ACTAL – Lateinamerika Actual

Weiterbildungsreihe des Österreichischen Lateinamerika-Instituts

Lateinamerika ist eine lebendige Region in ständigem Wandel, deren Vielfalt sich durch alle Lebensbereiche zieht. Starke Gegensätze wie Frieden und Gewalt, Nachhaltigkeit und Zerstörung oder Überfluss und Mangel kennzeichnen die Region. Während viele Bewegungen darauf abzielen, diese Lücken zu schließen, verstärken andere die Tendenzen in Richtung weiterer Fragmentierung.

Die Weiterbildungsreihe „ACTAL-Lateinamerika Actual“ fördert das Verständnis und das Engagement für alternative Lebensformen. Tiefgehende Analysen und partizipative Methoden vermitteln jene Facetten, welche die Faszination für diese Region ausmachen. Wichtige Daten und Fakten sowie aktuelle Themen werden aus einer Perspektive von Inklusion und Diversität erforscht und diskutiert.

In Form von vier Wochenendmodulen bietet die Weiterbildungsreihe eine multidisziplinäre und umfassende Sicht auf aktuelle Kernthemen und lädt alle Lernenden zu einer kritischen und engagierten Teilnahme ein. In jedem Modul werden Expert*innen und Aktivist*innen aus Lateinamerika eingeladen, deren Wissen und persönliche Erfahrungen die Inhalte lebendig machen.

ACTAL richtet sich an Studierende, Berufstätige und alle an Lateinamerika interessierten Personen, die ihr Wissen vertiefen und den Blick auf die Region schärfen wollen. Gleichzeitig eignet sich die Weiterbildungsreihe auch für Personen ohne jegliche Vorkenntnisse, die ein möglichst facettenreiches Bild von Lateinamerika gewinnen möchten.

Diplomabschluss bei Absolvierung aller vier Module.

Vier Module, jeweils am Freitag von 13:00 bis 19:30 Uhr und Samstag 10:00 bis 18:00 Uhr sowie Einführung und Rückschau.
Die einzelnen Module sind thematisch und methodisch in sich abgeschlossen, aber miteinander verwoben. Alle Module können einzeln oder als gesamte Reihe gebucht werden. Die einzelnen Module werden mit einer Teilnahmebestätigung abgeschlossen, die gesamte Reihe mit einem Diplom.

Einführungsabend in die gesamte Reihe

3. März 2022, 18:00 Uhr
Vor dem Hintergrund der vier Themenlinien des Lehrgangs bietet das Einführungsseminar einen historischen Überblick über die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen Lateinamerikas. Dieses Grundlagenwissen schafft den Teilnehmer*innen ein Orientierungssystem für die vertiefende Arbeit in den einzelnen Modulen. Zudem werden Erfahrungen, Wünsche und Bedürfnisse der Teilnehmenden diskutiert, um den Lehrgang als einen Ort der Weiterentwicklung des eigenen Potenzials zu gestalten.

Modul 1: Inklusion und Exklusion in der Politik

4.-5. März 2022
Soziale und politische Unruhen prägen den Alltag vieler lateinamerikanischer Länder und sind Ausdruck von oftmals instabilen politischen Strukturen und Systemen, was sich seit Jahrzehnten in einem Wechselspiel zwischen Demokratie und Autoritarismus zeigt. Politik wird sowohl in öffentlichen wie auch in privaten Räumen gemacht - von Gruppierungen, Parteien, Marginalisierten und Bürger*innen, die sowohl Veränderungsprozesse wie auch den Schutz des Status Quo fördern wollen. Dieses Modul gibt Einblicke in die Vielfältigkeit der politischen Systeme und analysiert tiefgehend Themen wie „Buen Vivir“, Friedensprozesse, Ressourcenpolitik sowie Bildung und Macht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Bedeutung feministischer Bewegungen und Frauen in der Politik.

Inhalte und Methodik
Durch Vortragseinheiten und Diskussionen mit Expert*innen aus Lateinamerika, widmen sich die Teilnehmenden folgenden politischen Schlüsselfragen:
  • Welche politischen Charakteristika lassen sich in Lateinamerika identifizieren?
  • Welche Besonderheiten weist die formaldemokratische Partizipation auf und was sind ihre Grenzen?
  • Welche Diskurse prägen die verschiedenen politischen Konstellationen und welche Verbindungen können zu transnationalen und globalen Tendenzen sowie Bewegungen hergestellt werden? 
  • Wie lässt sich die Politik in Lateinamerika jenseits des Mainstreams und der offiziellen Strukturen erleben?
Lernziele
  • Kennenlernen aktueller politischer und sozialer Landschaften in Lateinamerika
  • Identifizierung von politischen Maßnahmen, welche die Vielfalt aber auch die Homogenisierung der Gesellschaft fördern
  • Verstehen der Verbindungen zwischen unterschiedlichen formellen und informellen politischen sowie sozialen Bewegungen innerhalb Lateinamerikas und ihrer transnationalen Zusammenhänge
  • Reflexion der eigenen politischen Anschauung und Erkennen transnationaler Beziehungen als Basis für einen kritischen Dialog

Koordinatorin
Lic. Marcela Torres Heredia, MA MA (Bogotá, Kolumbien) ist Doktorandin und Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (DOC-Team) am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien mit dem Projekt: The Socio-Ecological Crisis Up Close: Conflicts, Experiences and Alternatives in the Andean-Amazon Region; Lehramt Sozialwissenschaften an der Universidad Pedagogica Nacional, Bogotá (2009), Master in Lateinamerikastudien der Universität Wien (2016); Master für angewandtes Wissensmanagement an der FH Burgenland (2019). Vorstandsmitglied des Förderverein LAI. Mitglied der Redaktion von ReveLA, Realidades y Visiones sobre Latinoamérica. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Dekolonialität, Feminismus, Friedensprozesse, soziale Ungleichheit sowie Intersektionalität.

Modul 2: Wirtschaft und Entwicklung

29.-30. April 2022

Lateinamerika wird in den europäischen Medien oft als eine Region präsentiert, die unter einer dauerhaften Wirtschaftskrise leidet. Daraus wird geschlossen, dass die lateinamerikanischen Länder immer wieder die Kontinuität von Entwicklungsprozessen verpassen. Diese Interpretation kann jedoch aus verschiedenen Sichtweisen infrage gestellt werden. Die Wirtschaft Lateinamerikas ist vielfältig, oft widersprüchlich und nicht immer krisenhaft. Es gibt Alternativen, die gegenwärtig als Projekte für eine andere Wirtschaft und Gesellschaft vorgeschlagen werden. Diese werden analysiert, wobei besonderes Augenmerk auf die Rolle von Gewerkschaften gelegt wird. Es werden alternative Ansätze für die Gestaltung neuer Lebensform, wie zum Beispiel „Buen Vivir“ oder Zeitwohlstand diskutiert, die sowohl nützlich als auch vorbildlich für andere Regionen sein können. Themen wie traditionelle Arbeiter*innenbewegungen, „solidarisches wirtschaften“ und neue Organisationsformen wie die „empresas recuperadas“ werden behandelt.


Inhalte und Methodik
Anhand einer multidisziplinären und kritischen Perspektive befassen sich die Teilnehmenden zunächst mit einem wirtschaftshistorischen Überblick mit Schwerpunkt auf das 20. Jhdt. Anschließend werden aktuelle wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme der Region diskutiert. Die Entwicklung alternativer Lebensweisen und die Analyse der Akteur*innen, die neben Gewerkschaften und Unternehmen agieren, ergänzen die Perspektive, um ein Bild einer Region in Transformation verständlich zu machen.

Lernziele
  • Auseinandersetzung mit der sozio-ökonomischen Geschichte Lateinamerikas
  • Diskussion zum Konzept Entwicklung der Produktivkräfte und Anwendung für den Kontext Lateinamerikas
  • Beschreibung der gegenwärtigen Produktionsformen und sozialen Strukturen
  • Kennenlernen der sozio-ökonomischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den lateinamerikanischen Ländern
  • Kennenlernen der gewerkschaftlichen Kämpfe und damit in Verbindung stehende alternative Praxen
  • Analyse der internationalen wirtschaftlichen und politischen Eingliederung Lateinamerikas
  • Auseinandersetzung mit alternativen Ansätzen in der Wirtschafts- und Handelspolitik

Koordinator
Prof. Dr. Andres Musacchio ist Ökonom, Historiker und Sozialwissenschafter mit Schwerpunkt Wirtschaftsgeschichte, internationale Beziehungen und Integrationsprozesse. Seit 1990 unterrichtet und forscht er an der Universität Buenos Aires. Seit 2008 Inhaber des Lehrstuhls für argentinische Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Lehre im Bereich Weltwirtschaftsgeschichte und Integrationsprozesse, Publikation zahlreicher Bücher, wissenschaftlicher und journalistischer Beiträge.

Modul 3: Es reicht! – ¡Basta ya!
Widerstandsbewegungen aus Lateinamerika und ihre Vorbildrolle für Europa

20.-21. Mai 2022

Seit Lateinamerika vor 500 Jahren unter europäische Herrschaft kam und damit in einen langen Globalisierungsprozess eintrat, haben sich dort besondere Verhältnisse zwischen Menschen, Staat und Wirtschaft entwickelt. Zusätzlich zu feudaler und kapitalistischer Ausbeutung wurden die lateinamerikanischen Gesellschaften durch Kolonialismus und Rassismus geprägt. Im Verlauf dieser Geschichte schufen Indigene, Bäuerinnen und Bauern und Arbeiter*innen verschiedene Formen des Widerstands gegenüber Ausbeutung und Elitenherrschaft. Manche davon – etwa die „Andere Welt“ von Porto Alegre oder die zapatistische Bewegung – haben auch in Europa Schule gemacht. Das Modul führt in die Geschichte von Protest-, Autonomie-, Aufstands-, Guerillabewegungen ein und zeigt ihre Bedeutung in der Gegenwart. Ein Schwerpunkt liegt unter anderem auf Austausch- und Lernprozessen zwischen Lateinamerika und Europa.

Inhalte und Methodik
In einer Mischung aus Vortrag und Gruppenarbeit sowie anhand von verschiedenen Medien (Videos, Textanalyse) und Diskussionen mit Expert*innen und Aktivist*innen werden die Leitthemen anhand von Beispielen behandelt, z.B.: 
  • Landarbeiter*innen-Organisationen und Landbesetzungen in Brasilien
  • Zapatistische Autonomie und indigener Widerstand in Mexiko
  • Systematische Opposition gegen die linke Regierung in Venezuela
  • Piqueter@s in Argentinien
  • Transnationaler Widerstand gegen die Freihandelsabkommen in Zentralamerika

Lernziele
  • Kennenlernen lateinamerikanischer Widerstandsbewegungen: Wogegen kämpfen sie und wie haben sie sich entwickelt?
  • Vergleiche mit – ähnlichen? – europäischen Prozessen
  • Analyse von Transfers politischer Praktiken zwischen Lateinamerika und Europa

Koordinator
Dr. Berthold Molden lehrt Globalgeschichte an der Universität Wien. Sein Forschungsschwerpunkt sind die Beziehungen zwischen Lateinamerika, den USA und Europa seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Molden hat u.a. an der Sorbonne, der University of Chicago und den Universitäten von Toulouse und New Orleans gelehrt. Vorsitzender des Fördervereins LAI.

Modul 4: Natur und Lebensräume in Lateinamerika

10.-11. Juni 2022
Die Natur in Lateinamerika ist gekennzeichnet durch eine große Vielfalt und außerordentliche Schönheit. Allerdings kann die Natur nicht getrennt von der Gesellschaft betrachtet werden. Die Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Dabei spielen soziale, wirtschaftliche und politische Aspekte (wie Globalisierung, Neo-Extraktivismus, Neoliberalismus oder Populismus) eine wichtige Rolle. In diesem Modul werden die sich verändernden gesellschaftlichen Naturverhältnisse auf drei Ebenen (je nach Grad der „Veränderung“ der Natur) betrachtet: von der unberührten Natur und dem Naturschutz, über die wirtschaftliche Ausbeutung der Natur bis hin zu den städtischen „naturlosen“ Räumen.

Inhalte und Methodik
Durch die Kombination von Vortragseinheiten und Kleingruppendiskussionen wird eine Vielfalt von Fällen analysiert und diskutiert. Kurze Texte und Videobeiträge dienen als Grundlage für die Diskussion und den Austausch.
Das Modul ist in drei Themenblöcke gegliedert:
  • Die „geschützte Natur“: in Lateinamerika gibt es zahlreiche Typen von Naturschutzgebieten. In diesem Themenblock werden einige Beispiele dargestellt.
  • Die „ausgebeutete Natur“: seit der Jahrtausendwende haben die Nutzung von Naturressourcen und die Agrarproduktion stark zugenommen. Anhand prägnanter Beispiele (vor allem aus dem Bergbau) werden die wichtigsten Merkmale der extraktiven Wirtschaft und die oft aus ihr resultierenden sozial-ökologischen Konflikte diskutiert.
  • Die „konstruierte Natur“: die Lebensräume von über 80 % der Bevölkerung in Lateinamerika sind urban geprägt. In diesem Themenblock werden klassische Umweltprobleme in den großen Städten sowie die sich aktuell verändernden Land-Stadt-Beziehungen untersucht.

Lernziele
  • Überblick über die wichtigsten Aspekte der Mensch-Umwelt-Beziehungen in LA
  • Erkennen aktueller sozial-ökologischer Dynamiken in LA und Einordnung dieser in einen globalen Rahmen
  • Erkennen, dass über die Analyse gesellschaftlicher Naturverhältnisse wichtige Einblicke in soziale, ökonomische und politische Prozesse gewonnen werden können

Koordinator
Dr. Fernando Ruiz Peyré. Studium der Geographie in Mendoza (Argentinien) und Tübingen (Deutschland); Promotion in Geographie in Innsbruck (2014). 2011 -2020 Universitätsassistent am Institut für Geographie der Universität Innsbruck, seit 2020 wissenschaftlicher Mitarbeiter ÖAW. Forschungsgebiete: Ländlicher Raum, Ressourcen (Bergbau), Mensch-Umwelt-Beziehungen, Politische Ökologie, Nord-Süd-Beziehungen und Lateinamerikaforschung.

Rückschau

11. Juni 2022, 18:00 Uhr
In der Rückschau wird vermittelt, wie das gewonnene Wissen zu Lateinamerika auf individueller Ebene, in Gruppen, Organisationen oder Unternehmen verinnerlicht und transformiert werden soll. In einem musikalischen und kulinarischen Lateinamerika-Ambiente werden die Teilnehmenden verabschiedet.


Informationsveranstaltungen

Informationsabend 18. November 2021, 18:00 Uhr → Zur Anmeldung
Informationsabend 17. Jänner 2022, 18:00 Uhr → Zur Anmeldung

Kosten

Nutzen Sie noch bis 21. November den Frühbucher*innenbonus bei der Buchung der gesamten Weiterbildungsreihe!
Beitrag gesamter Lehrgang (4 Module): € 1.050,- | ermäßigt* € 850,-

Frühbucher*innenbonus bis 21. November 2021 € 990,- | ermäßigt* € 820,-

Beitrag für einzelne Module: à € 280,- | ermäßigt* € 230,-

*Studierende bis zum vollendeten 26. Lebensjahr, Menschen mit Behinderung, Mitglieder des Fördervereins LAI, Personen mit sozialer Ermäßigung nach den Richtlinien der Wiener Mindestsicherung
Anmeldung per Mail an office@lai.at

Förderungen:

Das Österreichische Lateinamerika-Institut ist LQW und ÖCERT zertifiziert. Wir sind anerkannter Bildungsträger des WAFF (Wiener Arbeitnehmer*innen Förderungsfonds) und erfüllen die Voraussetzungen für die Vergabe der NÖ Bildungsförderung.
Veranstaltungsort: LAI, Schlickgasse 1 und Die Kunst VHS, Lazarettgasse 27, 1090 Wien


ACTAL 2021


Muchas gracias unseren tollen Workshop-Leiter*innen Berthold Molden, Friederike Habermann, Marcela Torres Heredia und Fernando Ruiz Peyré sowie zahlreichen internationalen guest speakers, die mit ihrem Know-how zu solidarischem Wirtschaften, inklusiver Politik, Widerstandsbewegungen in Lateinamerika sowie Natur & Lebensräume unsere engagierten Teilnehmer*innen begeistern konnten.