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Wieder einmal Supermond

07.04.2020

Heute Nacht ist es wieder einmal so weit: Der Vollmond ist ein Supermond! Astronomisch gesehen ist die Angelegenheit weit weniger spektakulär, als der Name vermuten ließe. Doch lesen Sie selbst!

Gleich vorweg: Der Begriff " Supermond" ist keiner aus dem Repertoire der Astronomie! Ganz im Gegenteil: Er wurde 1979 vom US-amerikanischen Astrologen Richard Nolle geprägt und geistert seither regelmäßig durch die Medien. Genauer gesagt etwa alle 13,5 Monate. Grund genug, dem angeblichen Phänomen aus astronomischer, also wissenschaftlicher Sicht etwas näherzutreten.

Der Mond ist der einzige natürliche Satellit der Erde. Satelliten sind Himmelskörper, die um einen Planeten kreisen. Unser Mond kreist also um die Erde, das ist klar. Wie er allerdings unseren Heimatplaneten umrundet, das ist die entscheidende Frage.
Ob "super" oder nicht - der Vollmond ist immer einen Blick wert.

Der Mond "eiert" um die Erde

Johannes Kepler entdeckte schon vor über 400 Jahren, dass sich die Planeten unseres Sonnensystems auf elliptischen Bahnen um die Sonne drehen. Dies gilt im Prinzip auch für den Umlauf des Mondes um die Erde. Eine Ellipse ist - salopp gesprochen - eine ovale geschlossene Kurve.
Die Mondbahn können Sie sich vereinfacht nun so vorstellen: Die Erde befindet sich in einem der beiden sogenannten Brennpunkte der Ellipse und der Mond kreist auf der ovalen Kurve um die Erde. "Kreisen" ist somit eigentlich der falsche Ausdruck, der Mond "eiert" vielmehr um die Erde herum. Die Quintessenz der ganzen Geschichte ist nun, dass der Abstand des Mondes zur Erde nicht immer gleich ist - die Mondbahn ist eben nicht kreisförmig! Er ist manchmal etwas näher bei der Erde und manchmal etwas weiter weg.
Die mittlere Entfernung des Mondes beträgt 384.400km. Apollo 11 benötigte für die Reise zu unserem Trabanten rund 76 Stunden, das Licht schafft diese Strecke in ca. 1,5 Sekunden. Zum Vergleich: die Lichtlaufzeit von der Sonne beträgt etwa 8 Minuten - nur um ein "Gefühl" für die Dimension zu bekommen.

Wie super ist ein Supermond?

Die kleinste Entfernung des Mondes von der Erde - übrigens Perigäum genannt - beträgt etwa 356.400km, die größtmögliche - das Apogäum - hingegen rund 406.700km. Die Schwankung ist also nicht besonders groß, de facto unter 10%. Trotzdem ist es genau diese Schwankung, die uns den Terminus "Supermond" beschert hat. Durch die unterschiedliche Distanz erscheint uns der Mond manchmal ein wenig größer und manchmal eben kleiner. Die Größenänderung fällt allerdings mit etwa 14% recht bescheiden aus, vergleichbar mit dem Unterschied zwischen einer 1€- und einer 2€-Münze. Ein wenig markanter ist die Änderung der Helligkeit mit ca. 30%. So super groß und hell, wie behauptet wird, ist der Supermond im Perigäum jedenfalls keineswegs. Mangels eines direkten Vergleichs fällt der Unterschied tatsächlich kaum auf.
Für den anderen Fall nämlich, dass uns der Mond im Apogäum kleiner erscheint, weil er weiter weg ist, gibt es interessanterweise keine entsprechenden astrologischen Superlative wie etwa "Looser-Mond" oder wie auch immer!
Größenunterschied des Mondes von der Erde aus gesehen zwischen kleinster Entfernung (Perigäum, 356.400km) und größter Entfernung (Apogäum, 406.700km).

Wie oft gibt es einen Supermond?

Ein Detail haben wir Ihnen noch verschwiegen. Supermond bezieht sich nur auf den Vollmond (manchmal auch auf den Neumond, doch den sehen wir ja nicht, woher sollten wir daher wissen, dass er super ist?). Einen Supermond gibt es folglich nur, wenn Vollmond und Perigäum (kleinste Distanz) zeitlich zusammenfallen - und da liegt "der Hund begraben"! Die elliptische Mondbahn steht nämlich nicht still im Raum, ganz im Gegenteil. Sie dreht sich ihrerseits um die Erde herum. Dieses Phänomen wird als Apsidendrehung bezeichnet und rührt unter anderem daher, dass unsere Erde nicht exakt kugelförmig ist. Es rotiert also der Mond auf einer um die Erde rotierenden elliptischen Bahn um die Erde. Wenn Sie diesen Satz genauso verwirrend finden wie wir, sehen Sie sich die folgende Abbildung dazu an, ein Bild sagt mehr als 1000 Worte:
Apsidendrehung: Die Hauptachse der elliptischen Mondbahn (Apsidenlinie, punktiert) dreht sich in 8,85 Jahren einmal rundherum. Die blauen Punkte stellen die verschiedenen Positionen des Perigäums durch diese Drehung dar. Credits: Mpfiz / Public Domain
Das Perigäum verschiebt sich also ständig, deswegen ist nicht jeder Vollmond ein Supermond. Zwischen zwei Vollmonden vergehen 29,5 Tage und das Perigäum läuft einmal in 8,85 Jahren einmal um die Erde herum. Daraus folgt, freilich nicht ohne Rechenaufwand, dass unser vieldiskutierter Supermond nur an jedem 14ten Vollmond stattfindet, also in etwa alle 13,5 Monate. Der letzte war am 19. 2. 2019 zu sehen und sollten Sie den diesjährigen versäumen, wäre es am 26.5.2021 wieder so weit.
Abschließend sei erwähnt, dass Richard Nolle einen Zusammenhang zwischen einem Supermond und dem Auftreten von Erdbeben und Vulkanausbrüchen sah. Diese These ist jedoch, so wie alle anderen in der Astrologie beschriebenen Wirkungen des Supermondes, wissenschaftlich nicht haltbar und somit im Bereich der Esoterik anzusiedeln.

Fazit: Supermond hin oder her - super anzusehen ist der Vollmond allemal, vom sonstigen Sternenhimmel sollten Sie sich ob seiner Helligkeit - Stichwort natürliche Lichtverschmutzung - allerdings nicht allzu viel erwarten.