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Der Sommerhimmel

25.06.2020
Am 20. Juni um 23:44 hat auf der Nordhalbkugel der Erde der Sommer begonnen. Zu diesem Zeitpunkt hat die Sonne ihren größten nördlichen Abstand vom Himmelsäquator erreicht, sie steht also zu Mittag an ihrem höchsten Punkt am Himmel im Jahresverlauf. Deshalb erleben wir zu Sommerbeginn den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Während des Sommers werden die Tage bereits wieder kürzer.
Der Sternenhimmel hat auch im Sommer einiges zu bieten.

Ist die Erde der Sonne im Sommer näher?

Nein, ist sie nicht! Die Erde bewegt sich zwar auf einer elliptischen Bahn um die Sonne und ist daher nicht immer gleich weit von ihr entfernt, das hat aber nichts mit der Entstehung der Jahreszeiten zu tun. Das wird einem klar, wenn man bedenkt, dass auf der Südhalbkugel Winter ist, wenn wir hier im Norden Sommer haben und umgekehrt. Tatsächlich erreicht die Erde ihren sonnenfernsten Punkt am 4. Juli. Sie ist dann 152 Millionen Kilometer von unserem Zentralstern entfernt.
Die Jahreszeiten kommen dadurch zustande, dass die Achse, um die sich die Erde während eines Tages dreht, nicht genau senkrecht zu ihrer Umlaufbahn um die Sonne steht. Diese Schiefe von 23,44° führt dazu, dass im Laufe eines Jahres einmal die Nord- und einmal die Südhalbkugel direkter vom Sonnenlicht beschienen wird und dort dann Sommer herrscht.

Das Sommerdreieck

Auch wenn die Nächte kurz sind, ist es meistens doch angenehmer, an einem lauen Sommerabend den Himmel zu beobachten als in einer langen kalten Winternacht. Am Sommerhimmel fallen drei besonders helle Sterne auf, die ab Juli hoch am Himmel stehen: das Sommerdreieck. Es handelt sich dabei allerdings nicht um ein Sternbild, sondern um einen sogenannten Asterismus, eine einprägsame Sternenkonstellation, die aber kein eigenes Sternbild darstellt. Die Komponenten des Sommerdreiecks gehören sogar zu drei unterschiedlichen Sternbildern: Wega in der Leier, der hellste Stern des Dreiecks, Deneb im Schwan und Altair im Adler.

Die Leier

Das Sternbild Leier. Credits: Torsten Bronger (CC BY-SA 3.0)
Das Sternbild der Leier besteht aus vier Sternen, die in einem Parallelogramm angeordnet sind. Etwas abgesetzt davon befindet sich Wega, der fünft-hellste Stern an unserem Nachthimmel. Wega ist somit hell genug, dass man ihn auch am aufgehellten Großstadthimmel sehen kann. Mit 25 Lichtjahren Entfernung gehört Wega zu unserer kosmischen Nachbarschaft. Den Namen Leier bzw. lateinisch Lyra trägt das Sternbild, weil seine Form an das Saiteninstrument erinnert. Mit einem Fernrohr kann man noch zwei weitere Besonderheiten in der Leier entdecken: Zwischen den beiden Sternen der „Unterkante“ des Parallelogramms befindet sich der berühmte Ringnebel M57. Er gehört zu den planetarischen Nebeln, wobei diese Bezeichnung historisch begründet ist. M57 hat in Wirklichkeit nichts mit Planeten bzw. Planetenbildung zu tun. Es handelt sich um das Endstadium eines Sternes, der gegen Ende seines Lebens die äußeren Schichten abgestoßen hat, die uns nun als diffuser Nebel erscheinen. In der Mitte glühen die Reste des Sterns als weißer Zwerg langsam aus. Unsere Sonne wird vermutlich ein ähnliches Schicksal erfahren, allerdings erst in ca. 4,5 Milliarden Jahren. Ebenfalls sehr interessant für die Beobachtung mit einem Teleskop ist Epsilon Lyrae, ein Sternsystem unweit von Wega. Während Epsilon Lyrae mit freiem Auge lediglich als ein Stern wahrgenommen wird, erkennt man bei entsprechender Vergrößerung, dass es sich um ein Mehrfachsternsystem handelt. Unter guten Bedingungen und bei ausreichender Größe des Fernrohrs kann man vier Sterne auflösen. In Wirklichkeit sind es sogar sieben, die um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen.

Der Schwan

Das Sternbild Schwan. Credits: Torsten Bronger (CC BY-SA 3.0)
Etwas östlich der Wega leuchtet als zweite Ecke des Sommerdreiecks der Stern Deneb. Deneb ist der „Schwanzstern“ des Sternbildes Schwan, der mit seinen ausgebreiteten Flügeln die Milchstraße entlang fliegt. Sein lateinischer Name lautet Cygnus. Wegen seiner markanten Form wird er auch Kreuz des Nordens genannt. Der Kopfstern des Schwans heißt Albireo. Betrachtet man ihn im Fernrohr, erkennt man, dass es sich dabei nicht nur um einen, sondern um zwei Sterne handelt: einen roten und einen bläulich-weißen. Anhand der Farbe eines Sterns kann man auf seine Oberflächentemperatur rückschließen: rote Sterne sind kühler mit einer Oberflächentemperatur von ca. 3 000°C, während blaue Sterne bis über 30 000°C heiß werden können.

Der Adler

<span style="font-family: Arial; font-size: 13.3333px; font-style: normal; font-variant-ligatures: normal; font-variant-caps: normal; font-weight: 400;">Das Sternbild Adler. Credits: Torsten Bronger (CC BY-SA 3.0)</span>
Der dritte Stern des Sommerdreiecks ist Altair im Sternbild Adler. Der Name Altair stammt aus dem arabischen und bedeutet „fliegender Adler“. Mit einer Entfernung von 16,7 Lichtjahren ist Altair unserem Sonnensystem noch näher als Wega. Neben Altair bilden die hellen Sterne Tarazed und Alschain den Kopf. Der Adler, oder lateinisch Aquila, fliegt ebenfalls die Milchstraße entlang, dem Schwan entgegen.


So wie zu den anderen Jahreszeiten hat der Himmel im Sommer einige Besonderheiten zu bieten. Und wenn man kein eigenes Fernrohr besitzt, um diese zu erkunden, lohnt sich ein Besuch auf einer unserer Sternwarten. Bei den Himmelsblicke-Führungen zeigt Ihnen unser Team alle Highlights des Sommerhimmels live. Viel Spaß auf der Himmelsreise und clear skies!