Spurensuche

Zeitschrift für Geschichte der Erwachsenenbildung und Wissenschaftspopularisierung

Das Periodikum des Österreichischen Volkshochschularchivs hieß von 1990-1994 „Verein zur Geschichte der Volkshochschulen. Mitteilungen“ beziehungsweise „Mitteilungsblätter“. Im Jahr 1995 wurde das Periodikum in „Spurensuche“ umbenannt. Die mit dem Titel zum Ausdruck kommende Programmatik umfasst drei Dimensionen:

SPURENSUCHE ist zunächst die Suche nach dem Verborgenen oder Vergessenen, die Suche nach vergangenen geistes- und ideengeschichtlichen Strömungen sowie institutionen- und personengeschichtlichen Manifestationen und Entwicklungen, welche bisher in der „großen“ akademisch-universitären Geschichtsschreibung wenig berücksichtigt wurden. Im Sinne einer „Archäologie des Wissens“ gilt es, – frei nach Walter Benjamin, Carlo Ginzburg und Michel Foucault – diese vernachlässigten Vergangenheitssegmente gegen den vorherrschenden Mainstream geschichtswissenschaftlicher Forschung quellenmäßig zu erschließen, aufzubereiten und für die Öffentlichkeit auch visuell ansprechend zugänglich zu machen.

SPURENSUCHE im weiteren Sinn bedeutet, die bildungs- und wissenschaftsgeschichtlichen Axiome und Hierarchien gleichsam „vom Kopf“ „auf die Füße“ zu stellen: Volks- und Erwachsenenbildungs-geschichte fällt weder mit Schulgeschichte noch mit Pädagogikgeschichte zusammen. Sie ist auch nicht als bloße Wissenschaftsgeschichte zu fassen, die sich mit der Historiografie der etablierten akademischen Fächer in den „Tempel(n) der Wissenschaften“ (Karl Liebknecht) beschäftigt.
Historische Volks- und Erwachsenenbildungsforschung beschäftigt sich vielmehr mit den weit weniger augenfälligen, nichtsdestotrotz geschichtsmächtig gewordenen Spuren alternativer Wissensvermittlung und gesellschaftlicher Wissensdiffusion, ihren zu Grunde liegenden Ideen und Idealen, den dafür notwendigen Organisationsformen und pädagogischen Vermittlungswegen sowie den daran beteiligten Personen, seien es nun Lehrende oder Lernende. Entlang den Bruchlinien von Wissenschaft und Öffentlichkeit, Wissen und Macht, Hoch- und Volks-, Massen- und Elitenkulturen wird den individual- und gesellschaftsgeschichtlich relevanten edukativen Exklusionsprozessen und den bildungspolitischen Inklusionsbestrebungen ein Forum der Darstellung und der Analyse gegeben.

SPURENSUCHE im engeren Sinn ist die materielle Spurensicherung der vielgestaltigen und vielschichtigen Geschichte der Volkshochschulen, als den historisch bedeutendsten Einrichtungen der Volks- und Erwachsenenbildung in Österreich. Ihrer mehr als 150-jährigen Geschichte der Ideen und Konzepte, ihrer Organisationen, Vorläufereinrichtungen und verwandten Institutionen im Ausland, ihren Akteuren und Akteurinnen und Zielgruppen ist das ganz spezielle Augenmerk gewidmet.

Zitierregeln für Beiträge in der Zeitschrift „Spurensuche“