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Mysterium weibliche Sexualität - Die VHS fragt nach

17.01.2019
  • Weibliche Sexualität
Das Wissen um die Anatomie der Frau ist voller Missverständnisse, Tabus und ein sehr schambehaftetes Thema. Geringer Fokus auf die Gesundheit der Frau und auf die Beschaffenheit ihres Körpers in der Medizin und der Psychologie und die starke Sexualisierung in den Medien sind die wichtigsten Gründe für herrschende Falschinformationen.
"The Vagina Bible"-Gründerin Agnes Hunyadi erklärt die Mysterien über weibliche Sexualität 
Wir haben der klinischen Psychologin und Expertin für Frauengesundheit Agnes Hunyadi drei Fragen zu diesem Thema gestellt:

VHS: Sie erwähnen im Einleitungstext, dass Falschinformationen über den weiblichen Körper ein verbreitetes Phänomen sind.

Agnes Hunyadi: Vor allem über die körperlichen Erscheinungen einer Frau gibt es viele Fehlinformationen.
Ein Beispiel, das fast jede Frau betrifft, ist die Menstruation. In den Medien erfährt man widersprüchliches über den weiblichen Zyklus. Ich bekomme oft mit, dass sich viele Frauen ungern über dieses Thema unterhalten, meist nicht einmal mit dem Partner oder Freundinnen.
Ein weiteres Thema sind die Auswirkungen von Geschlechtskrankheiten bei einer Frau. Die Forschung befasst sich mit diesem Bereich viel weniger, als mit den Auswirkungen bei einem Mann.
Die Spitze des Eisbergs ist, dass speziell weibliche Geschlechtsteile eine gesellschaftliche Betitelung und Bewertung bekommen. Warum steht in der Bezeichnung „Schamlippen“ das Wort „Scham“ drinnen?

VHS: Wo liegt der Ursprung, dass die Sexualität der Frau ein schamhaftes Thema darstellt?

Agnes Hunyadi: In unserem Kulturkreis ist im Laufe der Geschichte immer wieder anders mit dem Thema umgegangen worden. Man findet z.B. bei vielen Statuen aus der Steinzeit Abbildungen von Frauen, die ihre Vulva offensiv herzeigen.
Heutzutage wäre so etwas auf Social Media undenkbar zu sehen. Man hat den Anschein, dass alles immer aufgeklärter und offener wird, aber der Trend geht in eine andere Richtung. Die Zensur auf Social Media Plattformen macht es immer schwieriger sich über das Thema zu unterhalten oder auszutauschen.
Parallel war Sexualität noch nie so offensiv in den Medien oder in der Werbung zusehen. Pornografie wird heute konsumiert wie Handyspiele, aber es gibt dazu keinen breiten gesellschaftlichen Diskurs wie wir alle gut miteinander auskommen wollen.

VHS: Wie würde sich die Gesellschaft und die Rolle der Frau verändern, wenn man den weiblichen Körper nicht mehr tabuisiert wahrnehmen würde?

Agnes Hunyadi: Frauen würde das sehr empowern, wenn die weibliche Sexualität und der weibliche Körper nicht mehr so tabuisiert behandelt werden würden.
Beispielsweise die Menstruation wird von vielen als etwas Schmutziges wahrgenommen. Ich habe viele Frauen beraten und gecoached für die die erste Menstruation keine schöne Erinnerung war. Viele Männer wissen das gar nicht.


Mag. Agnes Hunyadi ist klinische Psychologin i.A. und arbeitet als Supervisorin und online Coach.
Vor 2 Jahren gründete sie das größte Blogazine zu Empowerment und Feminismus ("The Vagina Bible") und hält Vorträge und Workshops.

Wenn Sie mehr über dieses Thema erfahren wollen oder mitdiskutieren wollen, bietet sich die Gelegenheit bei folgenden Vorträgen:

Dienstag, 22. Jänner 2019, 19:30 bis 21:00
VHS Landstraße, Hainburger Straße 29, 1030 Wien
Vortragende: Mag. Agnes Hunyadi

Freitag, 25. Jänner 2019, 15:00 bis 16:00
Zielgruppe: Jugendliche von 11 bis 16 Jahren
VHS Landstraße, Hainburger Straße 29, 1030 Wien
Vortragende: Annemarie Harant