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Sprechen wir über Gewalt gegen Frauen

25.11.2025
Gewalt gegen Frauen hängt eng mit fehlender Geschlechtergerechtigkeit zusammen. Sie betrifft uns alle. Frauen erfahren Gewalt, weil sie Frauen sind.
Ein zerbrochener Teller aufgelegt in Form eines Frauensymbols
Gewalt gegen Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung. Sie zeigt sich in vielen Formen: körperlich, psychisch, sexualisiert, ökonomisch oder digital. Sie betrifft Frauen aller Altersgruppen, sozialen Schichten und Herkunft. | © VHS

Geschlechtsspezifische Gewalt hat viele Formen

Gewalt gegen Frauen kann unter anderem körperlich, psychisch, sexualisiert oder auch strukturell auftreten. Gewalt hat also viele Formen! Oft treten mehrere Formen gleichzeitig auf. Sie schränken die persönliche Freiheit und die Lebenschancen von Frauen ein.
Gewalt entsteht durch ungleiche Machtverhältnisse!
Als strukturelle Gewalt bleibt sie weitestgehend unsichtbar, aber wirkt täglich. Sie steckt dann nicht in einer einzelnen Handlung, sondern in den gesellschaftlichen Strukturen, die bestimmte Gruppen dauerhaft benachteiligen. Typische Merkmale struktureller Gewalt sind systemische Benachteiligung, keine klaren Täter*innen, Diskriminierung und Unsichtbarkeit. Diese Gewalt hindert Menschen daran, sich zu entfalten - nicht durch Schläge oder Drohungen, sondern durch Regeln, Gesetze, Routinen oder einseitige Machtverhältnisse. Frauen erleben strukturelle Gewalt - etwa in Form von Sexismus, Rassismus, Behindertenfeindlichkeit, Homo- oder Trans*feindlichkeit - auf der Straße, aber auch in Behörden und Institutionen.
Gewalt zeigt sich auch wirtschaftlich: Frauen leisten mehr unbezahlte Sorgearbeit, sie haben deshalb häufiger Teilzeit-Jobs, sie verdienen weniger und erhalten geringere Pensionen. Das führt zu Altersarmut.
Viele Frauen erleben psychische Gewalt in Beziehungen: Beschimpfungen, Drohungen, Einschüchterungsversuche, Verbote, Kontrolle, Überwachung, Isolation vom Freundeskreis oder Demütigung. Dazu kommen körperliche Gewalt und sexualisierte Übergriffe wie Schläge, Verbrennungen, Würgen oder sexuelle Nötigung.
Jede dritte Frau in Österreich hat seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt (Statistik Austria 2021). Das sind rund 1,1 Millionen Frauen. Die endgültigste Form von Gewalt ist tödlich, wir sprechen dann von einem Femizid. Die Anzahl von Tötungen an Frauen sind in Österreich im europäischen Vergleich auffallend hoch. Oftmals passiert Gewalt im häuslichen Umfeld. Die Täter sind Partner oder Bekannte aus dem sozialen Nahraum.
Betroffen sind heterosexuelle, lesbische oder bisexuelle Menschen, die sich als Frau identifizieren, auch intergeschlechtliche oder trans*Frauen und Mädchen. Manche Frauen erfahren aufgrund von Mehrfachdiskriminierung in besonderem Maße Gewalt. Aber Frauen mit Gewalterfahrungen kommen aus allen sozialen Schichten mit unterschiedlichsten Bildungsgraden und kulturellen Hintergründen. Von Gewalt betroffene Frauen passen in keine Schubladen.

Gesellschaft wandeln -  Gewalt gegen Frauen stoppen

Gewalt gegen Frauen ist eine der häufigsten Menschenrechtsverletzung. Um geschlechtsspezifischer Gewalt vorzubeugen und sie letztlich zu verhindern, brauchen wir einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel und wir müssen patriarchale Strukturen offenlegen: Die Vorstellung von männlichen Privilegien, männlicher Überlegenheit und zerstörerische Männlichkeitsbilder dürfen keinen Platz haben.
Im ersten Schritt braucht es vor allem intensive Unterstützung für die Betroffenen.

Gewaltschutz und Gewaltambulanz in Wien

Österreich hat seit 1997 ein Gewaltschutzgesetz gegen häusliche Gewalt. Trotzdem fehlen bis heute ausreichend Hilfseinrichtungen und Erweiterungen zu bestehenden Gesetzen. Dieses Bündel an geforderten gesetzlichen Maßnahmen und politischen Initiativen wird „Gewaltschutzpaket“ genannt. Im Mai 2025 startete in diesem Sinne der Nationale Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen in Österreich. Aus Bundesmitteln wurde 2025 in der Wien eine Untersuchungsstelle für Gewaltbetroffene (kurz: „Gewaltambulanz“) eröffnet. Sie arbeitet kostenfrei und ohne, dass Gewaltbetroffene eine E-Card oder ohne Anzeige haben müssen. Die Untersuchungsstelle sichert Spuren, dokumentiert Verletzungen und informiert über weitere Hilfsangebote (die Kontaktdaten sind unten verlinkt, gemeinsam mit weiteren Beratungsadressen und weiterführenden Informationen). Darunter Beratungsadressen der Stadt Wien, die seit Jahren Präventionsarbeit leistet und Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen setzt.
Für ein Ende der Gewalt gegen Frauen braucht aber auch Zivilcourage. Gleichgültige Haltungen gegenüber Gewalt tragen zur Normalisierung von Gewalt bei und schwächen Betroffene in ihrem Versuch, sich aus Gewaltsituationen zu befreien. Auch das betroffene Umfeld hat es schwerer sich unterstützend gegen Gewalt zu stellen, wenn sie verharmlost oder normalisiert wird.

Was können wir alle tun? Handlungsmöglichkeiten und Tipps:

  • Hinterfragen sie Strukturen an Orten, an denen sie leben und arbeiten.
  • Bilden sie sich weiter zum Thema Gewalt gegen Frauen*.
  • Vernetzen sie sich mit Menschen und Organisationen, die aktiv sind.
  • Treten Sie gegen Gewalt auf: Unterstützen Sie Proteste oder organisieren Sie selbst Aktionen. 
  • Hören sie Betroffenen zu.
  • Benennen sie Gewalt, schauen sie hin und fragen Sie, ob Hilfe gewünscht ist.

Der „stille Hilferuf“

Eine Anleitung, wie man einen "Stillen Hilferuf" per Handzeichen gibt. Erstens&nbsp;<span style="color: inherit;">Handfläche zeigen und&nbsp;</span><span style="color: inherit;">Daumen anlegen. Zweitens</span><span style="color: inherit;">&nbsp;übrige Finger über den Daumen falten.</span>
Das Handzeichen der „Stille Hilferuf“ (englisch: Signal for Help) hilft Betroffenen, diskret Hilfe zu signalisieren.  | © freepik
Das Handzeichen der „Stille Hilferuf“ (englisch: Signal for Help) hilft Betroffenen, diskret Hilfe zu signalisieren. Mit dieser Geste konnten (Medienberichten zufolge) in den letzten Monaten auch in Österreich etliche von Gewalt betroffene Frauen* auf sich aufmerksam machen. Wie sieht das Handzeichen aus?
Flache Hand → Daumen einklappen → Finger über den Daumen schließen.
International hat sich eine Geste entwickelt, die der „Stille Hilferuf“ (englisch: Signal for Help) genannt wird. Flache Hand zeigen → Daumen einklappen → Finger über den Daumen schließen (wie eine Faust).

Wie akute Gewalt unterbrechen?

  • Achten Sie auf Ihren Selbstschutz! 
  • Unterbrechen Sie Sie akute Gewalt, wenn Ihnen das im jeweiligen Fall möglich scheint:
    - Sie können beispielsweise in der Nachbarschaft unten beim Hauseingang bei der betreffenden Wohnung klingeln, empfiehlt StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt.
    - Sprechen Sie betroffene Personen an, wenn Sie sie alleine antreffen.
    - Kommunizieren Sie an einem sicheren Ort, was gebraucht wird, empfiehlt die Canadian Women's Foundation, die das Handzeichen des stillen Hilferuf begründet hat.
  • Bieten Sie Hilfe an:
    - Informieren Sie über Beratungsstellen oder Frauenhäuser.
  • Respektieren Sie Grenzen:
    - Akzeptieren Sie, wenn Hilfe abgelehnt wird.
    - Rufen Sie die Polizei nur bei akuter Gefahr oder auf Wunsch der Betroffenen.

Verlinkte Informationen


Die Wiener Volkshochschulen sind Teil der 16 Tage gegen Gewalt und der jährlichen UN-Kampagne Orange the World. Stoppen wir Gewalt gegen Frauen!