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Kathedralen in Flammen - Die VHS fragt nach

01.05.2019
Fast jeder hat sie gesehen, die Bilder der lichterloh brennenden Kathedrale Notre Dame, eines der meistbesuchten Monumente der Welt. Der Brand sorgte weltweit für heftige Emotionen und Bestürzung.
Fremdenführerin Ursula Schwarz beschäftigt sich seit 40 Jahren mit Kathedralen in ganz Europa. Sie sieht viele Parallelen zum Brand im Wiener Stephansdom im Jahr 1945. 
Kathedrale Notre Dame in Flammen
Wir haben Ursula Schwarz gefragt, warum dieses Ereignis so viel Betroffenheit und Anteilnahme ausgelöst hat und wie sie die Pläne des Wiederaufbaus einschätzt.

VHS: Warum hat der Brand der Notre Dame bei Menschen in aller Welt so große Fassungslosigkeit ausgelöst?

Ursula Schwarz: Notre Dame ist ebenso wie unser Stephansdom die religiöse und geographische Mitte der Stadt. In der Antike hatten die Städte Schutzgöttinnen, eine Rolle die im Christentum die Muttergottes übernommen hat. Die Menschen haben hier eine emotionale Beziehung, weil Religion immer mit Emotion zu tun hat.

VHS: Es sind fast eine Milliarde Euro an Spenden für den Wiederaufbau zusammengekommen. Warum konnte innerhalb weniger Tage eine solch riesige Summe zusammenkommen?

Ursula Schwarz: Genau aus diesem emotionalen Verhältnis zur Kathedrale hat ihre Zerstörung so betroffen gemacht. Es war eine Zerstörung der eigenen Identität. Denn auch in Wien begann der Wiederaufbau nicht mit den dringend benötigten Wohnungsbauten, sondern mit dem Dom als Symbol der Identität eines wieder erstandenen selbständigen Staates.

VHS: Kann der Zeitplan, die Kathedrale in 5 Jahren wieder aufzubauen, eingehalten werden?

Ursula Schwarz: In Wien hat man 5 Jahre für den Wiederaufbau des abgebrannten Stephansdom kalkuliert und 7 Jahre wurden dann daraus. Möglicherweise mit der modernen Bautechnik könnte das möglich sein, aber es muss mit viel Erfahrung gemacht werden. Die Materialien des Mittelalters mussten „ausgeruht“ sein, daher hat man nur sehr langsam an diesen Kathedralen bauen können.

VHS: Es gibt Diskussionen, dass man die Notre Dame entweder originalgetreu nachbaut oder sie mit moderner Architektur ergänzt. Welche Kräfte setzen sich ihrer Meinung nach in Frankreich durch?

Ursula Schwarz: Ich meine, wenn man das Wissen der Bauhütten besitzt, könnte man vielleicht auch an einen moderne Ergänzung zum Verlorenen denken. Baut man nur weil es modern sein soll, wird es nicht gelingen.

Wenn Sie mehr über dieses Thema erfahren wollen oder mitdiskutieren wollen, bietet sich die Gelegenheit bei folgendem Vortrag:

03.05.2019 , 16:30 - 18:00 Uhr
Kursort: VHS Landstraße, Hainburger Straße 29, 1030 Wien
Eintritt: € 6