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URANIA HISTORYblog

Die erste Urania war im Prater

14.04.2020

Die Urania begann als Pratersensation

Brigitte Neichl

Am 7. Mai 1898 wurde anlässlich der Jubliäumsausstellung zum 50-Jahr-Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I im Wiener Prater eine provisorische Urania eröffnet. Sie sollte im kleinen Maßstab zeigen, wie die künftige Urania beschaffen sein würde, und war als Vorläuferin einer Urania gedacht, die nach der Jubiläumsausstellung in der Inneren Stadt als bleibende Institution errichtet werden sollte. Sieben Monate später wurde der Bau im Bereich der heutigen Messestraße geschlossen.

Gegründet wurde die Wiener Urania 1897 nach dem Vorbild der Urania Berlin. Ein Jahr später errichtete der Architekt Ludwig Baumann für die Jubiläumsausstellung im Prater eine provisorische Urania in Holzbauweise.

Im Zentrum stand ein wissenschaftliches Theater, das Platz für 800 Personen bot. Ausgestattet war es mit allen technischen Einrichtungen, die für die Vorführung populärwissenschaftlicher Demonstrationen notwendig waren. Daran schlossen sich zwei halbkreisförmige Arkadenbauten mit Ausstellungsräumen und Experimentiersälen an. Am südlichen Ende befand sich eine Sternwarte, am nördlichen ein Vortragssaal für 200 Personen. Die Räume und Säle mündeten in breite Korridore, und in den Halbkreisen gab es zwei Lesesäle mit Glaswänden. Von diesen Glassälen konnte man in den Park sehen. In einem der Halbkreis war zudem ein Restaurant untergebracht. Am Abend war die Anlage prächtig beleuchtet.

Eingang des Urania-Theaters im Wiener Prater | © Bild VHS-Archiv
Das Urania-Theater im Prater von oben | © Bild VHS-Archiv
Im wissenschaftlichen Theater wurden u.a. die "naturwissenschaftlich-technischen Dramen" "Der Kampf um den Nordpol" und "Durch den St. Gotthard" der Berliner Urania aufgeführt. Besonders erfolgreich waren zwei eigene Stücke der Urania: "Quer durch Österreich" von Friedrich Umlauft und "Das Eisen" von Aristides Brezina.
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„Das Eisen“ war ein szenisch prächtig ausgestattetes Stück. Das Metall Eisen wurde darin als eines der wichtigsten Objekte der Industrie vorgeführt. Man sah auch Produkte aus Eisen, etwa eine Buchdruckerpresse, eine elektrische Straßenbahn und Züge, die über die New Yorker Hochbahn sausten.

Brezina war der erste Direktor der Urania, Friedrich Umlauft folgte ihm 1899 nach und leitete das Haus bis 1922.

Nach der Ermordung von Kaiserin Elisabeth (10.9.1898) verlor die Jubiläumsausstellung ihren starken Zulauf. Am 2.12. 1898 musste das Unternehmen geschlossen werden.

Danach verlegte die Urania ihre Tätigkeit in angemietete Räume in der Wollzeile 34 im 1. Wiener Gemeindebezirk. [bn]

Quellen:

Petrasch Wilhelm: Die Wiener Urania. Von den Wurzeln der Erwachsenenbildung zum lebenslangen Lernen, Böhlau-Verlag, Wien – Köln – Weimar 2007

Auch wenn die Häuser der Wiener Volkshochschulen seit Mitte März geschlossen bleiben müssen, möchten wir dennoch unserem Bildungsauftrag nachkommen. In etwas adaptierter Form, nämlich via Facebook und Blogs auf unseren Homepages, und vielleicht mit einem bisserl ungewöhnlichen Ansatz. So werden Barbara Rosenberg mit einem Buchtipp, Brigitte Neichl mit einem „historischen Geheimnis“ rund um die Urania, Celine Wawruschka mit neuesten Informationen aus dem Wissenschaftsbereich zum Thema Corona, Mario Lackner und Willy Bottemer zum Thema Lebensfreude regelmäßig in Erscheinung treten.

Doris Zametzer, Direktorin VHS Wiener Urania und VHS Landstraße