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Bibel oder Pachamama? Dekolonialisierung vom religiösen Imperialismus

06.05.2021
6. Mai 2021 | 18:30 - 20:00 Uhr | Online
Obwohl sich lateinamerikanische Staaten seit dem 19. Jahrhundert oftmals als „laizistisch“ definierten, orientieren sich Oligarchien und herrschende Schichten kulturell an Christentum und den iberischen „Mutterländern“. Konservative christliche Strömungen festigten hierarchische Gesellschaftsmodelle. In der nationalstaatlichen Symbolik und im Geschichtsbild sind europäische Eroberung, Christianisierung und „Erschließung der Wildnis“ Säulen propagierter nationalstaatlicher Identität.
Indigene Völker entwickeln heute Alternativen zu dieser eurozentrischen Sicht: Christliche inspirierter „Weltbeherrschung“ – „Macht euch die Erde untertan“ (Genesis 1.28) – wird Verantwortung um „Mutter Erde“ (Pachamama) entgegengesetzt. Koloniale Symbole sollen abgerissen oder umbenannt werden; dies führt zu erbitterten Konflikten: Erlebt Lateinamerika einen Kulturkampf zwischen Christentum und indigener Selbstbestimmung?

Vortragsreihe: Indigene Völker in Lateinamerika. Umwelt, Politik und Kultur

Vertreter*innen der indigenen Bevölkerung wurden in den letzten Jahrzehnten zunehmend zu wichtigen gesellschaftspolitischen Akteur*innen: Sie gewannen als gut organisierte Gegner*innen transnationaler Ölgesellschaften und Bergbaukonzerne politische Relevanz, sie zeigten öffentlichkeitswirksam die anhaltende Zerstörung des Regenwalds auf und spielten eine tragende Rolle bei neuen Verfassungen in mehreren Staaten. In Ecuador hatten Indigene maßgeblich zum Sturz des Staatspräsidenten beigetragen, während in Bolivien völlig neuartige Formen „plurinationaler“ Regierungen initiiert wurden. Indigene Völker haben neue Deutungen der Geschichte europäischer Kolonialexpansion entwickelt und ein Gegenkonzept zur wachstumsorientierten globalen Wirtschaftspolitik entworfen. Obwohl die zahlreichen indigenen Völker demografisch gesehen in den meisten Ländern Minderheiten sind, können die Besonderheiten öffentlichen Lebens und der Politik dieses Kontinents am besten durch Beispiele indigener Partizipation und indigenen Aktivismus verdeutlicht werden.

In dieser Vortragsreihe wird den verschiedenen Dimensionen politischen Lebens und öffentlicher Diskurse, die die letzten Jahrzehnte Lateinamerika geprägt haben, nachgegangen. Die fünf Vorträge stehen zueinander in inhaltlichem Zusammenhang, können aber auch einzeln besucht werden.


Univ.-Prof. Dr. René Kuppe, ist Jurist, Kulturanthropologe und pensionierter Universitätsprofessor. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Rechtsfragen, die mit indigenen Völkern und ethnischen Minderheiten in Zusammenhang stehen. Kuppe hat als Konsulent an internationalen Projekten mitgewirkt, bei denen es um Gesetzgebungsvorhaben oder um die Implementierung von Landrechen Indigener Völker in Lateinamerika oder im Arktischen Raum ging.

Preis: 6,- € pro Vortrag | gesamte Vortragsreihe: 30,- € | Mit Science-Card gratis!

Weitere Informationen zur Vortragsreihe "Indigene Völker in Lateinamerika": www.vhs.at/de/e/lai/indigenevoelkerinla