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El buen vivir – das gute Leben für alle? Der Beitrag Lateinamerikas zu globaler Wachstumskritik.

Vortragsreihe: Indigene Völker in Lateinamerika. Umwelt, Politik und Kultur

08.04.2021
8. April | 18:30 - 20:00 Uhr | Online
Weltweit wurde nach dem zweiten Weltkrieg ein wachstumsorientiertes Entwicklungsmodell propagiert: Akkumulation technischer Güter und Dienstleistungen sollte globale Armut verschwinden lassen.
Gleichzeitig mit der indigenen Bewegung in den Andenländern Südamerikas entstanden jedoch wachstumskritische Ansätze: Anstatt einem trügerisch-verlockenden Leben im Wohlstand sollte das "Gute Leben – buen vivir" angestrebt werden, das auf ökologischem Gleichgewicht und sozialer Verantwortung beruht. Der Ansatz des „Guten Lebens“ inspiriert heutzutage soziale Initiativen in Europa und anderen Regionen der Welt. In der Einheit wird untersucht, wie weit im „Guten Leben“ Weltbild und Erfahrungen indigener Völker Südamerikas stecken und wie weit der Ansatz Politik in Südamerika selbst beeinflusst.

Vortragsreihe: Indigene Völker in Lateinamerika. Umwelt, Politik und Kultur

Vertreter*innen der indigenen Bevölkerung wurden in den letzten Jahrzehnten zunehmend zu wichtigen gesellschaftspolitischen Akteur*innen: Sie gewannen als gut organisierte Gegner*innen transnationaler Ölgesellschaften und Bergbaukonzerne politische Relevanz, sie zeigten öffentlichkeitswirksam die anhaltende Zerstörung des Regenwalds auf und spielten eine tragende Rolle bei neuen Verfassungen in mehreren Staaten. In Ecuador hatten Indigene maßgeblich zum Sturz des Staatspräsidenten beigetragen, während in Bolivien völlig neuartige Formen „plurinationaler“ Regierungen initiiert wurden. Indigene Völker haben neue Deutungen der Geschichte europäischer Kolonialexpansion entwickelt und ein Gegenkonzept zur wachstumsorientierten globalen Wirtschaftspolitik entworfen. Obwohl die zahlreichen indigenen Völker demografisch gesehen in den meisten Ländern Minderheiten sind, können die Besonderheiten öffentlichen Lebens und der Politik dieses Kontinents am besten durch Beispiele indigener Partizipation und indigenen Aktivismus verdeutlicht werden.
In dieser Vortragsreihe wird den verschiedenen Dimensionen politischen Lebens und öffentlicher Diskurse, die die letzten Jahrzehnte Lateinamerika geprägt haben, nachgegangen. Die fünf Vorträge stehen zueinander in inhaltlichem Zusammenhang, können aber auch einzeln besucht werden.
Univ.-Prof. Dr. René Kuppe, ist Jurist, Kulturanthropologe und pensionierter Universitätsprofessor. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Rechtsfragen, die mit indigenen Völkern und ethnischen Minderheiten in Zusammenhang stehen. Kuppe hat als Konsulent an internationalen Projekten mitgewirkt, bei denen es um Gesetzgebungsvorhaben oder um die Implementierung von Landrechen Indigener Völker in Lateinamerika oder im Arktischen Raum ging.
Preis: 6,- € pro Vortrag | gesamte Vortragsreihe: 30,- € | Mit Science-Card gratis!
Weitere Informationen zur Vortragsreihe "Indigene Völker in Lateinamerika": https://www.vhs.at/de/e/lai/indigenevoelkerinla