Wo alles wurzelt: Frauen, Kultur und indigene schöpferische Kraft
Wie der Mais, Ursprung und Symbol vieler indigener Kulturen, stehen Frauen im Zentrum kultureller Kontinuität. In zahlreichen Gemeinschaften sind sie Hüterinnen des Saatguts, Bewahrerinnen von Wissen und Vielfalt. Ihre Rolle spiegelt sich in der Kunst wider: Frauen schaffen Räume, Narrative und Visionen, aus denen Gemeinschaften wachsen – so wie aus einem Maiskorn ein ganzes Feld entstehen kann.
Dennoch erfahren Frauen im Kulturbereich weltweit geringe Sichtbarkeit. Sie erhalten weniger Anerkennung, Fördermittel und institutionelle Unterstützung; Ausstellungen und Sammlungen werden weiterhin von Männern dominiert. Obwohl Frauen fast die Hälfte der Beschäftigten im Kultur- und Kreativsektor stellen, besetzen sie nur einen deutlich kleineren Teil der Führungspositionen und Entscheidungsgremien.
Für indigene Frauen verstärken sich diese Ungleichheiten. Sie müssen zugleich gegen geschlechtsbezogene und ethnische Diskriminierung ankämpfen, gegen eingeschränkte Ressourcen, Vorurteile und marginalisierte Perspektiven. Ihre Kunst entsteht oft unter erschwerten Bedingungen – und behauptet sich dennoch, widerständig wie Mais, der selbst auf steinigem Boden wächst.
Umso wichtiger ist es, der Kunst indigener Frauen eigenen Raum zu geben: als Akt der Anerkennung, Sichtbarmachung und des Empowerments. Solche Räume bauen Barrieren ab, stärken ihre Stimmen und machen Perspektiven sichtbar, die historisch verdrängt wurden. Indigene Künstlerinnen zeigen in ihren Werken die Verbindung von Erde, Samen, Gemeinschaft und Identität – und dass kulturelle Zukunft dort wächst, wo ihre Stimmen gehört werden.
- Ausstellung: Teko Reta – Unser Sein
- Kochworkshop: Der Geschmack von Mais
- Ausstellung: „Sin Maíz no hay País – Ohne Mais kein Land”
- Filmabend: Los Guardianes del Maíz. The Keepers of Corn
- Vortrag: Legenden und Mythen rund um den Mais
- Kunstkurs: "Magische Maiskunst" Kreatives Gestalten mit indigenen Motiven
Ausstellung: Teko Reta – Unser Sein
Kunst, Identität und Widerstand im Gran Chaco Paraguays
Die Ausstellung zeigt Zeichnungen indigener Künstlerinnen aus dem Gran Chaco in Paraguay – einer Region, die von struktureller Armut, Landkonflikten und jahrzehntelanger kultureller Marginalisierung geprägt ist. In diesem Kontext wird die Kunst der Frauen zu einer eindringlichen Sprache des Widerstands, der Erinnerung und der Selbstbehauptung.
In ihren Arbeiten spiegeln sich die enge Verbundenheit zur Natur und das tief verwurzelte Wissen um ökologische Zusammenhänge wider. Die Zeichnungen sind ästhetische Zeugnisse der biologischen und kulturellen Vielfalt des Gran Chaco – und zugleich politische und ihrer Bildsprache poetische Statements. Sie erzählen vom Kampf um den Erhalt des „Teko“, der eigenen Lebensweise, Identität und Weltbeziehung, ebenso wie von Ritualen, Traditionen und Mythen, die von Generation zu Generation weitergetragen werden.
Frauen spielen dabei eine zentrale Rolle: Als Hüterinnen von Wissen, Kultur und Natur sichern sie das Fortbestehen indigener Gemeinschaften. Sie sind Kulturvermittlerinnen und zugleich aktive Akteurinnen gesellschaftlicher Veränderung. In ihren Bildern formulieren sie Widerstand gegen koloniale Gewalt, gegen patriarchale Strukturen und gegen die fortwährende Unsichtbarmachung ihrer Arbeit – als Künstlerinnen ebenso wie als gleichberechtigte Mitglieder oftmals machistisch geprägter Gemeinschaften.
„Teko reta – Unser Sein“ schafft einen öffentlichen Raum für diese Frauenstimmen. Die Ausstellung macht sichtbar, wie künstlerische Ausdrucksformen zur Stärkung der Gemeinschaft beitragen, kulturelles Wissen bewahren und feministische wie gesellschaftspolitische Forderungen formulieren. Kunst wird hier zu einem Mittel der Selbstermächtigung und zu einem Instrument kollektiver Zukunftsgestaltung.
Die von Sonia Siblik (Mexiko) und Isabel Arévalos (Paraguay) kuratierte Ausstellung findet im Rahmen des Internationalen Frauentages am 8. März statt. Bei der Vernissage am 5. März werden indigene Künstlerinnen und Aktivistinnen aus Paraguay über ihr Leben sowie ihre künstlerische und gemeinschaftliche Arbeit referieren.
Isabel Arevalos eröffnet seit vielen Jahren indigenen Künstler*innen aus dem Gran Chaco Räume in Europa, um ihre Kunst sichtbar zu machen und die von schweren sozio-ökologischen Problemen betroffenen Gemeinschaften der Region zu unterstützen.
Ausstellungsdauer: 05.03.2026 – 03.04.2026 | Frida Kahlo Saal
Vernissage: 05.03.2026 | 18:00 Uhr
Vernissage: 05.03.2026 | 18:00 Uhr
Kochworkshop: Der Geschmack von Mais (ab A2)
Im Rahmen unseres Semesterschwerpunktes „Wo alles wurzelt: Frauen, Kultur und indigene schöpferische Kraft“ laden wir Sie zu einem besonderen Kochkurs ein, der die kulturelle, geschichtliche und kulinarische Bedeutung von Mais in den Mittelpunkt stellt. Mais ist eine der ältesten Kulturpflanzen Amerikas und bis heute zentrales Grundnahrungsmittel sowie kulturelles Symbol vieler indigener Gemeinschaften. Nach einer kurzen Einführung zum Thema „El maíz como planta cultural“ (Mais als Kulturpflanze) lernen Sie die sprachliche wie kulinarische Vielfalt der lateinamerikanischen Küche kennen und erweitern dabei gezielt Ihren spanischen Wortschatz rund ums Kochen.
Unter der Anleitung unserer Kursleiterinnen Victoria Storfa und Claudia Pineda zaubern Sie traditionelle Maisgerichte und genießen diese in geselliger Runde. Auf dem Menü stehen:
- Sopa de maíz (Maissuppe)
- Tamales vegetarianos (vegetarische Tamales)
- Pupusas vegetarianas y con carne (Pupusas vegetarisch und mit Fleisch)
- Ensalada de maíz (Maissalat)
- Pastel de maíz (Maiskuchen)
Der Kochworkshop findet in der Lehrküche der VHS Hernals statt.
06.03.2026 | Freitag, 17:00–20:00 Uhr
3 UE | 1x | 5–10 TN | € 59,- (inkl. Materialkosten)
Claudia Pineda, Victoria Storfa
Ausstellung: „Sin Maíz no hay País – Ohne Mais kein Land”
Eine Hommage an Frauen, die Welten weben und aus Erde Zukunft formen
Die von Sonia Siblik kuratierte Ausstellung widmet sich dem „El Maíz“ – jener Pflanze, die seit Jahrtausenden das Herz Lateinamerikas bildet. Mais ist Nahrung, Medizin, Mythos und Identität. Er steht im Zentrum kosmologischer Erzählungen und sozialer Ordnungen, prägt kollektive Erinnerung und alltägliche Praxis.
Die Ausstellung erkundet diese vielfältigen Dimensionen des Mais – seine spirituelle Strahlkraft, seine politische Bedeutung angesichts von Monokulturen und Landverlust, sowie seine Rolle in Gemeinschaft, Ernährung und Widerstand. Die ausgewählten Werke stammen aus unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen. Gemeinsam entfalten sie ein visuelles und narratives Geflecht, das zeigt, wie tief der Mais in Körper, Landschaften und kollektive Identitäten eingeschrieben ist.
Die Ausstellung lädt dazu ein, die Pflanze als kulturelle Protagonistin zu verstehen: als Trägerin von Gedächtnis, als Archiv von Geschichten und als kraftvolles Symbol weiblicher Fürsorge und Resilienz.
Im Rahmen der Ausstellungseröffnung findet eine Lesung aus „Hombres del maíz – Maismenschen“ von Miguel Ángel Asturias statt. Für dieses mythologische und sozialkritische Meisterwerk, das die Rolle des Mais in der indigenen Kultur Mittelamerikas und den Konflikt zwischen Tradition und Moderne thematisiert, erhielt Asturias 1966 den Literaturnobelpreis.
Ausstellungsdauer: 09.04.2026 – 30.04.2026 | Frida Kahlo Saal
Vernissage: 09.04.2026 | 18:00 Uhr
Filmabend: Los Guardianes del Maíz. The Keepers of Corn
Ein Film von Gustavo Vazquez
„Los Guardianes del Maíz“ ist eine poetische Annäherung an den Mais als Ursprung, Gedächtnis und Widerstand. Der Dokumentarfilm begleitet indigene Gemeinschaften in Oaxaca, die seit Jahrhunderten ihre Maissorten bewahren und weiterentwickeln – im Dialog mit Klima, Boden und Tradition. Ihre Stimmen erzählen von einem fragilen Gleichgewicht, bedroht durch industrielle Landwirtschaft, Migration und ökologische Krisen. In Bildern von Saatgut, Ritualen und Austausch wird Mais als lebendiges Erbe sichtbar. Der Film wurde auf zahlreichen internationalen Filmfestivals gezeigt und ist ein stiller Appell für kulturelle und biologische Vielfalt.
Der Film wird ihm Rahmen des Cine Latino Festivals zwischen 16. Und 22. April im Filmcasino Wien gezeigt. Das genaue Datum wird noch bekanntgegeben.
Im Anschluss an den Film findet eine Filmgespräch mit dem Regisseur und den Produzent*innen in englischer Sprache statt. Moderation: Berthold Molden
Im Anschluss an den Film findet eine Filmgespräch mit dem Regisseur und den Produzent*innen in englischer Sprache statt. Moderation: Berthold Molden
Vortrag: Legenden und Mythen rund um den Mais
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem mexikanischen Dorf, hören dem Wind durch die Maisfelder zu und lauschen den Geschichten, die seit Jahrhunderten erzählt werden. In unserem Vortrag nimmt Sie die mexikanische Kulturvermittlerin Sonia Siblik genau dorthin mit. Sonia erzählt von den großen Mythen und Legenden rund um den Mais und die Schöpfung der Welt: vom Popol Vuh, der heiligen Maya-Schöpfungsgeschichte, über Quetzalcóatl bis zu den Maisgöttern Xilonen und Centeotl. Darüber hinaus öffnet sie Türen zu Legenden aus anderen lateinamerikanischen Ländern und zeigt so, wie tief der Mais in Kultur, Identität und Mythos quer durch die ganze Region verwoben ist.
Ein lebendiger Vortrag, der Sie in 90 Minuten auf eine Reise durch Geschichten, Mythologie und Traditionen Lateinamerikas entführt.
Kostenlose Teilnahme, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich.
22.04.2026 | Mi. 18:00 – 19:30 Uhr
1,5 UE | 1x | ab 5 TN | kostenlos
Vortragende: Sonia Siblik
LAI, Frida Kahlo Saal
Kunstkurs: "Magische Maiskunst" Kreatives Gestalten mit indigenen Motiven
In diesem Workshop lernen Sie mit der mexikanischen Kunstvermittlerin und Künstlerin Sonia Siblik, wie man kunstvolle Figuren formt – von traditionellen Symbolen bis zu eigenen kreativen Ideen. Schritt für Schritt entdecken Sie die Techniken des Zusammenfügens, Bindens, Schneidens und Gestaltens und erfahren gleichzeitig viel Spannendes über die kulturelle und mythologische Bedeutung des Maises in Lateinamerika.
29.04.2026 | Mi. 18:00 – 21:00 Uhr
3 UE | 1x | 5-12 TN | € 69,-
Leitung: Sonia Siblik
Atelier Basement Art by LichTraum, Währinger Gürtel 110, 1090 Wien