Astrophysik.
Rosi: Zurück an den Start.
Paul: Im Kurztext beim Lifelong Learning Award, bei dem die Volkshochschule Hietzing für besondere Verdienste im Bereich Grundtvig ausgezeichnet wurde, stand folgendes zu lesen.
Rosi: Sag schon…
Paul: Die Volkshochschule Hietzing hat einen pädagogischen Leidfaden.
Rosi: Köstlich.
Paul: An der Pädagogik leiden wir.
Rosi: Gottoder wem immer sei Dank nicht in unserer Volkshochschule.
Paul: Auch nicht in einer anderen Volkshochschule in Wien!
Rosi: Wir werden Flaschenpost von vielen anderen volkshochschuleigenen Aquarien bekommen.
Paul: Und sicher auch aus Purkersdorf.
Rosi: Warum von dort?
Paul: Stell Dir vor, die Volkshochschule Hietzing kooperiert jetzt mit der Volkshochschule Purkersdorf.
Rosi: Über alle Grenzen hinweg.
Paul: Unglaublich. Die handeln sich an einem guten Leitfaden weiter ins Neue Jahr.

 

56. Gespräch 30.11.2010
Paul: So viele Packerl
Rosi: Aber Weihnachten ist doch erst in vier Wochen.
Paul: In unserer Volkshochschule werden jetzt täglich Packerl abgegeben.
Rosi: Wer bekommt diese Geschenke?
Paul: Die BewohnerInnen in Geriatriezentren.
Rosi: Normal gibt es Geschenke für Menschen, die man/frau kennt.
Paul: Aber wir sind keine normale Volkshochschule.
Rosi: Das gefällt mir an diesem Haus.
Paul: Ein Herz nicht nur für Fische, sondern auch für Menschen.
Rosi: Diese Aktion macht vielen Menschen eine Freude.
Rosi: Das sind sogenannte "Blind Dates".
Paul: Wenn sich zwei verabreden, die sich nicht kennen.
Rosi: Ich glaube diese Formulierung ist nicht politisch korrekt.
Paul: Blind Dates?
Rosi: Es gibt eben wirklich Blinde.
Paul: Wir haben zwei BesucherInnen, die kommen seit mehr als zehn Jahren und besuchen einen Turnkurs.
Rosi: Toll ist die Selbstverständlichkeit für die anderen TeilnehmerInnen.

 

55. Gespräch 29.11.2010
Paul: Die Aussicht von Indien nach Klosterneuburg ist einfach toll.
Rosi: Hast Du zu wenig Sauerstoff bekommen? Oder ist die Pumpe im Aquarium ausgefallen?
Paul: Nein, ein toller Blick ist das!
Rosi: Wo warst Du schon wieder?
Paul: Im Essl Museum, dort ist eine Ausstellung über Indien: „Indian awaken“
Rosi: Warum bist Du dort hingefahren?
Paul: Die großen Museen haben jetzt Diversitäts-Beauftragte, die Tate Modern , das Kunsthistorische in Wien und jetzt das Essl.
Rosi: Und?
Paul: Die haben mich eingeladen, weil ich bei bedeutenden Ausstellungen überprüfe, ob die Minderheitenposition der Fische Berücksichtigung findet.
Rosi: Das ist doch ein tolles Ergebnis des EU-Projektes Artforms.
Paul: Ich brauche immer Hilfe, aber das mobile Aquarium, sprich Plastiksackerl hat sich schon bewährt.
Rosi: Und wie fällt Dein Urteil aus?
Paul: Wasser ist für Indien ganz wichtig. Ich sage nur der heilige Ganges.
Rosi: Sind dort überhaupt Fische, ich denke immer nur an Pilger, wenn ich Ganges höre.
Paul: Wasser ist doch eine gute Voraussetzung für uns.
Rosi: Ungewöhnlich wie Bandeep Singh in seinen Fotos darauf Bezug nimmt.
Paul: Auf das Wasser, symbolisiert mit dem Krug. Das ist doch Erotik.

Rosi: Dass Fische das Wort Erotik in den Mund nehmen, ist auch ungewöhnlich. Paul: Kalt wie ein Fisch, sagen manche. Rosi: Aber das Foto war doch ein guter Einstieg für Dich. Paul: Klar und Tiere sind natürlich auch jede Menge zu sehen. Rosi: Fische auch? Paul: Alles der Reihe nach. Als Fische sind wir natürlich in der Kunst nicht verwöhnt. Rosi: Und so freust Du Dich, wenn Du überhaupt Tiere siehst. Paul: Und wenn dann gleich am Beginn ein kosmischer Schmetterling von Suresh K Nair die Menschen und mich als Fisch begrüßt, da weiß ich dann, die Kreatur ist willkommen. Rosi: Und wie weiter? Paul: Dann heißt es „Every Life has a story“ Ein elfteilige Geschichte. Mensch und Tier. Tiger, Zebra Rosi: Aber keine Fische? Paul: Nein das nicht. Und Du warst nicht enttäuscht? Rosi: Ich freue mich mit den Tigern, die sind vom Aussterben bedroht und Thema einer internationalen Konferenz. Paul: Aber dann gibt es doch Manish Jha. „Feminine Tree“ Rosi: Was ich immer sage. Auf die Frauen ist Verlass. 14 indische Künstlerinnen werden bei Essl ausgestellt. Und Manish hat uns nicht vergessen! Paul: Fische mehrere, ganz fröhliche. Sieh Dir das an. Rosi: Ich finde aber keine Fische, nur die vielfältige Lebenswelt der Frauen. Paul: Wenn ich Deinen Blick lenken darf: Hier sind das nicht fantastische Fische. Rosi: Bist Du sonst noch fündig geworden?Paul: Also der Massage-Tisch von Riyas Komu, dem kann ich einige als Diversitätsbeauftragter abgewinnen. Rosi: Du sprichst in Rätseln. Paul: Also die Umrisse des Menschen, das erinnert doch an unsere Gräten. Rosi: Du kommst auf Ideen. Fast ein Künstler. Macht sich Riyas über den Wohlfühlkult im Westen lustig? Paul: Ist anzunehmen, denn dieser Tisch gleicht einem Sakrophag oder einer Totenbahre. Rosi: Und sonst noch Wasser oder das entsprechendes Getier zu sehen. Paul: Siri Khandavillis „Show me the Green“ ist ein Bezug zu Monets Seerosenteich. Rosi: Keine Seerosen, sondern andere Blüten, also Dollarnoten schwimmen da. Paul: Und Fische sind denkbar, wenn die Tautropfen auch Rupien sein könnten. Rosi: Du hast noch nicht Sonia Mehra Chawla: „The pregnant Seahorse“ erwähnt? Paul: Es gibt doch immer mehr zu finden als Fisch auf den ersten Blick glaubt. Rosi: Von derselben Künstlerin stammt auch noch „Traversing Terrains“: Schmetterlinge aus dem Mund des Mannes. Paul: Wo doch meist nur Frauen Schmetterlinge im Bauch haben. Rosi: Ein versöhnlicher Schluss. Alles ist möglich. Paul: oooooRosi: Was ist das? Paul: Das ist mein Bezug zu Antonio Puri, der hat in seinem Bild „Detached“ zwei Löcher integriert. Und das übernehme ich jetzt: oooRosi: Was soll das bedeuten. Paul: Die Ägypter haben in ihren Sakrophagen immer ein Loch gelassen, damit die Seele Ausgang bekommt. Rosi: Und deswegen hat Puri ein Loch gelassen? Paul: Weil in diesem Bild auch ein Teil seiner Seele drinnen ist, soll sie auch die Möglichkeit haben sich frei zu bewegen. Rosi: Und Deine oooo? Paul: Jeder Dialog ist doch ein Seelen-Dialog zwischen uns. Lass also Deine Seele grüßen von mir: oooo.

 

54. Gespräch 27.11.2010
Paul: Ein Geheimnis möchte ich gerne in die Welt posaunen
Rosi: Ist eine Posaune das richtige Instrument für ein Geheimnis?
Paul: Da hast Du recht: Posaune wird in unserer Volkshochschule (noch) nicht.unterrichtet.
Rosi: Du musst Dich davon verabschieden, dass nur das richtig ist, was es auch in unserer Volkshochschule gibt.
Paul: Wir leben halt nur in einem Aquarium.
Rosi: Aber wir sind ein Teil der Weltmeere.
Paul: Wir grüßen alle unseren Brüder und Schwestern
Rosi: Unser Mitgefühl ist bei den armen Thunfischen und den gejagten Walen.
Paul: Und mein Geheimnis interessiert dich nicht mehr.
Rosi: Also posaune.
Paul: Morgen ist Sonntag.
Rosi: Und das ist ein Geheimnis.
Paul: Nur wenn das Wochenende angekündigt wird auf facebook, dann wissen die Menschen, das es begonnen hat.
Rosi: Morgen ist Sonntag.
Paul: Aber auch am Sonntag kann unsere Volkshochschule besucht werden.
Rosi: Bildung sieben Tage in der Woche.
Paul: Da hatte es Gott schon besser, der hat sich am 7. Tag in die Hängematte gelegt.
Rosi: Das nennt man heute informelles Lernen.

 

53. Gespräch 26.11.2010
Paul: Was machen die Menschen, die hier sitzen?
Rosi: Die nutzen das Service unserer Volkshochschule
Paul: Im Sitzen?
Rosi: Ja auch im Sitzen.
Paul: Und das ist schon ein Service?
Rosi: Wenn du genau schaust, dann sitzen sie mit ihren Computern.
Paul: Haben die zu Hause keine Tische?
Rosi: Sicherlich, aber hier haben Sie WLAN von Freewave
Paul: Was ist denn das wieder?
Rosi: Ein kostenloses Netz.
Paul: Nein bitte kein Netz, mit Netzen fängt man doch Fische. Kannst Du dich nicht mehr erinnern?
Rosi: Wlan ist ein Netz für den Computer.
Paul: Die fangen die Computer mit dem Netz.
Rosi: Die können mit ihren Laptops kostenlos ins Internet einsteigen.
Paul: Und deswegen kommen sie also.
Rosi: Ja und freuen sich über dieses Service.

 

52. Gespräch
Paul: P, P, Pi
Rosi: Stotterst Du?
Paul: P, P, Pi, Pi, Pis
Rosi: Du fürchtest Dich ja wie ein Zitterrochen!
Paul: P, P, Pi, Pi, Pis, Pis,...
Rosi: Hat man Dich in ein Pissoir geworfen?
Paul: Pisa!
Rosi: Jetzt ist es raus.
Paul: Alle fürchten sich, auch die Fische.
Rosi: Wurden wir auch getestet?
Paul: Noch nicht.
Rosi: Glaubst Du wir werden geprüft?
Paul: Uns kann jeder Bürgermeister jeder italienischen Stadt testen.
Rosi: Das hat nichts mit Italien zu tun, das ist der Bildungstest.
Paul: Da wir uns täglich in einer Volkshochschule aufhalten sind wir so gebildet.
Rosi: Und endlich ist das eine Gelegenheit zu sagen, dass die Volkshochschulen schon immer die Reparaturwerkstätte des Bildungsbetriebes waren und sind.
Paul: Volkshochschulen sind eine Werkstätte?
Rosi: Wo können die Menschen sonst einen Bildungsabschluss nachholen?
Paul: Aha, so meinst Du das.
Rosi: Wo können Sie lesen und schreiben lernen, wenn sie es in der Schule nicht gelernt haben.
Paul: Gibt es wirklich noch Analphabeten im 21 Jahrhundert?
Rosi: Wie viele weiß niemand so genau und ich glaube es will niemand so genau wissen.
Paul: ----
Rosi: Was machst Du?
Paul. Ich bin eine schiefe Gerade geschwommen.
Rosi: Dein Tribut an Pisa?
Paul. Pisa ist überall. Wir erwarten die Ergebnisse.

 

51. Gespräch 23.11.2010
Paul: Das mit der Integration verstehe ich nicht.
Rosi: Integration wird jetzt ganz groß geschrieben.
Paul: Was hat das mit uns zu tun?
Rosi: Bei uns in der Volkshochschule ist das eine klare Sache.
Paul: Warum?
Rosi: Immerhin sind zwei MitarbeiterInnen aus Deutschland ganz gut integriert.
Paul: Und das ist eine Leistung?
Rosi: Und da ist noch ein Kollege aus Chile.
Paul: Mehr nicht?
Rosi: Und eine Kollegin aus Mazedonien.
Paul: Kann mich nicht beeindrucken.
Rosi: Und dann gibt es bei uns etwas ganz Besonderes!
Paul: Jetzt bin ich aber gespannt.
Rosi: Ein Anhänger von Austria und ein Anhänger von Rapid arbeiten friedlich zusammen.
Paul: Kannst Du das wiederholen?
Rosi: Und manchmal gehen sie zusammen auf den Fußballplatz, wenn beide Manschaften gegeneinander spielen.
Paul: Wenn das möglich ist, dann verstehe ich jetzt etwas mehr von Integration.

 

50.Gespräch 22.11.2020
Paul: Ich möchte nach La Paloma
Rosi: Abgesehen davon, dass Du erst vor Kurzem in England warst, wird das einfach nicht möglich sein.
Paul: Warum nicht?
Rosi: Weil man dorthin nicht fahren kann.
Paul: Aber das wird doch so oft besungen.
Rosi: Nicht alles was besungen wird kann auch besucht werden.
Paul: Das ist angewandte Philosophie.
Rosi: Nein Spanisch
Paul: Das mit dem Besuchen hast Du doch auf Deutsch gesagt.
Rosi: La Paloma ist Spanisch
Paul: Man merkt einfach, dass Du ein polyglotter Fisch bist.
Rosi: Danke, das treibt mir etwas Röte in die Schuppen.
Paul: Spanisch und weiter?
Rosi: La Paloma heißt die Taube.
Paul: Da haben wirs, schon wieder kein Fisch. Alle Tiere bekommen Lieder und Bilder nur wir nicht.
Rosi: La Paloma ist ein Lied von der Sehnsucht.
Paul: Aber das könnte auch für uns geschrieben werden.
Rosi: Ist es aber nicht.
Paul: Und wenn ich Zieharmonika spielen könnte:
„Einmal muss es vorbei sein/ Einmal holt uns die See/Und das Meer gibt keinen von uns zurück./Seemanns Braut ist die See“
Rosi: Wenn Du nicht der Paul wärst, müsste ich Hans zu Dir sagen.
Paul: Aber im Text ist nichts von einer Taube.
Rosi: Sehnsucht weltweit braucht nicht immer Tauben. Es gibt sogar einen Film zu diesem Lied.
Paul: So viele Bedeutungen hat diese Melodie, Liebeslied, Protestlied, Begräbnismusik.
Rosi: Das könnte auch eine Bildungshymne werden: Denn Wissen ist Freiheit.
Paul: Oder ein Lied für Fische im Aquarium,die sich nach der Weite der Meere sehnen.
Rosi: Und nicht an die Gefahren denken.
Paul: Vielleicht wird dieses Lied für uns gedichtet.
Rosi: Wenn Du willst, dann ist es kein Traum.

 

49. Gespräch 20.11.2010
Paul: Mutabor.
Rosi: Was ist los mit Dir?
Paul: Mutabor. Mutabooor. Merkst du was?
Rosi: Dass Du heute verrückt bist?
Paul: Verändere ich mich? R
Rosi: Du meinst, wenn ich von Deinen Verrücktheiten absehe?
Paul: Nehme ich eine andere Gestalt an?
Rosi: Dir darf man einfach keine Märchen erzählen.
Paul: Manche Kinder träumen dann schlecht.
Rosi: Und manche Fische glauben, Sie können dass, was Kalif Chasid konnte: Sich in eine Tier verwandeln.
Paul: Ich wusste, dass Du sofort weißt, dass es sich um das Märchen von Wilhelm Hauff: Kalif Storch dreht.
Rosi: Aber warum probierst Du das Zauberwort aus?
Paul: Weil sie funktionieren muss.
Rosi: Die Verwandlung?
Paul: Wenn Menschen traurig sind, bedrückt vom Schatten des Burnout verfolgt, dann gehen sie wie Elefanten.
Rosi: Und die Glücklichen?
Paul: Die gehen, als ob sie Schmetterlinge im Bauch hätten.
Rosi: Und wieso glaubst Du, dass die Verwandlung funktionieren muss?
Paul: Ich sehe es täglich in der Volkshochschule.
Rosi: Sagen die alle: Mutabor?
Paul: Ich glaube nicht. Wenn Sie in die Volkshochschule kommen, dann sind sie ganz glücklich.
Rosi: So schön wie ein Märchen.
Paul: Und ich kenne eine tolle Künstlerin, die hat ihr Mosaik „Mutabor“ genannt. Rosi: Wenn ich einen Kalifen kennen würde, der müsste dies sofort kaufen und dieses Mosaik als Rückwand für ein großes Aquarium verwenden.
Paul: Vielleicht werden Märchen wahr.
Rosi: Wie hat Theodor Herzl schon gesagt: Wenn Du willst, dann ist es kein Traum.
Paul: Ist das die Ausstellung im 1. Stock in unserem Haus?
Rosi: Richtig.

 

48. Gespräch 19.11.2010
Paul: Manchmal wird es mir etwas zu eng.
Rosi: You can’t swing a cat in here.
Paul: Katzen scheuen doch das Wasser.
Rosi: Das ist doch nur eine Phrase.
Paul: A fräs wie die Briten zu sagen pflegen.
Rosi: An Deiner Aussprache musst Du noch arbeiten.
Paul: Und was heißt das jetzt mit der am Schanz durch die Luft gewirbelten Katze?
Rosi: Na was glaubst Du?
Paul: Gerechtigkeit für all die armen Goldfische, die von Katzen aus dem Teich und den Gläsern gefischt wurden?
Rosi: This is a phrase if you want to explain that a room is realy to small to dance in it for example.
Paul: So wie die Küche in unserer Volkshochschule?
Rosi: Dafür würde ich diese Phrase nicht verwenden.
Paul: Warum? Kann man dort auch tanzen?
Rosi: Nein, dort werden die BesucherInnen des Café Siesta versorgt und wenn die Kolleginnen mittags dort sitzen hat auch noch jede Menge Gelächter Platz.
Paul: Ich habe einen anderen Raum gefunden für den dieser Satz passt.
Rosi: Sag?
Paul: Das Büro des Direktors ist so angeräumt: You can’t swing a cat in it.
Rosi: Jetzt hast Du es verstanden.

 

47. Gespräch 18.11.2010
Paul: Tannengrün in den Auslagen
Rosi: Tannengrün in der Volkshochschule.
Paul: Ist das alles wegen dieser neuen Koalition?
Rosi: Das kann ich mir doch nicht vorstellen.
Paul: In den Auslagen kündigt sich Weihnachten seit Wochen an
Rosi: Und in der Volkshochschule?
Paul: Da werden Geschenke gesucht.
Rosi: Ist das nicht erst zu Ostern?
Paul: In unserer Volkshochschule nicht, da ersucht die Direktion, Geschenke zu verpacken für die BewohnerInnen in den Geriatriezentren.
Rosi: Und da werden Menschen beschenkt, die die Schenker gar nicht kennen?
Paul: Es geht nur um eine Kleinigkeit, die nett verpackt wird.
Rosi: Und gibt es viele Geschenke?
Paul: Einige hundert Packerl werden jedes Jahr gesammelt und abgegeben.
Rosi: Jedes ein kleines Kunstwerk.
Paul: Wenn das Weihnachten ist, dann freue ich mich auf Weihnachten.

 

46. Gespräch 17.11.2010
Paul: Ich habe nachgedacht.
Rosi: Diesen Tag werde ich im Kalender markieren
Paul: Es gibt kein Besser bei Tieren, Pflanzen und Menschen.
Rosi: Sehr gut.
Paul: Aber gibt es dann eine Wahrheit.
Rosi: Warum fragst Du.
Paul: Weil es ja auch hunderte, tausende verschiedene Sessel gibt, auf denen die Menschen sitzen.
Rosi. Manchmal verblüffst du mich.
Paul: Mit der Wahrheit?
Rosi: Mit Deinen Bemerkungen.  
Paul. Stell Dir vor, wenn ich mehr nachdenken würde.
Rosi: Mir wird ganz heiß bei dem Gedanken.
Paul: Und wir bräuchten keinen Wärmestab im Aquarium.
Rosi: Und das alles wegen ein paar Fragen.
Paul: Wie ist das jetzt mit der Wahrheit.
Rosi: Ich muss nachdenken. Sage dem Verwalter, er soll den Wärmestab ausschalten.
Paul: Ich kann ja nicht sprechen.
Rosi: Dann muss ich langsam denken.

 

45. Gespräch 15.11.2010
Paul: Wau
Rosi: Vergiss nicht, Du bist ein Fisch.
Paul: Wau
Rosi: Du wiederholst Dich.
Paul: Ich bin so stolz, fast wie ein Papageienfisch.
Rosi: Deswegen also die Wiederholungen.
Paul: Wau! Das ist doch was.
Rosi: Du meinst, weil Du der erste Fisch bist, der dem Bundeskanzler ganz nahe war.
Paul: Alles ist gut gegangen. Der Bundeskanzler war in unserer Volkshochschule.
Rosi: Und er hat Dich nicht verschluckt?
Paul: Ich hatte die Aufgabe, eine gute Wasserqualität zu garantieren, wie in Seoul beim G-20 Treffen.
Rosi: Und wie ist es Dir bekommen das Wasser im Glas des Bundeskanzlers?
Paul: Er hatte keinen Durst, aber an mein Glas hat er getippt, mit dem Finger.
Rosi: Er ist ein Tierfreund.
Paul: Und er hat eine tolle Geburtstagsrede gehalten.
Rosi: Das glaubt uns niemand.
Paul: Ich bin aber sicher wir werden Ernst genommen.
Rosi: Und hat es viele Geschenke gegeben?
Paul: Gar keine.
Rosi: Was ist das für ein Geburtstag?
Paul: Das Geburtstagskind hat sich Spenden für den Verein Boje gewünscht.
Rosi: Und was hat er sich noch gewünscht?
Paul: Dass die Menschen nachdenken.
Rosi: Das Motto war ja: „Einsam ist nur, wer nicht denkt“ von Hannah Arendt.
Rosi: Hast Du bemerkt, dass das beherzigt worden ist?
Paul: Einsam war am Ende niemand.
Rosi: Das ist doch ein toller Bildungserfolg eines Vormittags.

 

44. Gespräch 13.11.2010
Paul: Ach, so viel Welt!
Rosi: Du bist einfach nicht belastbar.
Paul: An einem Samstag zerrt die Welt an jeder meiner Schuppen.
Rosi: Aber wir sind doch im sicheren Aquarium.
Paul: Mir genügt, was ich alles mitbekomme.
Rosi: Du bist also froh, dass Du kein Mensch bist? Das ist ja ganz was Neues.
Paul: Wir Fische müssen nicht so viel verstehen, aber die Menschen.
Rosi: Was geht Deiner Meinung über den Fisch- und Menschenhorizont?
Paul: Wie ist das jetzt, wenn die Amerikaner die Geldpresse Tag und Nacht laufen lassen?
Rosi: Ist doch nur Geld!
Paul: Dann die Flüchtlingsströme vor Griechenland.
Rosi: Du bist so sprunghaft wie einer der neuen jungen gelben Fische.
Paul: In Griechenland wurden manche Landstriche vermint zur Sicherung wie man das nennt gegen die Flüchtlinge.
Rosi: Manche werden nackt auf Felseninseln ausgesetzt.
Paul: Und das sind nur zwei Minuten Nachrichten für Menschen am Freitag Abend.
Rosi: Ich versteh Dich.
Paul: Morgen steht unter dem Motto: „Einsam ist nur, wer nicht denkt.“
Rosi: Ohne das dialogische Prinzip würden wir nicht überleben.
Paul: Das Zitat von Hannah Arendt ist doch ein ungewöhnliches Motto für eine Geburtstagsfeier.
Rosi: Du sagst es: „Totalitäre Herrschaft konnte nur unter den Menschen einer bereits sozial atomisierten Moderne entstehen, welche ihren common sense bereits verloren hatten.“
Paul: Ach, so viel Welt. Ein bisserl Eremit, das wäre doch was.
Rosi: Versteck Dich hinter der braunen Wurzel, du brauchst ja nicht sprechen. Du bist doch ein Fisch.
Paul: Ich habe Angst nachzudenken, dann bin ich plötzlich nicht mehr alleine.
Rosi: Im Wienerischen sagt man über jemand der etwas „ver-rückt“ ist: Der ist nicht alleine.
Paul: Ich glaube wir befinden uns in philosophischen Untiefen.
Rosi: Ach, so viel Welt.
Paul: Jetzt fängst Du damit an?
Rosi: Ein bisserl über was anderes nachdenken belebt die Sinne.
Paul: Wir müssen ja nicht gleich ein Denktagebuch wie Hannah Arendt führen.
Rosi: Morgen feiern wir Geburtstag und heißen alle willkommen, die zum Fest für Gerhard Schmid in die Volkshochschule kommen.

 

43. Gespräch 12.11.2010
Paul: Ich bin so klug. Warum eigentlich?
Rosi: Ist mir bislang noch nicht aufgefallen, aber vielleicht liegt es daran, weil unser Aquarium in einer Volkshochschule steht?
Paul: Und weil das Aquarium neben dem Büchertisch steht.
Rosi: Und? Gib mir eine Luftblase deiner Weisheit.
Paul: „Durch weniger Sex intelligentere und gesündere Kinder.“
Rosi: Ist die Sauerstoffpumpe ausgefallen. Hast du sonst noch Beschwerden?
Paul: Das ist ein Buchtitel. Erschienen ist das Werk im Jahr 1990.
Rosi: Kann es doch nicht geben?
Paul: Ich habe es Orange auf Weiß, so lautet der Titel.
Rosi: Ist noch etwas Luft über?
Paul: Meine Kiemen funktionieren so gut wie meine Augen: „Die Hauptursache jeder wesentlichen Gesundheitsbeeinträchtigung einschließlich Säuglingssterblichkeit und Abortusabgänge, Selbstmordanfälligkeit und Irrheit, Krebs und Herzinfarkt, sowie geistige und körperliche Behinderung stammen daher, dass die Eltern zur Zeit der Zeugung des Betroffenen wesentlich zu viel sexuell ausgelebt waren.“
Rosi: Unglaublich.
Paul: Aber wahr. Das Buch hat unser Direktor eingezogen. Das kommt in den Giftschrank.
Rosi: Gut gemacht.
Paul: Aber klug bin ich schon. So viele Bücher bei uns. Und Lachen fördert die Intelligenz.
Rosi: Jetzt habe ich die Antwort auf Deine Frage am Beginn.
Paul: Weil ich lachen kann, bin ich so intelligent.
Rosi: Aber in Lach-Yoga warst Du noch nicht?
Paul: Gibt es das jetzt für Fische auch?

 

42. Gespräch 11.11.2010
Paul: Ich bin schon wieder geflüchtet.
Rosi: Sonderbare Flucht, wenn Du heute wieder da bist.
Paul: Es gibt eine Flucht in die Erschöpfung
Rosi: und?
Paul: eine Flucht in die Kunst.
Rosi: Ich seh‘ es an deinem Blick: der Fluchtpunkt war eine Frau.
Paul: Und was für welche, selbst durch das transportable Plastiksackerl ein Erlebnis.
Rosi: Ach Paul, wo warst Du?
Paul: Ich habe die Bilder sprechen gesehen.
Rosi: Nein, sag nicht dass Du bei „Ganymed Boarding“ im Kunsthistorischen Museum warst.
Paul: Diese nackten Frauen.
Rosi: Jeden Freitag ist auch Akt-Kurs in der Volkshochschule.
Paul: Aber dort haben die Bilder gesprochen.
Rosi: Was hat Dir am Besten gefallen.
Paul: Ein Peter Paul Rubens Gemälde.
Rosi: Und das hat gesprochen?
Paul: Die Schauspielerin Vivien Löschner stand nackt mitten unter den Bildern und hat die Menschen aufgefordert sie genau zu betrachten, genau, denn Kunst verlangt Hingabe und Genauigkeit, sagt der Autor Thomas Glavinic.
Rosi: Ein unglaubliches Spiel.
Paul: Und Susanne im Bade, da hat der alte Mann, der sie heimlich beobachtet, berichtet über sein Leid, das unsere Freude ist.
Rosi: Du bist ja fast nicht zu stoppen in Deiner Begeisterung.
Paul: Die Direktorin Sabine Haag wird sich über mein Lob freuen.
Rosi: Vielleicht dürfen wir als Fische regelmäßig von unserer Flucht berichten.
Paul: Von unserer Flucht in die Kunst.
Rosi: Es könnte sein, wenn erst unser Bericht über den Besuch in der Tate modern in London erscheint, dann werden wir vom Aquarium weg engagiert.
Paul: Aber es darf immer nur eine kurze Flucht sein, denn am Freitag ist Akt-Kurs in der Volkshochschule.
Rosi: Rubens lebt.
Paul: Und ich werde nochmals über diese Flucht berichten müssen.
 

41. Gespräch 10.11.2010
Paul: Ich weiß nicht ob ich das will?
Rosi: Was ist schon wieder mit Dir?
Paul: Ein Polizist will ich nicht werden.
Rosi: Glaubst Du, die Regierung kommt auch auf die Idee wie Verantwortlichen für den G-20-Gipfel in Seoul?
Paul: Ich werde den Bundeskanzler fragen?
Rosi: Und jetzt glauben alle, dass das ein Scherz ist.
Paul: Vielleicht kommt er einmal in die Volkshochschule
Rosi: Das könnte dann unser erster Einsatz sein.
Paul: Ob er so geschickt ist.
Rosi: Du weißt wir sollen ganz lieb sein.
Paul: Ich habe nur eine Frage gestellt, es ist für uns eine Frage über Leben und Tod.
Rosi: Du meinst weil wir das Wasserglas des Bundeskanzlers testen werden?
Paul: Bei jeder Tagung gibt es Wasser und wenn wir im Glas munter schwimmen, dann kann es getrunken werden.
Rosi: Und das erfordert Geschick?
Paul: Bis jetzt sind PolitikerInnen nicht gewohnt, aus Wassergläsern mit Fischen zu trinken ohne die Fische zu verschlucken.
Rosi: Sei vorsichtig bitte, es kommt auf jede Luftblase an.
Paul: Da würde mir jetzt viel dazu einfallen.
Rosi: Bemüh dich nicht, mach keine Wellen, bitte.
Paul: Gut. Und hast Du Dich entschieden?
Rosi: Ich weiß nicht, was mir lieber ist.
Paul: Als Goldfisch im Klo in Seoul zu schwimmen oder…
Rosi: …im Wasserglas des Bundeskanzlers.
Paul: Wenn wir nicht geschluckt werden, dann werden wir der Öffentlichkeit berichten.
Rosi: Ich sehe schon die Schlagzeile im Kurier, im Standard und im ORF.
Paul: Rosi & Paul sorgen für die Gesundheit des Bundeskanzlers.
Rosi: Ich freu mich auf das erste Foto mit dem Bundeskanzler.
Paul: Glaubst Du er macht das?
Rosi: Wenn er uns nicht verschluckt hat sicherlich.

 

40. Gespräch 9.11.2010
Paul: Die Tierpädagogik macht heute Pause
Rosi: Kein Artikel im Kurier heute mit und über Tiere?
Paul: Für fast alles gibt es heute eine Pädagogik.
Rosi: Was außer Tiere könnte noch ungewöhnlicher sein?
Paul: Friedhofspädagogik!
Rosi: Da muss ich mir fast eine Welle lachen.
Paul: Unser Direktor ist ein Vertreter der Friedhofspädagogik und hat vor einem internationalen Publikum gesprochen.
Rosi: Totengräber?
Paul: Friedhöfe sind die Häuser des Lebens.
Rosi: Man merkt es ist November und der Nebel wird dicker.
Paul: Häuser des Lebens: So heißt es im Hebräischen für Friedhof.
Rosi: Und diese Pädagogen lernen den Menschen nicht das Sterben?
Paul: Nein natürlich nicht, nur, wie die Friedhöfe als Teil der Geschichte gesehen werden können.
Rosi: Auf Friedhöfen kann Geschichte gelesen werden.
Paul: Auf jüdischen Friedhöfen auf alle Fälle, aber nicht nur dort.
Rosi: Und was haben diese Pädagogen gesagt?
Paul: Einer der Teilnehmer, ein Pastor aus Deutschland hat gemeint, es gehe nicht um die Geschichte, sondern um die Auferstehung.
Rosi: Pfu das ist ja harter Tobak wie ein Koralle.
Paul: Warum liegen die Toten auf dem Acker Gottes?
Rosi: Weil sie auf die Auferstehung warten, hat er gemeint.
Paul: Komisch, aber nur die jüdischen Friedhöfe sind für die Ewigkeit gedacht
Rosi: Und die anderen Toten ohne Friedhöfe, die auf christlichen Friedhöfen liegen, die aufgelassen wurden?
Paul: Das wird mir jetzt einfach zu viel.
Rosi. Aber es gab ein Konzil, da haben die Bischöfe gestritten, wie viele Engel auf einer Nadelspitze Platz haben.

 

39. Gespräch 8.11.2010
Paul: Sind alle Künstlerinnen und Künstler auch Tierfreunde?
Rosi: Hast Du wieder Schopenhauer gelesen?
Paul: Nein, das zeigt die Erfahrung der letzten Tage.
Rosi: Ich weiß, schon: Wieder ein Ausflug im Plastiksackerl.
Paul: Ja diesmal Karlsplatz: Wien Museum
Rosi: Ernst Jandl, das soll kein Fisch und kein Mensch versäumen.
Paul: Wir Fische haben es nicht so mit der Sprache, aber die von Jandl
Rosi: ooo1xig
Paul: Und Du glaubst das verstehen die Menschen, die nicht in der Ausstellung waren?
Rosi: Alles sind jetzt Tierfreunde und verstehen die Tiere.
Paul: Heute schon wieder eine Geschichte über Tierflüsterer im „Kurier“.
Rosi: Fast auf jeder Seite sind Tiere im Mittelpunkt?
Paul: Etwas übertrieben, aber Titelseite: Hundecoach.
Rosi: Ja, selbst das Höchstgericht beschäftigt sich mit unseren Freunden: Urteil schützt Hummer.
Paul: In der Chronik wird ein Tiermörder gesucht.
Rosi: Und das Martinigansl liegt auf Seit 23.
Paul: Im Horoskop haben wir auch die Mehrheit
Rosi: Menschenliebe ist nicht so gefragt.
Paul: Für alle die ooo1xig nicht verstehen = Einmalig!
Rosi: ooo1xig dieser Ernst Jandl.
Paul: Und er war ein Freund der Tiere.
Rosi: Darf ich zitieren aus: 183 fahnen für rottweil, Entwurf 1974.
Paul: Bitte den Abschnitt mit dem Frosch.
Rosi: … eine froschfahne/eine fischfahne/eine mischfahne/eine milchfahne/eine gießkannenfahne/eine ost-west-fahne/eine der-rest –ist-schweigen-fahne/eine herzeig-fahne/eine raus-famit-fahne/eine kanalfahne.
Paul: Es gebe noch viel zu zitieren, aber Mensch & Fisch sollen sich die Ausstellung selbst ansehen.
Rosi: Nur eines noch. Friederike Mayröcker, die die Lebenspartnerin von Jandl war und nach seinem Tod berührende Gedicht auf diese Liebe schreibt, sie ist auch eine Tierfreundin.
Paul: gar traurig geht das hundelvieh/auf einer zeh und einem kie/verloren leckt das hundelvieh/am roten fleck der masturbie/zerbrechlich ist das hundelvieh/drum wirf es aus dem fenster nie.

 

38. Gespräch 6.11.2010
Paul: Rosi, Rosi Neuigkeiten
Rosi: Vor lauter Begeisterung wirst Du ja zum Delphin.
Paul: Wanda kommt
Rosi: Ein Delphin wäre mir lieber.
Paul: Wanda ist doch bekannt unter uns Fischen.
Rosi: Aber die wurde doch geschluckt.
Paul: Wanda lebt, ich habe es von den Lippen gelesen.
Rosi: Ständig schwärmst Du von anderen Frauen und Männern wenn sie Künstler sind. Bei Dir braucht eine Frau ein Selbstbewusstsein wie ein Wal um sich nicht winzig und unwichtig vorzukommen.
Paul. Aber wenn doch Wanda kommt, sei nicht so kleinlich. Im Café Siesta haben sich vier Menschen über Wanda unterhalten.
Rosi: Was sprachen sie.
Paul: Einen Tag und eine Nacht Wasser und das zwei Mal pro Woche.
Rosi: Sonderbar für einen Fisch? Und was noch?
Paul: Und ein Glas ist vonnöten, ein durchsichtiges, kein Plastik und gesprenkelt sind sie.
Rosi: Eigenartig und hast Du noch etwas von den Lippen gelesen?
Paul: Wenn die Bedingungen nicht stimmen, dann gibt es einen langsamen Tod. Die eine Frau hat schon fünf Leichen, fünf Wandas auf dem Gewissen.
Rosi: Und sie probiert es weiter?
Paul: Ja und Wanda kommt. Sie ist ganz nah.
Rosi: Ich muss Dich enttäuschen. Vanda ist eine Gattung aus der Familie der Orchideen  Es handelt sich um epiphytisch wachsende Pflanzen, ihr Verbreitungsgebiet liegt in Südostasien.
Paul: Ephi??was?
Rosi: Epiphytisch sind sogenannte Aufsitzerpflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen.
Paul: Bis morgen ist Vanda noch in unserer Volkshochschule. Orchideenschau in der VHS Hietzing.
Rosi: Sei nicht traurig, im nächsten Jahr kommt Vanda wieder und Wanda zeige ich Dir im Film.

 

28. Gespräch 21.10.2010
Rosi: Paul:.
Paul: Warum flüsterst Du?
Rosi: Wer flüstert lebt länger!
Paul: Ist das medizinisch erwiesen.
Rosi: Das zeigt die Geschichte, flüstern und Stromlinienförmigkeit garantieren ein langes Leben.
Rosi: Aber wir sind doch ganz stromlinienförmig.
Paul: Aber leider zu laut.
Rosi: Manche meinen vorlaut.
Paul: Ich flüstere Dir ein Geheimnis.
Rosi: Flüstere.
Paul: Gestern wurde die Spurensuche des Volkshochschularchivs über Friedrich Heer präsentiert.
Rosi: War das ein Fisch?
Paul: Ein vorlauter Intellektueller.
Rosi: Der wird nicht alt geworden sein.
Paul: Alt schon aber er wurde nie Professor, er hat einfach zu viel angeeckt und hat nicht in die Schablone gepasst.
Rosi: Die Karrierechancen für Fische sind naturgemäß beschränkt.
Paul: Man könnte uns nur das Wasser ablassen.
Rosi: Dann suchen wir uns ein anderes Aquarium.

 

27. Gespräch 20.10.2010
Paul: Lass uns das Brot ungeteilt essen
Rosi: …und alle Schäfchen sollen zu mir kommen? Ich glaube da stimmt was nicht.
Paul: Alles stimmt, ich habe das Brot gesehen mein Direktor hat mir einen Leib mitgebracht!
Rosi: In der Kirche lautet der Spruch jedoch anders.
Paul: Nicht jedoch in Kärnten.
Rosi: Gib mir ein wenig mehr als einen Brotkrumen, damit ich Dir folgen kann - auch als Fisch.
Paul: Aus Anlass von 90 Jahren Volksabstimmung gibt es ein Abstimmungsbrot einer Kärntner Bäckereikette jetzt um 90 Cent.
Rosi: Und wer das Brot teilt, der ist dann ein Verräter?
Paul: ???
Rosi: Kärnten ungeteilt = Brot ungeteilt.  Der Hunger wird bleiben.
Paul: Ungeteilt lass uns das Brot essen
Rosi: Das ist doch unmöglich.
Paul: Da hast Du recht.
Rosi: Aber das zählt in diesem Land nicht.
Paul: Aber wir zahlen doch viel für dieses Kärnten.
Rosi: Ich habe Dir recht gegeben und nur gemeint, dass das Recht in Kärnten nicht zählt.
Paul: Aha: Wer einen Leib Brot essen will muss ihn aufteilen, nur das Recht muss ungeteilt Geltung haben.
Rosi: Als Fisch hast Du leider keine Ahnung von Politik.


26. Gespräch 19.10.2010

Paul: Unser Aquarium wird bald das Zentrum der Weltmeere sein.
Rosi: Kein Alkohol in unserem Wasser, keine Drogen, alles normal, nur Paul ist es nicht.
Paul: Wir werden den Ton angeben und alles kontrollieren.
Rosi: … aber die Weltmeere, die sind doch salzig und wir schwimmen im Süßwasser.
Paul: Macht nichts, wir können das, wir sind flexibel
Rosi: Aber wir sind doch nur ein kleines Aquarium in einer Volkshochschule.
Paul: Wir werden für die Ausbildung der Fische sorgen.
Rosi: Aber wir kennen uns doch nicht so genau aus.
Paul: Wir wissen alles, wir sind die Besten.
Rosi: Aber dann bilden wir im Aquarium die Fische für die Südsee aus?
Paul: Wir sind ein Zentrum und neun Zentren das ist schon die halbe Welt.
Rosi: Ich sage Landeshauptmann zu Dir.
Paul: Wir müssen nichts erklären wir sind doch föderal
Rosi: Ich habe das System nicht verstanden und kann mich nur wundern.
Paul: Über die Menschen?
Rosi: Dass Fische nicht so klug sind, aber Menschen sollten doch erkennen, wie dumm so eine Konstruktion ist.
Paul: Südwasser oder Salzwasser, wir sind wir und wir kaufen hier.
Rosi: Das ist der Slogan im Einkaufszentrum  in der Großfeldsiedlung, könnte aber vom Pressesprecher eines föderalen Bildungs-Landeshauptmannes sein.

 

25. Gespräch 18.10.2010
Paul: 1, 2, 3, 4
Rosi: Übst Du? Warst Du im Entenland: Mathematik für Kleinkinder?
Paul: Ich bin ein Soziologe auf Feldforschung.
Rosi: Und die zählen?
Paul: Fast jede Dritte, jeder Dritte hat bei den letzten Wahlen für Hass und Vorurteil gestimmt.
Rosi: Und jetzt willst Du wissen wer das ist?
Paul: Ja. Alle gehen hier vorbei.
Rosi: Aber bei uns doch nicht.
Paul: Ich habe zwei Kursleiterinnen belauscht. Fragt die eine: Hast Du über das Wahlergebnis gesprochen? Sagt die andere: Ich habe die Diskussion abgebrochen. Man glaubt Menschen zu kennen und dann plötzlich vertreten sie Standpunkte, die Angst machen.
Rosi: Ja. Endlich ist einer da, der die Wahrheit sagt. Ein Retter und so, ich habe es auch gehört.
Paul: Als wäre ein Damm gebrochen.
Rosi: Wie Du immer die Zeitereignisse berücksichtigst.
Paul: Dieser Giftschlamm ist leider nicht ungarisch, sondern international.

24.Gespräch 17.10.2010
Paul: Scheidungen sind immer traurig.
Rosi: Willst Du in ein anderes Aquarium wechseln?
Paul: Nein, ich war auch nicht bei der Familienberatung in unserer Volkshochschule.
Rosi: Warum dann diese Einsicht?
Paul: Ich habe jemand durch das Glas zugehört, der im Kino war.
Rosi: Ich weiß alles.
Paul: „Eat, Pray and Love“ mit Julia Roberts.
Rosi: Ich und die Meerjungfrau sind Dir also nicht genug?
Paul: Ist doch nur Kunst für uns?
Rosi: Für uns?
Paul: So viel Tränen füllen mehr als ein Aquarium.
Rosi: Eine Frau sucht ihre Balance und muss dafür gleich drei Länder bereisen.
Paul: Und Amerika steckt arg in der Krise, da hilft keine Meditation.
Rosi: Aber sie weint himmlisch schön.
Paul: Ach Paul, du vergisst alles, wenn Du wirkliche Rehaugen.
Rosi: Ich dachte wir kommen ein Mal ohne Innenministerin aus.
Paul: Du siehst: Politische Bildung ist unser Unterrichtsprinzip.

 

23. Gespräch 16.10.2010
Rosi: Warum machst Du Dein Maul so weit auf? Bekommst du zu wenig Sauerstoff?
Paul: Ich übe!
Rosi: Den fürchterlich lautlosen Schrei?
Paul: Ich will der weiße Hai werden.
Rosi: Und wen jagen und erschrecken?
Paul: Es gibt so viele, da würde ich mir wünschen, dass sie so große Angst bekommen, dass Sie nur mit Gänsehaut duschen.
Rosi: Wen willst Du Angst machen.?
Paul: Es gibt ÖVP Politiker,denen zu den Abschiebungen nur einfällt: Damit wurde ich nicht befasst, dazu kann ich nichts sagen.
Rosi: Nicht zu vergessen die SPÖler die meinen ein bisserl unmenschlich war es schon.
Paul: Und wer eine humane Abschiebung fordert, den will ich auch meine Zähne zeigen.
Rosi: Du meinst Wega-Polizisten als Rote Nasen Aktivisten verkleidet. Lachend abgeschoben.
Paul: Ja. Rote Nasen für die Wega.
Rosi: Das ist nicht lustig.
Paul: Aber den Meister von Vorurteil und Hass, der sollte ohne Gänsehaut im Whirlpool sitzen, den sollten Piranhas die Zehen küssen.
Rosi: Proskynese nennt man das.
Paul: Die große Unterwerfung mit Fußkuss ist keine Sache von Piranhas, das betreiben die genannten Parteien.
Rosi: Ich bin froh, dass du unser Aquarium nicht verlassen kannst.

 

22. Gespräch
Paul: Mitzi schäm Dich.
Rosi: Haben wir einen neuen Fisch, der Dich geärgert hat?
Paul: Nein der Direktor ärgert sich
Rosi: Was war der Anlass für diesen beobachteten Ärger?
Paul: Der Direktor hat die Innenministerin auf den Stufen getroffen.
Rosi: In der Volkshochschule?
Paul: Nein in der U-Bahn.
Rosi:  Gottseidank, ich dachte schon es wird jemand human abgeschoben. Ist das ein Grund zum Ärgern.
Paul: Im Allgemeinen nicht, im Besonderen schon.
Rosi: Und das ist alles?
Paul: Nein der Direktor ärgert sich, weil er nichts gesagt hat.
Rosi: Ich bin beruhigt er hat nur was sagen wollen und es nicht getan, ich dachte schon an einen Schienbeintritt wie damals gegen Ioan Holländer.
Paul: Ich muss richtigstellen, es war nur ein vorgestellter Schienbeintritt, weil er sich manchmal als Macho aufgeführt hat. Nein der Direktor der Volkshochschule hat Manieren.
Rosi: Gut, aber was hätte er sagen wollen?
Paul: Ganz ruhig und gefasst hätte er sagen wollen: Mitzi schäm Dich.
Rosi: Er hats nicht gesagt, aber ob er das schreiben darf?
Paul: Wir werden sehen.

 

21. Gespräch
Paul: !!!!
Rosi: Was ist los mit Dir?
Paul: !!!!ooo----
Rosi: Hast Du zu viel Ernst Jandl gelesen?
Paul: Heute ist der Tag danach.
Rosi: Und da genügen Rufzeichen.
Paul. Am Tag danach kann niemand so weiter tun wie bisher
Rosi: Was meinst Du?
Paul: Der Tag nach der Befreiung.
Rosi: Du hast gesehen wie sich die Chilenen sich gefreut haben?
Paul: Was hast Du denn gedacht? Mit diesem Befreiungsteam ist alles möglich hat der Präsident gemeint.
Rosi: Selbst vor dem Jüngsten Gericht brauchen wir uns jetzt nicht mehr fürchten.
Paul: Schade dass das Befreiungsteam nur in Chile arbeitet und 33 Bergarbeiter befreit hat.
Rosi: Willst Du befreit werden?
Paul: Nein, aber ich wünsche mir eine Befreiung von Dummheit, von Hetzern und von den Kleingeistern.
Rosi: Ob das in den Leitlinien für das Befreiungsteam steht?
Paul: Das Camp der Hoffnung wird heute geschlossen
Rosi: Aber nur das in Chile. 

 

Der 20. Dialog hat nie stattgefunden.
Nachfragen warum sind bis auf weiteres nicht gestattet. 

 

19. Gespräch, 12.10.2010
Paul: Ich bin so was von wütend?
Rosi: Ich dachte Du bist froh, dass Du ein stummer Fisch bist?
Paul: Ich bin stumm wütend.
Rosi: Was treibt Dir die Zornesröte in die Schwanzflosse?
Paul: Wir Fische haben keine Demokratie, es regiert der Stärkere oder der Ältere oder gar niemand
Rosi: Du willst auch bei uns im Aquarium Wahlen einführen?
Paul: Wahlen sind doch nicht so schlecht, oder?
Rosi: Auch bei den Menschen gibt es Wahlen gar nicht so lange. Durch Wahlen werden Menschen bestimmt die dann Dinge für die Allgemeinheit regeln.
Paul: Menschen sind gestorben für das Recht zu wählen.
Rosi: Und deswegen bist Du wütend?
Paul: Nein, aber da gibt es diese Möglichkeit und dann gehen Menschen einfach nicht zur Wahl.
Rosi: Warum nicht?
Paul: Weil es sie nicht interessiert, weil sie sich nicht informieren wollen, weil sie sich ausschlafen wollen. Und stell dir vor, die haben dann dieselben Rechte wie die anderen?
Rosi: Aber mit Deiner Wut bringst Du sie auch nicht dazu beim nächsten Mal zu wählen.
Paul: Aber ich ärgere mich so und würde am liebsten…
Rosi: Ich bin froh, dass Du ein stummer Fisch bist.

18. Gespräch
Rosi: Wie geht es Deiner Depression?
Paul: Als Fisch haben wir heute einen Vorteil: Wir sind stumm.
Rosi: Und sonst?
Paul: Ich sehe nichts. Ein Drittel des Aquariums ist aufgewühlt und das trübt den Blick.
Rosi: Komische Mischung für diese Trübung.
Paul: Angst, Hetze, Dummheit.
Rosi: Das kann nicht alles sein. Manches ist doch auch schön geredet worden.
Paul: Aber Wien ist doch schön.
Rosi: Eines hat sich aber wieder bestätigt.
Paul: Was?
Rosi: Für Frauen sind blaue Augen alleine nicht ausschlaggebend. Frauen sind etwas klüger als Männer.
Paul: Und die Jungen spielen doch nicht so gerne mit Steinschleudern.
Rosi: Hoffentlich dürfen wir bleiben.
Paul: Warum? Weil wir nur Odessa Barben sind?
Rosi: In Aquarien dürfen vielleicht bald nur mehr inländische Fische schwimmen.
Paul: Karpfen und Forellen sind aber nicht so bunt wie wir.
Rosi: Das wird das Ende der Aquaristik sein.
Paul: Heute bleibe ich lieber hinter der Wurzel, doch vorher muss ich noch der Meerjungfrau guten Morgen sagen.

17. Gespräch
Paul: Draußen scheint die Sonne aber duster sind meine Gedanken
Rosi: Was ist mit Dir?
Paul: Ich spüre etwas?
Rosi: Grippe und Verkühlung können Fische nicht bekommen.
Paul: Eine leichte depressive Stimmung.
Rosi: Du bist aber einfach zu früh dran?
Paul: Du meinst, weil am  10. Oktober… also Rosi, das hätte ich nicht von Dir gedacht.
Rosi: Ja, am 10. Oktober wäre deine Stimmungslage angebracht.
Paul: So schlimm wird es.
Rosi: Das ist der Tag dafür!
Paul: Für eine Depression?
Rosi: Am 10. Oktober ist der Welttag der geistigen Gesundheit.
Paul: Da bin ich gleich ganz beruhigt. Du hast nicht die Wien-Wahl gemeint.
Rosi: Nein. Hoffen wir, dass die WählerInnen und Wähler sich dem 10. Oktober würdig erweisen.
Paul: Du meinst, der dumpfe Morast soll am Boden des Aquariums bleiben, dort ist er wichtig für das Mikroklima. 

 

16. Gespräch, 8.10.2010
Paul: Philo muss weg?
Rosi: Was heißt weg?
Paul: Wird abgeschoben.
Rosi: Philo ist doch gerade erst ein Jahr alt.
Paul: Kein Erbarmen, kein Platz bei uns.
Rosi: Dass Philo neben einer kleinen deutschen Eiche gestellt wurde mit Blick auf eine Buche hat nichts genützt.
Paul: Sie kann Deutsch besser als mancher blaue Ritter, aber bei uns ist kein Platz hier.
Rosi: Zeiten sind das. Unmenschlich.
Paul: Müsste in dem Fall: Unpflanzlich heißen.
Rosi: Ist Philo denn kein Mädchen?
Paul: Eine Pflanze. Der Philodendron kommt ursprünglich aus den Regenwäldern von Mexiko oder Mittelamerika.
Rosi: Und in der Volkshochschule ist kein Platz mehr für Philo.
Paul. Ja, Philo muss weg und wenn sie/ihn keiner mitnimmt, dann wird er abgeschoben.
Rosi: ... oder vielleicht sogar in den Mistkübel geworfen.
Paul: Traurige Zeiten.

 

15. Gespräch
Paul: Können auch Volkshochschulen einen Nobelpreis bekommen?
Rosi: Ist bislang noch nicht vorgekommen. In welchem Bereich?
Paul: Biologische Diversitäts Dynamik
Rosi: Was ist das?
Paul: Seit rund zehn Jahren wird in unserer Volkshochschule mit Orchideen experimentiert.
Rosi: Wie ist die Versuchsanordnung?
Paul: Blühen Orchideen auch dann, wenn sie wie Sumpfpflanzen behandelt werden.
Rosi: Und das Zwischenergebnis?
Paul: Überraschend.
Rosi: Sie blühen?
Paul: Einige schaffen die Umstellung.
Rosi: Fein, dann können wir uns vielleicht über neue Wasserpflanzen in unserem Aquarium freuen.
Paul: Ein Nobelpreis ist uns fast sicher, oder?

 

14. Gespräch
Paul: Ich bin nervös
Rosi: Ist das die Nähe zur Meerjungfrau?
Paul: Nein die Nobelpreisträger werden diese Woche bekannt gegeben
Rosi: Und das hat etwas mit Dir zu tun?
Paul: dieses Jahr noch nicht, aber wer weiß?
Rosi: Wofür sollst Du einen Nobelpreis bekommen?
Paul: Für Physik
Rosi: Welches Rätsel hast du gelöst?
Paul: Ich habe das Geheimnis des lachenden Schattens mit Schnurrbart entschlüsselt?
Rosi: Wo tritt das auf?
Paul: Bei uns im Foyer. Dieser Schatten ist schnell und freundlich, unglaublich.
Rosi: Und wie heißt die Formel für dieses Rätsel?
Paul: Keine Formel, aber ein Name.
Rosi: Und?
Paul: Ich soll keine Namen und Firmen nennen in meinen Gesprächen.
Rosi: Ich bin sicher jeder in unserer Volkshochschule weiß, wie dieser Hausarbeiter heißt.
Paul: Ob das Nobelpreiskomitee das auch weiß.
Rosi: Paul, ich glaube Du wirst den Nobelpreis nicht bekommen. Denn das Rätsel zu entschlüsseln, das ist zu einfach.
Paul: Schade, jetzt ist er wieder mit seinem Raumplan vorbeigeflitzt, der lachende Schatten.

13. Gespräch
Paul: Ich habe eine Identitätskrise
Rosi: Hat man auf Dich geschossen?
Paul: Nein, obwohl ich eine Odessa Barbe bin.
Rosi: Was dann?
Paul: Sind wir in einem Baumarkt.
Rosi: Ich verstehe Bahnhof.
Paul: Den ganzen Tag höre ich nur: Balken oder Häferl?
Rosi: Eigenartig.
Paul: Werden hier Balken und Häferl verkauft?
Rosi: Nein wir sind in einer Volkshochschule.
Paul: Wenn die Frauen im Service ganz traurige Augen bekommen, dann greifen sie zum Telefon.
Rosi: Und rufen einen Baumarkt an?
Paul: Weiß nicht, aber die Stimme fragt dann nur: Balken oder Häferl?
Rosi: Ach so, das ist kein Baumarkt, sondern ein EDV System und wenn das System steht fragt der Techniker immer nur: Was sehen sie: Balken oder Häferl.
Paul: Ich bin beruhigt, in manchen Baumärkten bekommen die KundInnen Ohrfeigen in der Werbung. Da würde ich mich nicht so wohl fühlen wie in meiner Volkshochschule.

 

12. Gespräch
Paul: Ich bin froh, dass Du kein Kopftuch trägst?
Rosi: Fische tragen auch keinen Schleier.
Paul: Trotzdem bin ich froh.
Rosi: Ach Paul, Du gehörst jetzt auch zu denen?
...Paul: Zu wem?
Rosi: Zu denen, die glauben machen, die Welt wäre ohne Kopftuch besser, gerechter: einfach gut also.
Paul: Hast Du gewusst, dass mehr Menschen durch ihre Männer zu Tode kommen, gequält werden, als durch Krankheiten und Naturkatastrophen?
Rosi: Du hast Alice Schwarzer gelesen?
Paul: Kluger Fisch Du.
Rosi: Am Samstag habe ich richtig Angst bekommen, in den Niederlanden ist dieser Geert Wilders in den Niederlande in der Regierung, die Christlich-sozialen haben ihn akzeptiert.
Paul: Schon komisch, die Konservativen, wollten Jahrzehnte die Frauen hinter dem Herd und bei den Kindern sehen. Und das Kopftuch signalisiert auch eine Form der Beschränkung und Unterordnung. Da müssten doch alle Konservativen glücklich sein über die Muslime.
Rosi. Du bist manchmal fast ein Feminist.

 

11. Gespräch
Paul: Es wird wohl eine Revolution geben und die Erschütterung wird auch unser Aquarium erfassen!
Rosi: Bist Du unter die Propheten gegangen. Fische durften Predigern zuhören, aber selbst weissagen, das hat es noch nicht gegeben.
Paul: Aber ich fühle das in der Schwanzflosse.
Rosi: Warum?
Paul: Weil ich Zeitung gelesen habe. Ein Bankmanager einer ehemals Österreichischen Bank bekommt 40 Millionen Euro Abfindung. 
Rosi: Heißt diese Bank so wie unser Bildungssystem bald aussehen könnte?
Paul: Nix verstehen.
Rosi: Uni credit. Uni nur mit Kredit. Capischi?
Paul: Klar, ich bin ein Fisch, aber nicht blöd.
Rosi: Und die Revolution?
Paul: Ich könnte mir vorstellen, dass eine Zeit kommt, dass die Arbeitslosen und Obdachlosen einfach vor der Wohnung dieses Managers aufkreuzen und ihm Guten Tag sagen.
Rosi: Ich in froh, dass Du nur ein Fisch bist und nicht predigen kannst.
Paul: Das würde Wellen geben.
Rosi: Aber dann dürfen Sie auch gleich bei den Fußballern und den Opernstars auch vorbeischauen und auch dort anklopfen.
Paul: Das werde ich mir überlegen für meine erste Fischpredigt.

 

10. Gespräch
Paul: Ich habe eine Flaschenpost bekommen
Rosi: Was steht drinnen?
Paul: Wir sind abgeschnitten polyc...
Rosi: Wird wohl das polycollege sein?
Paul: Ist das eine Insel?
Rosi: Nein, eine Volkshochschule im 5. Wiener Gemeindebezirk
Paul: Warum sind die von der Umwelt abgeschnitten?
Rosi: Keine Naturkatastrophe?
Paul: Nur die Technik: Das Telefon funktioniert nicht.
Rosi: Dann liebe Grüße an alle, die dort anrufen.
Paul: Das wird niemand hören!
Rosi? Weil wir Fische sind?
Paul: Nein, weil auch das Internet nicht funktioniert
Rosi: Gut dann schicken wir Ihnen eine Flaschenpost.

 

9. Gespräch
Paul: Die kleine Meerjungfrau hat Heimweh?
Rosi: Wonach, nach der modernen Architektur?
Paul: Du bist spitz, ich glaub Du magst sie nicht so.
Rosi: Ich will nicht so sein. Wonach sehnt sie sich?
Paul: Nach den Liedern!
Rosi: Welche Lieder?
Paul: In ihrer Heimat wird in den Volkshochschulen am Morgen immer gesungen.
Rosi: Ich habe etwas Angst?
Paul: Ist doch schön oder?
Rosi: Kommt drauf an, ob die Menschen musikalisch sind.
Paul: Aber das kommt vom Herzen.
Rosi: Das klingt gefährlich.
Paul: Die singen die Lieder von Nikolai Grundtvig.
Rosi: Aber der ist doch seit 227 Jahren tot?
Paul: Aber die Lieder sind schön?
Rosi: Lass hören?
Paul: Is spelling right or wrong a light/ alone to scholars given?/Oh no, God grants this good to most,/his light a gift of heaven...
Rosi: Na ja, jeden Tag dieses Lied?
Paul: Wenn es Dich interessiert. Dann hör wie es klingt.
Grundtvig Lied, gespielt in Kopenhagen

 

8. Gespräch
Rosi: Glaubst Du schießen Sie auch auf uns?
Paul: Wer denn?
Rosi: Die Kinder, die sich eine Burenwurst verdienen wollen?
Paul: Wir heißen nicht Mustafa?
Rosi: Aber wir sind auch nicht in der Donau-Au geboren.
Paul Wenn ich ein Pfeilfisch wäre, ich würde zurückschießen.
Rosi: Auf wen bitte?
Paul: Auf die Ritter mit den Pferden.
Rosi: Die sind doch seit Jahrhunderten ausgestorben.
Paul: Die blauäugigen Ritter nicht.
Rosi: Ach die, die alle in Deutschkurse schicken
Paul: Und deswegen ist nie ein Platz für sie frei, denn nötig hätten sie es.
Rosi: Reden wir über Bildung
Paul: Und das auf Deutsch.
Rosi: Traurig wenn es Menschen gibt, die stolz sind, nur eine Sprache zu können.
Paul: Und anderen Pfeffer in den Arsch wünschen.
Rosi: Schön sprechen und nie Plakate zu Ende denken.

 

7. Gespräch
Paul: Gestern hat es begonnen.
Rosi: Was?
Paul: Das neue Semester.
Rosi. Alle kommen sie wieder, die die  turnen und die, die Sprachen lernen...
Paul: ... und die, die malen.
Rosi: Der Joschi, der Malerfürst wird wieder seine Verehrerinnen um sich scharen.
Paul: Du würdest auch bei ihm malen lernen.
Rosi: Ich glaube er kann was.
Paul: Aber der ist doch schon weit über 90 Jahre.
Rosi: Das ist doch keine Frage des Alters.
Paul: Glaubst Du werden sich alle freuen, dass es im Haus jetzt so gut riecht?
Rosi: Wonach?
Paul: Nach den neuen Bildungswaffeln, die das Café jetzt anbietet.
Rosi: Ich würde die Waffeln lieben.
Paul: Nur die Waffeln?
Rosi: Nein, auch die Kurse und das neue Semester.
Paul: Und sonst nichts?
Rosi: Das weiß ich noch nicht.
Paul: Du bist so reserviert.
Rosi: Aber du hast doch Deine Meerjungfrau.
Paul: Die berichtet mir nur von fernen Städten. Aber mein zu Hause ist doch bei Dir hier in der Volkshochschule.
Rosi: Das hast du schön gesagt. 

 

6. Gespräch
Paul: Wie gefällt dir unsere neue Mitbewohnerin.
Rosi: Was soll ich sagen. Ich seh es in Deinen Augen.
Paul: Was?
Rosi: Wie sie Dir gefällt, die kleine Meerjungfrau
Paul: Aber sie hat so viel zu erzählen aus ihrer Heimat.
Rosi: Das sagen die Männer immer.
Paul: Ehrlich über Architektur zum Beispiel.
Rosi: Unter dem Meer gibt es Architektur?
Paul: Aber sie ist aus Kopenhagen.
Rosi: Und was erzählt sie?
Paul: In ihrer Heimat ist moderne Architektur überall zu finden, auch vor alten Gebäuden.
Rosi: Nicht so wie bei uns?
Paul: Hier bekommt die Bezirksvorsteherin Ursula einen Zusammenbruch, wenn moderne Kandelaber montiert werden.
Rosi: ...oder wenn ein Turm über das Mumok hinauswachsen soll.
Paul: Schade, dass wir nicht dänische Winterstürme importieren können.
Rosi: Nach Meerjungfrauen auch das noch?
Paul: Die würden manche verzopfte PolitikerInnen in die Ferne wehen.
Rosi: Du bist so böse.
Paul: Ich wäre auch zufrieden, wenn ihnen diese Stürme das Hirn freiblasen würden.

 

5. Gespräch
Paul: Wir werden gesucht?
Rosi: Ich sehe niemanden, der vor unserem Aquaurium steht.
Paul: Das war im übertragenen Sinn gemeint. Es gibt ja nicht nur Aquarien auf der Welt.
Rosi: Richtig.
Paul: Nach unserem 3. Gespräch hat jemand gefragt, wo unser Aquarium steht.
Rosi: Diese Frage ist einfach zu direkt gestellt..
Paul: Wir sind die einzigen vernunftbegabten Fische, die es gibt. Nicht nur in der Volkshochschule, sondern auf der ganzen Welt.
Rosi: Fast haben wir Imanuel Kant gelesen.
Paul: Wenn er neben dem Aquarium bei unserem Bücherbasar gelegen wäre, kein Problem.
Rosi: Es wird nicht einfach werden uns zu finden.
Paul: Denn der große Geschäftsführer hatte einen großen Plan.
Rosi: Und der war: Er wollte jeder VHS ein Aquarium schenken.
Paul: Und so gibt es jetzt viele Aquarien?
Rosi: Da jede VHS eine selbständige Monade war, haben sich nur wenige bereit erklärt welche aufzustellen.
Paul: Wenn die schon eine GmbH gewesen wären, dann wäre das ganz schnell gegangen und das Rätsel wäre jetzt unlösbar.

 

4. Gespräch
Paul: Die Europäischen ErwachsenenbildnerInnen haben sich zu einer Grundtvig Konferenz in der Stadt von HC getroffen.
Rosi: Wieso hat HC eine Stadt?
Paul: Ja natürlich, eine schöne Stadt, mit freundlichen Menschen, Wasse und Kunst.
Rosi: Und das alles in der Stadt von HC? Das passt doch nicht zusammen.
Paul: In der Stadt von HC leben die Menschen ganz frei, natürlich auch die Frauen.
Rosi: Manchmal möchte ich Dich aus dem Aquarium werfen.
Paul: Wieso bist du gleich so böse?
Rosi: Weil ich HCs Geschichten von den freien Frauen blöd finde.
Paul: Mir gefallen die Geschichten von HC. Die Geschichte vom Mädchen mit den Schwefelhölzern zum Beispiel, schön traurig.
Rosi: Diesmal hast Du mich an der langen Nase herumgeführt.
Paul: Dieser HC hatte wirklich eine lange Nase - nicht vom Lügen - und war hässlich und deswegen hat er Märchen geschrieben.
Rosi: Kopenhagen hat den besseren HC in Europa
Paul: Ja HC Andersen oder um genau zu sein Hans-Christian Andersen. 

 

3. Gespräch
Paul: Die Gelben nerven mich.
Rosi: Du bist ein Grantscherm, ständig ärgert dich etwas.
Paul: Aber die gelben Fische treten immer als Schwarm auf und die halten zusammen
Rosi: Die sind halt anders als wir, was stört dich dran.
Paul: Ich will meine Ruhe haben?
Rosi: Aber so ist es bunt bei uns und ein wenig Leben im Aquarium.
Paul: Ich bin froh, dass wir uns mit den Gelben nicht vermischen.
Rosi: Wenn du jetzt ein Mensch wärst, dann würde ich Thilo zu Dir sagen
Paul: Verstehe ich nicht?
Rosi: Thilo Sarazin, der schwimmt plötzlich ganz oben.
Paul: Nur weil er schwimmt soll ich ihn kennen? Was tut er sonst?
Rosi: Irgendwie meint er, das Leben der Menschen funktioniert so wie bei den Tieren.
Paul: Dass die Gelben einfach dümmer sind als wir?
Rosi: So ungefähr. Du heißt nicht Thilo und bist doch keine Dillo.
Paul: Ich liebe dich und deine Wortspiele Rosi.

 

2. Gespräch
Paul: Ich seh nichts.
Rosi: Du weißt doch, dass mittags immer das Licht abgedreht wird
Paul: Ach dieser Verwalter
Rosi: Das ist der Automat
Paul: den der Verwalter programmiert hat.
Rosi: Du weißt, daß ist gut für uns.
Paul: Höchstens für die Pflanzen und da bin ich mir nicht sicher. Aber nicht dass Licht ist es, warum ich nichts sehe.
Rosi: Diesmal hast Du recht, eine große Ankündigungstafel steht vor unserem Aquarium
Paul: Großes steht uns bevor.
Rosi: Du bist ein Poet.
Paul: Nein ich kann lesen: der Internationale Sprachenquiz sogar mit einem Pubquiz findet am 23. September statt. (http://www.vhs.at/)
Rosi: Schade, dass wir nicht hinschwimmen können.
Paul: Gibt es eigentlich eine Fischsprache?
Rosi: Wir beide sind die einzigen Fische, die sich verständlich machen können.
Paul: Viel haben wir gelernt in unserer Volkshochschule.

 

1. Gespräch
Paul: Manchmal beneide ich die Menschen?
Rosi: Warum bist Du schon wieder unzufrieden?
Paul: Sie können sprechen, während wir stumm sind
Rosi: Dafür müssen sie sprechen lernen, stumm sein ist einfacher
Paul: Sprechen können die Menschen nicht einfach so wie wir schwimmen können?
Rosi: Irgendwie lernen sie sprechen ganz einfach, aber da nicht alle die gleiche Sprache sprechen brauchen sie Kurse.
Paul: Und das Lernen macht Spaß?
Rosi: Nicht wenige zahlen dafür und freuen sich, wenn sie dann Italienisch, Spanisch oder Französisch sprechen können.
Paul: Wäre toll, wenn es bei uns auch so wäre. Wir könnten dann mit unseren Nachbarn, den gelben Fischen sprechen.