VHS Präsenzkurse und Veranstaltungen werden bis 6. Dezember 2020 eingestellt. Nähere Infos finden Sie unter www.vhs.at/corona.

Weiterbildungsreihe ACTAL

Weiterbildungsreihe in vier Modulen | Diplomabschluss

Lateinamerika ist eine lebendige Region in ständigem Wandel, deren Vielfalt sich durch alle Lebensbereiche zieht. Starke Gegensätze wie Zerstörung und Nachhaltigkeit, Frieden und Gewalt sowie Überfluss und Mangel kennzeichnen sie. Während viele Bewegungen darauf abzielen, diese Lücken zu schließen, verstärken andere die Tendenzen in Richtung weiterer Fragmentierung. In einer globalisierten Welt lassen sich die Zusammenhänge dieser aktuellen Dynamiken auch in lokalen Transformationsprozessen im alltäglichen Leben finden.

Die Weiterbildungsreihe „Lateinamerika Actual – kurz ACTAL“, setzt sich zum Ziel, das Verständnis und das Engagement für alternative Lebensformen zu fördern. Tiefgehende Analysen und partizipative Methoden sollen jene Facetten widerspiegeln, welche die Faszination für diese Region ausmachen. Wichtige Daten und Fakten sowie aktuelle Themen werden aus einer Perspektive von Inklusion und Diversität erforscht und diskutiert. Basierend auf einer Ethik des interkulturellen Respektes, schafft die Weiterbildungsreihe Bewusstsein über das unglaubliche Potenzial Lateinamerikas.

ACTAL richtet sich an Studierende, Berufstätige und an Lateinamerika interessierte Menschen, die den Blick auf Lateinamerika schärfen wollen – sei es im Zuge von Projekten und Initiativen im Bereich der internationalen Zusammenarbeit oder einfach aus Wissenslust. Die Weiterbildungsreihe richtet sich ebenso an Menschen, die in ihrem beruflichen und persönlichen Leben mit Lateinamerikaner*innen zu tun haben und deren vielfältigen Hintergrund kennenlernen möchten. ACTAL heißt alle Personen willkommen, die ihren Horizont für diesen faszinierenden Lebensraum erweitern und ihr Wissen vertiefen möchten.

In Form von Wochenendmodulen bietet die Weiterbildungsreihe eine multidisziplinäre und umfassende Sicht auf aktuelle Kernthemen und lädt alle Lernenden zu einer kritischen, empathischen und engagierten Teilnahme ein.

Diplomabschluss bei Absolvierung aller vier Module.

Module

Vier Module, jeweils am Freitag von 14:00 bis 18:00 Uhr und 19:00 bis 21:00 Uhr (Abendeinheit) und Samstags von 9:00 bis 17:00 Uhr.

Die einzelnen Module sind thematisch und methodisch in sich abgeschlossen, aber miteinander verwoben. Alle Module können einzeln oder als gesamte Reihe gebucht werden. Die einzelnen Module werden mit einer Teilnahmebestätigung abgeschlossen, die gesamte Reihe mit einem Diplom.

Einführung

Ausgehend vom gemeinsamen Interesse für Lateinamerika werden im Einführungsseminar die unterschiedlichen Wahrnehmungen zu und über Lateinamerika beleuchtet. Erfahrungen, Wünsche und Bedürfnisse der Teilnehmenden werden diskutiert, um den Lehrgang als einen Ort der Weiterentwicklung des eigenen Potenzials zu gestalten sowie eine gemeinschaftliche Vision von ACTAL zu kreieren.

Modul 1: Inklusion und Exklusion in der Politik

Die aktuelle Politik in Lateinamerika ist Ausdruck unterschiedlicher Interessen und Bedürfnisse und verweist auf die Vielfältigkeit des politischen Spektrums. Politik wird sowohl in öffentlichen wie auch in privaten Räumen gemacht, von Gruppierungen, Parteien, Marginalisierten und Bürger*innen, die sowohl Veränderungsprozesse wie auch den Schutz des Status Quo fördern wollen.

Inhalte und Methodik
Durch Vortragseinheiten und Diskussionen mit Expert*innen aus Lateinamerika, widmen wir uns unter anderem folgenden politischen Schlüsselfragen:
  • Welche politischen Charakteristika lassen sich in Lateinamerika identifizieren?
  • Welche Diskurse prägen die formellen politischen Konstellationen in Wahlen heutzutage und welche Verbindungen können zu transnationalen und globalen Tendenzen sowie Bewegungen hergestellt werden?
  • Wie lässt sich die Politik in Lateinamerika jenseits des Mainstreams und der offiziellen Strukturen erleben?

Lernziele
  • Kennenlernen aktueller politischer Landschaften in Lateinamerika
  • Identifizierung von politischen Maßnahmen, welche die Vielfalt aber auch Homogenisierung der Gesellschaft fördern
  • Verstehen der Verbindungen zwischen unterschiedlichen formellen und informellen politischen Bewegungen innerhalb Lateinamerikas und ihre transnationalen Zusammenhänge
  • Reflexion der eigenen politischen Anschauung, Erkennen der transnationalen Beziehungen und darüber Dialoge eröffnen können

Gast am Kamin: Video-Konferenz mit Vera Grabe aus Kolumbien (ehemalige Guerilla-Kämpferin, Kongressabgeordnete und aktuelle NGO-Leiterin) und Diskussionen mit politischen Aktivist*innen Lateinamerikas in Wien

Koordinatorin:
Marcela Torres Heredia, MA (Bogotá, Kolumbien) ist Doktorandin in Sozial- und Kulturanthropologie an der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Dekolonialität, Feminismus, soziale Ungleichheit sowie Intersektionalität. Torres Heredia hat 2016 den Master in Lateinamerikastudien der Universität Wien absolviert und ist Gründungsmitglied sowie Redakteurin des Online Journals ReveLA-Realidades y visiones sobre Latinoamérica.

Modul 2: Solidarisches Wirtschaften - Einblicke und Diskussionen über alternative Wirtschaftsformen

Am 11. September 1973 wurde der Sozialismus unter Salvador Allende durch eine Diktatur und das erste neoliberale Regime weltweit ersetzt; es folgten viele weitere Länder Lateinamerikas. Die Diktaturen gingen, der Neoliberalismus blieb, bis in den 1990ern wieder zunehmend linke Regierungen an die Macht kamen. Deren erfolgreiche Armutsbekämpfung finanziert sich jedoch über einen Ressourcenausverkauf, wofür Natur sowie die Lebensräume von Indigenen zerstört werden, was starken Widerstand hervorruft. Neben diesen Spannungen, der Armut und Ungleichheit sowie Umweltzerstörung und Klimawandel bedrohen auch Finanz- und Währungskrisen den Kontinent – wie den Globalen Norden auch, welcher jedoch nach wie vor wesentlicher Verursacher dieser Probleme ist.

Gleichzeitig ist Lateinamerika reich an Debatten und Praktiken verschiedener alternativer Ansätze. Das Modul „Solidarisches Wirtschaften“ gibt Einblicke in jene gelebten Wirtschaftsformen Lateinamerikas, die von Bedürfnisorientierung ausgehen. Darüber hinaus wird im Zentrum stehen, wie Menschen in Europa damit zusammen wirken können.


Inhalte und Methodik
Mithilfe vielerlei Methoden, deren Wurzel educação popular selbst dem Kampf gegen die Diktaturen Lateinamerikas entstammt, setzen sich die Teilnehmer*innen insbesondere mit folgenden Fragen auseinander:
  • Welches Potenzial haben alternative Wirtschaftsformen?
  • Sind diese Ansätze eine Lösung anstehender sozialer und ökologischer Probleme, die aus dem vorherrschenden Wirtschaftssystem entstehen? Welche Hürden, Probleme, Konflikte und Grenzen gibt es?
  • Welchen Beitrag können verschiedenste Akteur*innen auf lokaler und regionaler Ebene – hier wie dort – leisten, um alternative Initiativen und Bewegungen zu stärken?
  • Was braucht es, um ein Buen Vivir, ein gutes Leben für alle, einschließlich der Mitwelt, zu ermöglichen?
  • Was müssten die verschiedensten Akteur*innen national und international (Regierungen sowie internationale Institutionen) tun, um eine nachhaltige Gesellschaft und ein nachhaltiges Wirtschaften zu ermöglichen?

Lernziele
  • Auseinandersetzung mit der polit-ökonomischen Geschichte Lateinamerikas
  • Kennenlernen von Experimenten und neuen Formen ökonomischen Zusammenwirkens
  • Kennenlernen länderübergreifender Initiativen mit Bezug zum deutschsprachigen Raum
  • Auseinandersetzung mit alternativen Ansätzen in der Wirtschafts- und Handelspolitik als Basis für ein „soziales Wirtschaften
  • Rolle von und Bezüge zu Sozialen Bewegungen

Gast am Kamin: Bernhard Leuboldt

Koordinatorin
Dr. Friederike Habermann ist Ökonomin und Historikerin mit dem Schwerpunkt nichtkapitalistisches Wirtschaften und der Suche nach Wegen hin zum guten Leben für alle. Seit ihren ersten Büchern Chiapas und die Internationale der Hoffnung, u.a. mit Ulrich Brand, 1997, sowie Aus der Not eine andere Welt (2004) über die solidarische Ökonomie nach dem Finanzcrash in Argentinien stellt Lateinamerika einen Schwerpunkt ihres Wirkens als Autorin, Aktivistin und freie Akademikerin dar.

Modul 3: Es reicht! – ¡Basta ya! Widerstandsbewegungen aus Lateinamerika und ihre Vorbildrolle für Europa

Seit Lateinamerika vor 500 Jahren unter europäische Herrschaft kam und damit in einen langen Globalisierungsprozess eintrat, haben sich dort besondere Verhältnisse zwischen Menschen, Staat und Wirtschaft entwickelt. Zusätzlich zu feudaler und kapitalistischer Ausbeutung wurden die lateinamerikanischen Gesellschaften durch Kolonialismus und Rassismus geprägt. Im Verlauf dieser Geschichte schufen Indigene, Bäuerinnen und Bauern und Arbeiter*innen verschiedene Formen des Widerstands gegenüber Ausbeutung und Elitenherrschaft. Manche davon – etwa die „Andere Welt“ von Porto Alegre oder die zapatistische Bewegung – haben auch in Europa Schule gemacht. Das Modul führt in die Geschichte von Protest-, Autonomie-, Aufstands-, Guerillabewegungen ein und zeigt ihre Bedeutung in der Gegenwart. Sein Schwerpunkt liegt auf Austausch- und Lernprozessen zwischen Lateinamerika und Europa.

Inhalte und Methodik
In einer Mischung aus Vortrag und Gruppenarbeit sowie anhand von verschiedenen Medien und Diskussionen mit Expert*innen und Aktivist*innen werden die Leitthemen anhand von Beispielen behandelt, z.B.:
  • Landarbeiter*innen-Organisationen und Landbesetzungen in Brasilien
  • Zapatistische Autonomie und indigener Widerstand in Mexiko
  • Systematische Opposition gegen die linke Regierung in Venezuela
  • Piqueter@s in Argentinien
  • Transnationaler Widerstand gegen die Freihandelsabkommen in Zentralamerika

Lernziele
  • Kennenlernen lateinamerikanischer Widerstandsbewegungen: Wogegen kämpfen sie und wie haben sie sich entwickelt?
  • Vergleiche mit – ähnlichen? – europäischen Prozessen
  • Analyse von Transfers politischer Praktiken zwischen Lateinamerika und Europa

Gast am Kamin: Carlos Toledo / Eva Dertschei: Erarbeitung eines fiktiven Forderungskatalogs und Protest-Workshop

Koordinator:
Dr. Berthold Molden lehrt Globalgeschichte an der Universität Wien. Sein Forschungsschwerpunkt sind die Beziehungen zwischen Lateinamerika, den USA und Europa seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Molden hat u.a. an der Sorbonne, der University of Chicago und den Universitäten von Toulouse und New Orleans gelehrt. Seit Oktober 2017 ist er Vorstandsmitglied des LAI.

Modul 4: Natur und Lebensräume in Lateinamerika

Die Natur in Lateinamerika ist gekennzeichnet durch eine große Vielfalt und außerordentliche Schönheit. Allerdings kann die Natur nicht getrennt von der Gesellschaft betrachtet werden. Die Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Dabei spielen soziale, wirtschaftliche und politische Aspekte (wie Globalisierung, Neo-Extraktivismus, Neoliberalismus oder Populismus) eine wichtige Rolle. In diesem Modul werden die sich verändernden gesellschaftlichen Naturverhältnisse auf drei Ebenen (je nach Grad der „Veränderung“ der Natur) betrachtet: von der unberührten Natur und dem Naturschutz, über die wirtschaftliche Ausbeutung der Natur bis hin zu den städtischen „naturlosen“ Räumen.

Inhalte und Methodik
Durch die Kombination von Vortragseinheiten und Kleingruppendiskussionen wird eine Vielfalt von Fällen analysiert und diskutiert. Kurze Texte und Videobeiträge dienen als Grundlage für die Diskussion und den Austausch.
Das Modul ist in drei Themenblöcke gegliedert:
  • Die „geschützte Natur“: in Lateinamerika gibt es zahlreiche Typen von Naturschutzgebieten. In diesem Themenblock werden einige Beispiele mit ihren Zielen aber auch kritischen Aspekten dargestellt.
  • Die „ausgebeutete Natur“: seit der Jahrtausendwende haben die Nutzung von Naturressourcen und die Agrarproduktion stark zugenommen. Anhand prägnanter Beispiele (vor allem aus dem Bergbau) werden die wichtigsten Merkmale der extraktiven Wirtschaft und die oft aus ihr resultierenden sozial-ökologischen Konflikte diskutiert.
  • Die „konstruierte Natur“: die Lebensräume von über 80 % der Bevölkerung in Lateinamerika sind urban geprägt. In diesem Themenblock werden klassische Umweltprobleme in den großen Städten sowie die sich aktuell verändernden Land-Stadt-Beziehungen untersucht.

Lernziele
  • Überblick über die wichtigsten Aspekte der Mensch-Umwelt-Beziehungen in Lateinamerika
  • Erkennen aktueller sozial-ökologischer Dynamiken in Lateinamerika und Einordnung dieser in einen globalen Rahmen
  • Erkennen, dass über die Analyse gesellschaftlicher Naturverhältnisse wichtige Einblicke in soziale, ökonomische und politische Prozesse gewonnen werden können

Gast am Kamin: Dr. Robert Hafner. Geograph, Experte für Mensch-Umwelt-Beziehungen und Umweltgerechtigkeit in Südamerika.

Koordinator:
Dr. Fernando Ruiz Peyré. Studium der Geographie in Mendoza (Argentinien) und Tübingen (Deutschland), Promotion in Geographie in Innsbruck (2014). Zwischen 2011 und 2020 Universitätsassistent am Institut für Geographie der Universität Innsbruck. Seit 2019 Post-Doc wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Gebirgsforschung der ÖAW. Forschungsgebiete: Ländlicher Raum, Gebirgsforschung, Politische Ökologie, Ressourcengeographie, Mensch-Umwelt-Beziehungen, Nord-Süd-Beziehungen und Lateinamerikaforschung.

Rückschau
In der Rückschau wird vermittelt, wie das gewonnene Wissen zu Lateinamerika auf individueller Ebene, in Gruppen, Organisationen oder Unternehmen verinnerlicht und transformiert werden soll. In einem musikalischen und kulinarischen Lateinamerika-Ambiente werden die Teilnehmenden verabschiedet.

Kosten

Beitrag gesamter Lehrgang (4 Module):
€ 1.050,- | ermäßigt* € 850,-

Beitrag für einzelne Module:
à € 280,- | ermäßigt* € 220,-

*Mitglieder des Fördervereins LAI, Studierende bis zum vollendeten 26. Lebensjahr, Arbeitssuchende, Menschen mit Behinderung

Förderungen

Wir sind anerkannter Bildungsträger des WAFF (Wiener Arbeitnehmer*innen Förderungsfonds) und erfüllen die Voraussetzungen für die Vergabe der NÖ Bildungsförderung.

Anmeldung

Hier können Sie sich zur Weiterbildungsreihe anmelden.
Alle Module können einzeln oder als gesamte Reihe gebucht werden.
Vier Module, jeweils am Freitag von 14:00 bis 18:00 Uhr mit einer Abendeinheit (19:00 bis 21:00 Uhr) und Samstag 9:00 bis 17:00 Uhr.
Die einzelnen Module sind thematisch und methodisch in sich abgeschlossen, aber miteinander verwoben. Alle Module können einzeln oder als gesamte Reihe gebucht werden. Die einzelnen Module werden mit einer Teilnahmebestätigung abgeschlossen, die gesamte Reihe mit einem Diplom.

Bitte geben Sie bei der Anmeldung im Feld "Kommentare" bekannt, über welche Spanischkenntnisse Sie verfügen. Falls Sie den ermäßigten Beitrag beantragen (Frühbucher*innenbonus, LAI-Mitglieder, Studierende bis zum vollendeten 26. Lebensjahr, Arbeitssuchende, Menschen mit Behinderung), bitten wir ebenso um Bekanntgabe im Kommentar-Feld.

Über den Lehrgang

Inhaltliche Leitung: Dr. Berthold Molden
Lehrgangskoordination: Ingrid Fankhauser, MA

Veranstaltungsort:
Freitag: Österreichisches Lateinamerika-Institut, Schlickgasse 1, 1090 Wien, Europasaal
Samstag: VHS Alsergrund, Galileigasse 8, 1090 Wien,2.Stock, Raum 202

Beratung/Anmeldung: Österreichisches Lateinamerika-Institut, Schlickgasse 1, 1090 Wien

Tel. +43 1 310 74 65 -16
E-Mail: ingrid.fankhauser@lai.at

Hygienemaßnahmen und Verhaltensregeln


Gefördert durch das Netzwerk Wissenschaft der Arbeiterkammer Wien und der Stadt Wien Kultur