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Gerda Lerner

In der Reihe: Feministische Geschichte in Bewegung

19.04.2021
Gerda Lerner, Quelle: http://www.news.wisc.edu/story_images/4971/original/GL_martha_nelson_1981_archives.jpg

Gerda Lerner | 1920 – 2013

Historikerin und Pionierin der Frauengeschichtsforschung

Antifaschistin, Feministin, Feindin von Unterdrückung jeder Art.
"Sobald Frauen ihre Geschichte entdecken und ihre Position in der Vergangenheit und der Entwicklung der Menschheit erkennen, verändert sich ihr Bewusstsein auf dramatische Weise. Diese Erfahrung lässt sie Grenzen überschreiten und wahrnehmen, was sie mit anderen Frauen gemeinsam haben und von jeher gemeinsam hatten. Das verändert ihr Selbstbewusstsein ebenso wie ihre Weltsicht." 
Gerda Lerner in "Zukunft braucht Vergangenheit: Warum Geschichte uns angeht".
Flucht in die USA
Gerda Lerner wurde 1920 in Wien geboren. Sie entstammte einer jüdischen Familie und wuchs in einer Zeit auf, in der Antisemitismus noch stärker wurde und der Nationalsozialismus immer mehr Anhänger*innen fand.
Sie und ihre Mutter wurden von der Gestapo verhaftet, zum Glück jedoch bald wieder freigelassen. Sie flüchteten nach Liechtenstein zum Vater, danach floh Gerda Lerner ohne ihre Eltern in die USA.
Nach zahlreichen geringfügig bezahlten Tätigkeiten, Heiraten, Scheidung, Geburten und weiteren Jobs begann Lerner mit 38 Jahren ihr Geschichtsstudium. Mit 46 Jahren promovierte sie 1966 an der Columbia University – sie leistete Pionier*innenarbeit, indem sie als Erste über ein frauengeschichtliches Thema promovierte. In ihrer Dissertation forschte sie zu den Schwestern Grimké, die in South Carolina gegen Sklaverei gekämpft hatten und für die Rechte von Frauen und Schwarzen in den USA des 19. Jahrhunderts eintraten.
Im Lauf ihrer akademischen Karriere widmete sie sich weiter der Frauengeschichtsforschung und untersuchte unter anderem die Kategorien „class, race, sex“ auf ihre Abhängigkeiten hin.
1966 wurde Gerda Lerner Gründungsmitglied der National Organization for Women (NOW), der heutzutage größten feministischen Organisation in den USA.
Frauengeschichtsforschung als akademische Disziplin
1968 wurde sie Professorin am Department of History des Sarah Lawrence College und etablierte das landesweit erste Masterprogramm in Frauengeschichte. Ab 1980 hatte sie die Robinson-Edwards-Professur an der University of Wisconsin inne. 1990 richtet sie dort den landesweiten ersten Promotionsstudiengang für Frauengeschichte ein.

Sie verfasste zahlreiche Publikationen über die Wurzeln des Patriarchats, die Bewusstwerdung der Frauen und schwarze Frauen in den USA.
Lerner erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen:
1995 den Käthe-Leichter-Preis, 1996 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Im Jahre 1998 wurde sie in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 2002 wurde sie als erste Frau mit dem Bruce-Catton-Preis ausgezeichnet und erhielt den Roy-Rosenzweig-Award der American Historical Association. Ihr wurden insgesamt 18 Ehrendoktor*innenwürden verliehen, u. a. von der Universität Wien und der Hebräischen Universität Jerusalem. 2006 wurde sie für ihr literarisches und publizistisches Gesamtwerk mit dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch geehrt.
Zukunft braucht Vergangenheit
"Die Frauengeschichte ist von wesentlicher Bedeutung für das Entstehen eines feministischen Bewusstseins, sie stellt einen Erfahrungsschatz bereit, auf den bezogen neue Theorien ihre Richtigkeit beweisen können und auf die sich eine feministische Zukunftsperspektive stützen kann."
Gerda Lerner in "Zukunft braucht Vergangenheit: Warum Geschichte uns angeht".
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© 2014 Unlearned Lessons Women on the Rise, Ausstellungskatalog zum Grundtvig EU-Lernpartnerschaftsprojekt
Geschichten von und über Frauen wurden über Jahrhunderte unterdrückt, nicht erzählt, vergessen. Seit 1911 wird jährlich am 8. März, dem Internationalen Frauentag auf die Rechte der Frauen und den Kampf um Geschlechtergerechtigkeit aufmerksam gemacht.
Wir nehmen dieses bedeutsame Datum zum Anlass, ein Jahr lang vergangene Kämpfe um Gleichberechtigung und deren Protagonist*innen vorzustellen sowie das Schaffen aktueller Feminist*innen zu würdigen.