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Tagung 2010: „Lernen & Spielen – Spielend lernen in der Erwachsenenbildung“

 

Das war die Tagung 2010

WANN: Mittwoch, 10. November 2010, 08:30 – 15:00 Uhr
WO: Volkshochschule Meidling, Längenfeldgasse 13-15, 1120 Wien

PROGRAMM als pdf

Das "Kompetenzzentrum für innovatives Lernen mit den Medien der Innovationsgesellschaft" machte Lernen & Spielen zum Thema der Tagung 2010, um mit über 70 Lehrenden, BeraterInnen, BildungsorganisatorInnen und BildungsmanagerInnen aktuelle Trends und Erfahrungen zu diskutieren.

Die Vorträge hielten:
Dr.in Doris C. Rusch: "Lernpotenziale von Computerspielen"
Mag. Michael Kickmeier-Rust: "Virtuelle Welten, virtuelle LehrerInnen - Attraktives Lernen mit Computerspielen.“

„Spielen ist keine Tätigkeit, Spielen ist ein Zustand"

Dr.in Doris C. Rusch

„Spielen ist keine Tätigkeit, Spielen ist ein Zustand" - Mit diesem Statement umriss Doris C. Rusch ihren Zugang zu Spielen. Rusch ist Game-Designerin und Wissenschafterin.

Im Zustand selbstvergessenen Spielens könne man auf eine Weise lernen, wie dies mit traditionellen Lernmethoden nur schwer möglich sei.
Der Angelpunkt besteht laut Rusch darin, dass beim Spielen „ich selber direkt Erfahrungen mache“, und nicht aus zweiter Hand etwas höre, sehe oder lese.

Depression "lernen"

Sie erzählte ein Beispiel aus ihrer Arbeit – der Auftrag war, ein Spiel zu entwickeln, bei dem Angehörige depressiver Menschen lernen sollten, wie es Depressiven wirklich geht. Sie stellte nun nicht Information „auf spielerische Art“ zusammen, um danach in einem „Quiz“ das Gelernte abzuprüfen.
Der Weg war vielmehr, den abstrakten Begriff „Depression“ kleinschrittig mit verschiedenen Figuren in konkrete Situationen zu gießen und dann einen Prozess zu designen, in dem die SpielerInnen selbst erleben, wie es ist, immer wieder „hinuntergezogen zu werden. Diese Erfahrung vergisst man nicht so leicht.“

"Lehrer sein dagegen sehr"

Ein anders Beispiel erzählt Doris Rusch in einem Pausengespräch. Sie habe mit LehramtskandidatInnen im Seminar ein Spiel gespielt. „An dem Punkt, wo man momentan nicht weiter kommt, haben sie frustriert abgebrochen und das Spiel unsinnig gefunden.“ Sie habe dann erklärt, dass es weniger um den Inhalt des Spiels gegangen sei, sondern um die Rolle der StudentInnen darin: „Ihr werdet in der Schule unterrichten. Da geht es genau darum, dass ihr in verfahrenen Situationen nicht aufgebt. Da muss man sich bewegen, etwas ausprobieren, Sackgassen in Kauf nehmen, auch mal etwas riskieren.“ Das – so die einhellige Meinung der ZuhörerInnen - würden sich StudentInnen besser merken als den Methodenkatalog der Universität.

Dr.in Doris C. Rusch arbeitete drei Jahre am MIT (Massachusetts  Institute for Technology) in Boston und ist nun in Österreich tätig: Als Visiting Professorin an der Donau-Universität Krems sowie als Lehrbeauftragte an der TU-Wien und an der Universität für angewandte Kunst.

Forschungsschwerpunkt: Studium und Design von eGames, im Besonderen von Spielen, die soziale und persönliche Aspekte unterstützen.


Links:
Die Unterlagen zum Vortrag „Lernpotenziale von Computerspielen“ finden Sie hier. (große Datei - längere Downloadzeit)
Das Spiel zu Depressionen "elude" und andere Spiele finde Sie hier.

„Es gibt keinen Unterschied zwischen Spielen und Lernen“

Mag. Michael Kickmeier-Rust

Michael Kickmeier-Rust (Psychologe und Software-Entwickler) stellte ein Zitat (Marshall McLuhan) an den Beginn seiner Ausführungen und erinnerte an den unglaublichen Erfolg von Computerspielen, den er dem mageren Lernenthusiasmus von SchülerInnen gegenüberstellte („Lernen ist zur Zeit nicht die Lieblingsbeschäftigung der Jugendlichen“). Wenn Lernen und Spielen das gleiche sei, so seine Grundidee, müssten die Möglichkeiten der eGames für Lernprozesse nutzbar gemacht werden können. „Auf diesem Weg können wir die LernerInnen erreichen“, so Kickmeier-Rust.

Schlüsselbegriff „Adaptivität“
Wenn die Motivation der SpielerInnen der Schlüssel zum Erfolg ist, müssten Lernspiele adaptiv sein, das heißt „das Spiel muss sich an die SpielerInnen anpassen. An deren Tempo,  Vorlieben, usw.“
Im Rahmen der EU-Projekte „Elektra“ und „80 Days“ arbeitete Kickmeier-Rust an der Universität Graz an dieser Adaptivität. Dabei wurden jeweils Lehrpläne aus drei europäischen Ländern zum Thema Physik („Elektra“) und Geographie (80 Days) in 3D-Abenteuer-Lernspiele verwandelt, die sich ihren UserInnen anpassen.

Im Rahmen der Projekte konnten die Spiele laufend in Schulen getestet werden und die Lernresultate beschrieb Kickmeier-Rust als sehr gut: „Die Spiele werden von den SchülerInnen sehr gut angenommen, auch wenn sie natürlich erstmal nicht als so cool wahrgenommen werden wie die Spiele der großen Software-Firmen.“, berichtete er und schloss seinen Vortrag mit einem Appell an die anwesenden Unterrichtende: „Probieren Sie es aus! Nehmen Sie das Genre ernst und wagen Sie sich auch daran, mit den SchülerInnen vorhandene Lernspiele zu verändern!“ Letzteres (zum Beispiel eigene Figuren zu kreieren) steigere die Identität mit dem Spiel enorm.

Mag. Michael D. Kickmeier-Rust ist Projektleiter an der Universität Graz am Institut für Psychologie und an der Technischen Universiät Graz sowie Software Entwickler.
Forschungsschwerpunkt: intelligente,  adaptive (anpassungsfähige) Lernsysteme und Human Computer Interaction (HCI)

Links:
Die Unterlagen zum Vortrag "Virtuelle Welten, virtuelle LehrerInnen - Attraktives Lernen mit Computerspielen.“ finden Sie hier. (große Datei - längere Downloadzeit)
Hier auch die Links zu dein beiden genannten Projekten www.eighytdays.eu und www.elektra-project.org

Mit folgenden Links sind Sie in Bezug auf Spiele up to date: www.galanoe.eu und www.ludus-project.eu

GameMaker - ein Werkzeug um selber Spiele zu machen: http://www.yoyogames.com/gamemaker

Ein Anfänger-Tutorial zu Spieleprogrammierung mit Flash/ActionScipt: http://www.hs-mittweida.de/~sschoene/spiele.htm

Fotos zur Tagung "Lernen & Spielen"