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Neue Forschungsergebnisse: Verlängert Hunger das Leben?

Eine kalorienreduzierte Diät zeigt Anzeichen einer Verlangsamung des Alterns bei Menschen

19.04.2018
Eine neue Studie hat erstmals beim Menschen den Beweis erbracht, dass eine kalorienreduzierte Kost möglicherweise das Leben verlängern kann. Frühere Forschungen an Tieren wie Würmern, Fliegen und Mäusen haben zwar bereits vielversprechende Ergebnisse zeigen können, Experimente mit Menschen und anderen Primaten sind jedoch deutlich schwieriger durchzuführen.

Schon in den 1990er Jahren begannen WissenschaftlerInnen, die Gene und biochemischen Wege zu identifizieren, die aktiv an der Langlebigkeit des kurzlebigen Wurms Caenorhabditis elegans und der Fliege Drosophila melanogaster beteiligt sind. Dazu gehören Wege, die für die Insulinsensitivität und die Funktion von Mitochondrien relevant sind - winzige Strukturen in Zellen, die Sauerstoff zur Energiegewinnung nutzen. Folgestudien zeigten, dass Kalorienbeschränkungen auch bei Mäusen und Affen ähnliche Wege verändern. Zum Beispiel hatten Mäuse in Experimenten mit eingeschränkter Nahrungszufuhr eine bis zu 65% längere Lebensdauer als Mäuse, die ausreichend Futter zur Verfügung hatten. Auch ähnliche Studien mit Affen deuten auf ein längeres Überleben und verminderte Alterserscheinungen hin.
Die Fliege Drosophila Melanogaster ist ein beliebtes Untersuchungsobjekt der klassischen Genetik. © 2014 Géry Parent (flickr, CC)
Nun hat eine amerikanische Studie die Auswirkungen von zwei Jahren Kalorienrestriktion auf den Stoffwechsel bei 53 gesunden, nicht adipösen Erwachsenen zwischen 21 und 50 Jahren getestet. Eine zentrale Fragestellung dabei war, ob eine solche Reduktion der Energieaufnahme auch den menschlichen Metabolismus und somit den Alterungsprozess verlangsamen kann. Die Studie war Teil eines groß angelegten Projekts mit über 200 TeilnehmerInnen mit dem Namen CALERIE (Comprehensive Assessment of Long Term Effects of Reducing Intake of Energy), gesponsert vom US National Institute of Health.

Die StudienteilnehmerInnen wurden für eine genaue Analyse des Stoffwechsels innerhalb dieser 2 Jahre regelmäßig in speziellen abgedichteten Kammern untergebracht, um die genaue Menge an Sauerstoff und Kohlendioxid, die von der jeweiligen Person in der Kammer pro Minute umgesetzt wurde, zu messen. Gemeinsam mit der Analyse von Stickstoff im Urin konnten so genaue Rückschlüsse auf den Stoffwechsel gezogen werden. 34 Probanden reduzierten ihre Kalorienzufuhr um durchschnittlich 15%, die 19 Personen der Kontrollgruppe aßen wie üblich. Am Ende jedes der zwei Jahre unterzogen sich beide Gruppen einer Reihe von Tests, um den Gesamtstoffwechsel, verschiedene biologische Alterungsmarker und Schäden an der DNA zu messen.
Das Ziel der Altersforschung ist nicht die Verlängerung des Lebens, sondern Grundlagen für ein gesundes Altern zu schaffen. © 2017, pixabay
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die TeilnehmerInnen mit der Kalorienreduktion im Schlaf viel effizienter Energie verbrauchten als die Kontrollgruppe. Gleichzeitig war die Verringerung ihres Grundumsatzes größer, als aufgrund des Gewichtsverlusts von durchschnittlich 9 Kilogramm pro Teilnehmer zu erwarten war. Besonders interessant waren die Ergebnisse bezüglich des Stoffwechsels, der aufgrund der geringen Umsatzrate auch gleichzeitig eine deutliche Reduktion an oxidativen DNA Schäden mit sich zog. Oxidative Schäden, die sich im Laufe des Lebens anhäufen, sind einer der treibenden Faktoren für die Entstehung von altersabhängigen Erkrankungen.
Fasten macht nicht immer Spaß, soll aber sehr gesund sein. © 2017, pixabay
Die Studie liefert also vielversprechende Ergebnisse. Die weiteren Schritte wären nun wirkliche Langzeitstudien, die diese Parameter über Jahrzehnte untersuchen. Doch nur wenige Menschen wollen oder können ihre Ernährung so streng einschränken wie die StudienteilnehmerInnen. 
Andere Studien der letzten Zeit haben jedoch auch positive Auswirkungen eines intermittierenden Fastens bei Mäusen feststellen können. Hier hatte etwa eine Beschränkung der Kalorien für nur ein paar Tage im Monat einen hemmenden Effekt auf das Entstehen von Alterserkrankungen wie Diabetes und neurodegenerativen Erkrankungen.

Die Ergebnisse lassen insgesamt also hoffen, dass ein kalorienarmer Lebensstil - oder Behandlungen, die die biologischen Auswirkungen einer eingeschränkten Ernährung nachahmen - die Gesundheit im Alter verlängern und sogar das Leben verlängern könnten.